geschafft in den fünf Jahren , aber ich glaube , er braucht zehn , um sein Restovicz nur menschlich zu machen . « » Warum hat Herr von Berneck sein Auenfeld denn nur verkauft und ist hierher gegangen ? « fragte Paula unbefangen . » Frau Almers schien auch nicht einverstanden damit zu sein . « In dem Gesichte des Alten zeigte sich eine gewisse Verlegenheit , und er entgegnete ausweichend : » Das war so eine eigene Sache ! Es war ihm verleidet worden , und er wollte fort , aber deshalb brauchte er doch nicht gerade in die Wildnis zu gehen , er konnte unter den Menschen bleiben . Aber das Volk hier , das ist ja eine Bande , bei der man seines Lebens nicht sicher ist ! Der Herr und ich , wir werden sicher noch einmal totgeschlagen . « » Um Gottes willen ! « fuhr das junge Mädchen entsetzt auf . » Sind die Leute so schlimm ? « » Wie man ' s nimmt ! Gegen einen von ihrer Sorte sind sie es nicht , aber den Fremden hassen sie bis aufs Blut , und nun vollends Herrn Ulrich , der ihnen Zucht und Ordnung beibringt . Das kennen sie freilich nicht hier zu Lande ; bei ihren früheren Herren , da konnten sie machen , was sie wollten , kein Mensch kümmerte sich darum , und wenn die ganze Wirtschaft dabei zum Teufel ging . Jetzt heißt es , Ordre parieren , jetzt werden sie regiert , daß es nur so eine Art hat ! Zu mucksen wagen sie ja nicht , sie kennen den Herrn , aber wenn sie ihm hinterrücks etwas anthun können , dann geschieht ' s. Ich sage Ihnen , Fräulein , man wird hier keine Stunde seines Lebens froh ! « » Dann hätten Sie doch wenigstens in der Heimat bleiben sollen , « warf Paula ein , aber da richtete sich der Alte förmlich beleidigt auf . » Ich werde doch Herrn Ulrich nicht allein lassen ! Ich war schon bei seinen Eltern im Dienst und habe ihn auf dem Arm getragen , als er noch nicht laufen konnte . Er hat mir freilich gesagt , als er fortging : › Ullmann , für dich ist reichlich gesorgt , wenn du hier bleiben willst , ‹ aber da sagte ich : › Das gibt ' s nicht , Herr Ulrich , ich gehe mit Ihnen bis ans Ende der Welt ! ‹ Ich war ja auch der einzige , den er mitgenommen hat , und so ziemlich ans Ende der Welt sind wir auch geraten . « Das junge Mädchen hob nachdenklich den Blick empor zu den grauen Mauern des Schlosses , die wohl schon mehr als ein Jahrhundert überdauert hatten . » Und nun hausen Sie das ganze Jahr allein hier , mit Ihrem Herrn und all den fremden Dienstleuten ? Er könnte sich seine Leute doch aus Deutschland kommen lassen . « Ullmann zuckte die Achseln . » Er will ja nicht , er sagt , sie passen nicht hierher , aber ich weiß es besser . Er will eben nichts mehr hören und sehen von da oben . Es ist ja auch das erste Mal in den fünf Jahren , daß wir Besuch haben . Die gnädige Frau – nun die ist freilich sehr vornehm , für die ist unsereins kaum vorhanden , aber Sie , Fräulein Paula ! Mit Ihnen ist doch der leibhaftige Sonnenschein gekommen ; ich meine immer , es ist heller geworden in Restovicz , seit Sie da sind ! « Das Kompliment kam etwas ungeschickt , aber so treuherzig heraus , daß das junge Mädchen ihm lächelnd zunickte . » Ja , Ullmann , wir beide sind schon recht gute Freunde geworden , aber der › Sonnenschein ‹ ist nur für Sie allein da . Da drinnen im Schlosse bin ich immer äußerst gesetzt und verständig . Frau Almers fordert das von ihrer Umgebung und nun vollends Herr von Berneck – da darf man doch nicht lachen und lustig sein . Ich glaube , wenn ich mich einmal dergleichen unterstände , er verwiese mich auf der Stelle aus seinem Restovicz . « » Nun , so schlimm ist es nicht , « meinte der Alte . » Ernst ist er freilich , und das Lachen hat er ganz verlernt , aber früher , da konnte er es gerade so gut wie Sie . Haben Sie einmal das Bild angeschaut , das da oben im großen Saale hängt , gleich rechts am Eingang ? Den Jägersmann mit dem grünen Spitzhut und der Büchse in der Hand ? So hat er ausgesehen , noch vor neun Jahren ! « » Das Jägerbild ? « fragte Paula betroffen . » Jawohl , das kenne ich ! Aber das soll doch nicht etwa Herr von Berneck sein ? « » Natürlich ist er es , und das Bild war sehr ähnlich damals . « » Der junge Jäger ? Aber wie alt ist er denn eigentlich jetzt ? « » Gerade siebenunddreißig ! Das wundert Sie , Fräulein ? Ja , er sieht freilich um zehn Jahre älter aus . Damals war er eben ein junger , lustiger Patron , den alle Welt gern hatte , und es fehlte ihm auch nichts im Leben . Die Eltern waren ja früh gestorben , aber sie hatten ihm das schöne Auenfeld hinterlassen , und die reiche Tante in Berlin war kinderlos , deren Erbe wurde er auch einmal . Sie hätten ihn nur sehen sollen , unseren Jungherrn , wenn er durch die Felder ritt oder in den Wald zog mit seiner Büchse . Er konnte ja nicht leben ohne seine geliebte Jagd , und er war der beste Schütze weit und breit . Was ihm vor den Lauf kam , das traf er – ja , das waren andere Zeiten ! « Paula hörte halb gefesselt , halb ungläubig zu und war eben