Person ; ich dagegen fühlte so recht aus tiefstem Herzensgrunde , was es heißt , dem Vaterlande , der süßen Heimath , ohne einen Schimmer von Hoffnung auf ein dereinstiges Wiedersehen , den Rücken zu kehren . Meine Blicke hafteten auf dem jenseitigen Ufer , welches sich mit seinen fernen Höhenzügen nur als ein langgereckter , unregelmäßiger , schwarzer Streifen auszeichnete . Die Lage der Dorfschaften und vereinzelten Gehöfte war indessen leicht zu erkennen an den Lichtern , die hin und wieder auftauchten , und wie um den Eindruck des trauten Heimathlichen noch zu erhöhen , klang der lustige Dreischlag fleißiger Drescher über den breiten Wasserspiegel zu mit herüber , und der Ruf der Hähne , die ungeduldig dem ersten Tagesschimmer entgegenharrten . Jeder Ton , der das Leben und Wirken der glücklichen Landbewohner verrieth , drang mir zum Herzen ; unwillkürlich verglich ich in Gedanken ihr Loos mit dem meinigen , und wie mit höherer Kraft begabt , sendete ich meine geistigen Blicke bis in ihre Hütten , ihr innerstes Familienleben . Freilich verschwammen damals die friedlichen Bilder , meinem unsäglichen Schmerz gegenüber , in einander ; heute aber , indem ich mich in jene fern liegenden Zeiten zurückversetze und eine im Laufe der Jahre gewonnene Ruhe mir zur Seite steht , vermag ich sie von einander zu scheiden und , wenn auch nur für mich , in einen freundlichen Blumenstrauß wehmüthiger Erinnerungen zu ordnen . Ich saß am Rande des eilenden Wassers , meine Augen auf das jenseitige Ufer gerichtet . Glückliche Menschen erwachten dort Grüben zu frischem Leben , um sich gestärkt und erquickt an die gewöhnlichen Tagesbeschäftigungen zu begeben . Um die Lichter , die wie lauter Friedenssterne funkelten , versammelten sich Familien , hier zur gemeinsamen Morgenandacht , dort zum einfachen Früh-Mahl . In den warmen Ställen tasteten sich der Hausvater und seine ältesten Söhne umher , um , eh ' sie sich selbst Speise gönnten , den Pferden und den Rindern ihren Morgenimbiß zu verabreichen ; vor dem flackernden Feuer auf dem Küchenherd stand die Hausmutter , mit kundiger Hand den Inhalt eines dampfenden Kessels rührend und gelegentlich kostend . In der Stube aber balgten sich Kinder um den Preis , möglichst lange von der ältesten Schwester mit dem kalten Waschwasser verschont zu werden , während andere den Katechismus unter dem niedergedrückten Kopfkissen hervorholten , um zu prüfen , wie viel wohl während der Nacht von den weisen Sprüchen , ohne ihnen Mühe zu verursachen , in den Kopf hineingezogen sei ; oder sie kratzten auch mit dem stumpfen Griffel auf der invaliden , rahmenlosen Tafel , daß es pfiff und kreischte , als ob das Einmaleins sich mit aller Kraft gegen sie gewehrt habe und bereits im Voraus darüber hohnlache , erst von dem Herrn Dorfküster , in Begleitung von einigen wohlgemeinten Stockschlägen auf die stäubende Jacke , berichtigt zu werden . Und dazu krähten die Hähne und klapperten die Drescher , daß es eine wahre Freude war und mir das Herz vor Wehmuth hätte zerspringen mögen . Doch diese Wehmuth , welche dem Abschiede von der Heimath galt , sie war wohlthuend im Vergleich mit dem Schmerz , der mich bei dem Gedanken an meinen unersetzlichen Verlust niederdrückte ; und so suchte ich denn , während ich die Lichter auf dem jenseitigen Ufer betrachtete , immer neue traute Bilder zu schaffen und vor meine Seele hinzuzaubern . O , es war ein trüber , trauriger Genuß ; aber ich wurde desselben nicht müde , und fort und fort wanderten weine Blicke von Hütte zu Hütte , von Licht zu Licht , bis diese endlich , eins nach dem andern erloschen und der anbrechende Tag die Gehöfte in allen ihren Formen klarer und deutlicher hervortreten ließ . Da störte mich regelmäßiger Ruberschlag in meinen Betrachtungen . » Es wird das für mich bestimmte Boot sein , « sagte ich leise zu Anton . » Es war ' mal ein König über Rhein , Der hatte verloren drei Töchterlein . Die erste ging nach Oesterreich , Die zweite trat in ' s Kloster ein , Die dritte zog dem Spielmann nach , « klang die alte Volksweise melancholisch zu dem Plätschein der Ruder . » Welch seltsames Zusammentreffen , « dachte ich , sobald ich an der Stimme die Sängerin erkannte . » Anton , wir müssen scheiden , « wendete ich mich darauf an meinen Gefährten , denn ich errieth , daß mein Vormund Fräulein Brüsselbach angetroffen und diese für die geeignetste Person gehalten habe , auf seine Kosten stromabwärts zu senden , um meine Flucht dadurch zu verdecken . » Ja lieber , junger Herr , « antwortete Anton , erschreckt emporfahrend . » Frau loch Kaffee , « fügte der Rabe ärgerlich hinzu , denn durch Anton ' s Bewegung war er aus seinem Schlummer gestört worden . Sinnend betrachtete ich meinen treuen Freund , und zugleich lauschte ich nach dem sich nähernden Fahrzeug hinüber . » Sie zog dem Spielmann sieben Jahr nach , Und als die sieben Jahr um war ' n , Da ward das Mädchen sterbenskrank , « erschallte dieselbe Stimme jetzt schon bedeutend näher . » Anton , wenn es mir gelingt zu entkommen , so verdanke ich Dir meine Freiheit , « hob ich wieder an , gerührt in des armen Burschen thränende Augen schauend . Anton blickte mich starr an ; er schien mich nicht zu begreifen . » Drauf zog sie in eine Mühle ein , Die Müllerin gab ihr ein Kammerlein . Ach Müllerin gieb mir ein Glas Wein , Mein Vater ist König über Rhein , « sang Fräulein Brüsselbach in ihrer eigenthümlichen Weise . » Anton , « fuhr ich fort , » ich will Dir ein Andenken an Deinen besten Freund geben . Hier Haft Du meine Uhr ; ich gebrauche sie nicht mehr ; was kümmern mich jetzt noch die Stunden ? Damit sie Dir aber nicht entwendet wird , gieb sie dem Herrn Oberstlieutenant in Verwahrung ,