korinthroten Seidendraperien und seinem kostbar geschnitzten , von Spitzen überdeckten Bette auf hoher Estrade , war ihm preisgegeben , und es durfte sich in den Brillanten spiegeln , die noch in den Lockenpuffen der Präsidentin verstreut lagen . Die Hand der Kammerjungfer hatte die alte Dame nicht berühren dürfen ; noch schleppte ihr das gelbe Stoffkleid schwer nach , wie sie immer wieder durch die lange Zimmerreihe wankte , in welcher die umgeworfenen Möbel , die von den Simsen gestürzten Statuen umherlagen . Die Schleierwolke um Hals und Kinn der alten Dame hatte sich gelöst , und der sonst so sorgfältig verhüllte , fleischlose Unterkiefer hob sich scharf , in hippokratischer Linie von dem vertrockneten Halse . Ja , sie war hochbetagt und für den ausgedörrten Körper stand die Lebenssonne tief , tief im Niedergehen – und dennoch wälzte diese wankende Greisin in fieberhafter Angst den einen Gedanken unablässig durch den Kopf : „ Wer wird Moritz beerben ? “ Sie selbst hatte nicht den leisesten Anspruch auf die Hinterlassenschaft des so jäh Hingerafften – nicht einmal auf das Bett , in welchem sie schlief , nicht auf das Geschirr , aus welchem sie aß . Der Kommerzienrat war früh verwaist ; so viel sie wußte , existierten keine Verwandten seines Namens mehr , aber hatte er nicht öfter Unterstützung an eine arme Schwester seiner verstorbenen Mutter an den Rhein geschickt ? Sollte sie die Erbin sein ? Der Gedanke war zum Rasendwerden . Die Frau eines obskuren Schreibers , eine bedürftige Weißnäherin , nahm Besitz von den kolossalen Reichthümern , und die Frau Präsidentin Urach , die sich schon lange gar nicht mehr vorstellen konnte , wie man ohne seidengepolsterte Equipage von einem Orte zum anderen kommen , wie man ohne Koch und servierende Lakaien anständig essen und in einem Bette ohne Brokatbaldachin schlafen könne , sie mußte ihre alten , auf den Dachboden gestellten Möbel wieder ausklopfen und in eine enge Miethwohnung schaffen lassen , wo es keinen Marstall voll dienstbereiter Pferde , keine Livréebedienung und keine fürstlich splendide Küche mehr gab – denn sie und ihre beiden Enkelinnen waren ja nicht blutsverwandt mit dem Millionär , der ohne Testament aus der Welt gegangen . Die aus der Umgegend eingeladenen Herren waren bis nach Mitternacht um die alte Dame versammelt geblieben , und wenn man auch diesen Punkt nicht berührt hatte , so war doch schon in die hochgehenden Wogen der schreckensvollen Bestürzung da und dort ein scheues Wort gefallen über die entsetzliche Verwirrung , die der Katastrophe bezüglich der Vermögensverhältnisse des Verunglückten auf dem Fuße folgen müsse , da der Kommerzienrat seine Dokumentenschränke und seine Bücher in dem Turme verwahrt gehabt habe , und von alledem nicht ein einziges versprengtes Papierblatt gefunden worden sei . Aber mochten doch da drüben Unsummen in die Luft geflogen sein – stand sie , die alte Frau , nicht hier auf einem Grund und Boden , der nach vielen Tausenden geschätzt wurde ? War nicht unter ihren Füßen , in dem festen Steingewölbe die Silberkammer ? Standen nicht Pferde der edelsten Rassen drüben in den Ställen ? Und welcher unermeßliche Werth steckte in der Gemäldesammlung berühmter Meister ! Das Alles genügte , um der Frau Präsidentin das schöne luxuriöse Leben einer reichen Frau bis an ihr Ende zu sichern , wenn die hochgeborene Dame den Beweis zu erbringen vermochte , daß das Blut des Seilersohnes auch in ihren Adern fließe . Und auch von der , die über ihr , in Henriettens Wohnzimmer lag , von der Enkelin des Schloßmüllers war gesprochen worden – man wußte , daß ihr ganzes großes Vermögen in dem Turme eingeschlossen war . Die Präsidentin , in ihrer nervösen Angst und Unruhe , hatte nur mit halbem Ohre hingehört - was ging sie das Wuchergeld des ehemaligen Müllerknechtes an ! Flora dagegen war bei ihrer merkwürdigen Sammlung und objektiven Ruhe , die sie angesichts des grauenhaften Ereignisses behauptete , den möglichen Eventualitäten gefolgt , welche die völlige Vernichtung der Dokumente für ihre Stiefschwester herbeiführen konnte . Es hatte etwas Zornmüthiges , Verbissenes in ihrem schönen bleichen Römergesichte gelegen , als sie gegen zehn Uhr aus der Bel-Etage herabgekommen war . Sie , der gefeierte Mittelpunkt der geselligen Kreise , das schöne Mädchen , dessen geistiges Uebergewicht , dessen scharfes Urtheil für alle Bekannten maßgebend war , sie hatte zu ihrer tiefsten Indignation die klägliche Rolle einer Ueberflüssigen droben in dem sogenannten Krankenzimmer spielen müssen . Außer Henriette , die , auf einem Sopha kampierend , um keinen Preis Käthe verlassen wollte , war auch die Tante Diakonus als Pflegerin erschienen . Sie hatte zu gleich ein Asyl in der Villa suchen müssen , denn aus dem Hause am Flusse , das ja der Unglücksstätte am nächsten lag , waren die Schlöte eingestürzt , an der südlichen Hausmauer zeigten sich bedenkliche Risse und Sprünge die die Fenster lagen in Trümmern , und keine der Thüren paßte mehr in Schloß und Angel . – Die neueingezogene Dame war mit der Köchin in der Schloßmühle bei Suse einquartiert worden , und für die Nacht hatte der Doktor zwei Wächter an das verlassene Haus postiert . FROM HERE ON MUST BE PROOFREAD Am Bette der Verletzten war kein Platz für Flora gewesen . Zu Häupten hatte die Tante , entsetzlich verweint , in einem Lehnstuhle gesessen , und ihr gegenüber der Doktor . “ Die Alte hatte sich geberdet , als sei Käthe ' s ungefährliche Stirnwunde , ihre anhaltende Betänbung , das Ackerbeklagenswerthefte , was der unheilvolle Tag überhaupt gebracht , und der Doktor war nicht von seinem Platze gewichen – er hatte Käthe ' s Hand nur aus der seinen gelassen , wenn der Umschlag aus ihrer Stirn ernenert werden mnßte . Ein solch ' besorgnißvolles Gebahren um “ das robuste , lange Mädchen mit den Nerven und Gliedern der ehemaligen Holzhackerstochter widerspruchslos mit anzusehen , dazu hatte denn doch für Flora ein vollgerütteltes Maß Geduld und Selbstüberwindung gehört . Des ewigen bangen Geflüsters müde und einsehend ,