den Balsam geschickt . « Sie eilte fort , ohne mich zu hören , ohne sich um meinen Zustand zu bekümmern ; er grenzte an Bewußtlosigkeit . Ich erwachte nur durch Heliodor ' s Stimme , die mir rauh zurief : Theophania , folge mir ! Agathokles verlangt dich zu sehen . Ich schwankte - kaum vermochte ich ihm zu gehorchen . O welcher Entscheidung ging ich entgegen ! An der geöffneten Thüre blieb ich zögernd stehen . Heliodor zog mich in ' s Zimmer . Ich wußte nicht , wie mir geschah - Himmel und Erde waren mir vergangen - da weckte mich die Stimme der innigsten Liebe . Larissa , meine Larissa ! rief Agathokles . Ich sah empor , ich sah ihn weit vorgebeugt den Arm nach mir ausstrecken , als wollte er mir entgegen stürzen . Larissa ! rief er noch einmal . - Jetzt war Alles vergessen . Ich flog an seine Brust , ich wußte nichts mehr von der Welt , ich wußte nichts , als daß ich geliebt war ! Meine Freude wechselte schnell mit Schrecken . Agathokles lag bleich , mit geschlossenen Augen in meinem Arm . Ich schrie um Hülfe , da schlug er das Auge auf , und heftete einen Blick auf mich . - Ach Junia ! der ganze Himmel war in diesem Blicke ! » Du lebst , « begann er nun nach einer Weile : » Du lebst - du bist frei , du bist mein ! « - Er legte seine Hand auf meine Stirn , auf meine Schultern , er faßte meine Hände : » Es ist kein Traum ? « sagte er endlich langsam - » Nicht wahr , Constantin ! es ist kein Traum ? « Jetzt erst sah ich mit Erröthen , daß wir einen Zeugen gehabt hatten ; ich trat zurück . Constantin näherte sich , in seinem edeln Gesichte strahlte der Wiederschein von der Freude seines Freundes . - » Nein , mein Agathokles ! « sagte er lächelnd , » sie lebt wirklich , du hast sie wieder , und ich freue mich herzlich darüber . « Er faßte meine Hand : » Ich habe dich schon gestern erkannt - du fühltest es wohl , ob du es schon nicht gestehen wolltest . « Ich lächelte , und bat ihn , der Sorge für seinen Freund diese Zurückhaltung zu verzeihen . Agathokles nahm jetzt unsere beiden Hände in seine Linke , und drückte sie herzlich . » O mein Constantin ! meine Larissa ! - Meine Theophania ! denn so will ich dich fortan nennen , mit diesem Namen wurdest du für mich wiedergeboren . So war es auch kein Traum , als ich deine Gestalt in der ersten Nacht zu sehen , deine Stimme zu hören glaubte ? O wie konntest du so hart seyn , mir dies Glück durch vier lange Tage zu entziehen , und so kalt in meiner Nähe leben , ohne dich zu verrathen ? « Ich erröthete . » Wenn Constantin dir den Brief ganz gelesen hat - sagte ich endlich - so weißt du « - Das war nicht geschehen . Agathokles Ungeduld hatte nicht so lange gewartet . Jetzt las Constantin - ich fühlte , daß heißer Purpur mein Gesicht bedeckte , meine Thränen floßen , und doch war ich selig . Mit den letzten Worten des Briefs entfernte sich Constantin schnell . Nun waren wir allein , allein mit unsern vollen Herzen , mit unserm Glück . Agathokles sagte nichts , er reichte mir schweigend die Hand , und sah mich mit einem unbeschreiblichen Blicke an . Sein Auge schimmerte feucht , ich sah Thränen darin . Ach Junia ! zürne der irdisch-gesinnten Freundin nicht , ich fühlte mein Inneres gewaltsam zu ihm gezogen , ich sank an seine Brust , unsere Lippen berührten sich innig und fest , unsere Seelen floßen in einander . Ach es war der erste Kuß seit jenem letzten Abschied an den Hecken in meines Vaters Garten ! Aus seinem Arm glitt ich am Bette auf meine Kniee nieder , ich betete . - O , Gott kann diese schuldlose Aeußerung inniger Liebe nicht verdammen , was auch Heliodor sagen mag ; denn ich konnte beten . Agathokles gab der heftigen Spannung , in der sich meine Seele befand , eine sanfte Richtung . Er zog die goldene Nadel aus meinen Haaren , und begann ein süßes Spiel damit , wie in den stillen Tagen unserer ersten Liebe , er schlang seine Hand in meine Locken , er ordnete sie , und zerstörte tändelnd wieder , was er erst gemacht hatte . Ich ließ ihn gewähren , und war so glücklich ! Ich erzählte ihm von meinem Aufenthalt bei dem guten Fritiger , von Synthium , von meiner Angst meiner Eifersucht . Er lächelte , er gab mir unter tausend Liebkosungen die heiligsten Versicherungen seiner Treue . O es war schon seit seinem ersten Worte kein Zweifel mehr in meiner Brust ! So schwatzten , so tändelten wir fort , glücklich wie die Kinder , und sorglos wie sie , bis Heliodor ' s Ankunft uns in die Wirklichkeit zurückrief . Agathokles sagte mir nun , daß sein Uebergang zum Christenthum ihn den Segen und die Reichthümer seines Vaters gekostet habe . Sein Sold als Tribun und sein mütterliches Erbtheil war Alles , was er besaß . Stockend trug er es mir vor , ich schauderte bei dem Fluche seines Vaters - aber wie konnte das Zweite mich rühren ? » Wir werden miteinander leben ! « rief er muthig , » wir werden Alles theilen , Glück und Unglück , viel oder wenig , was Gott sendet ! Bist du ' s zufrieden , Theophania ! so gib mir deine Hand am Altar , so bald ich im Stande bin , dir meine Rechte zu reichen , sobald ich genese . « Ich drückte seine Hand an meine Brust , mein Auge antwortete ihm