Seite des Gartens hin bis zum Ende desselben . Er glich von außen völlig einem einstöckigen Gebäude , hatte Fenster mit Jalousien und stieß hinten an ein Gartenhaus , das quer den Garten schloß und dessen Front hinten nach einer Straße ging . In dem Winkel , welchen die beiden Gebäude bildeten , war jetzt der Kampfplatz . Die Jalousien des Ganges , die Fenster des Gartenhauses waren verschlossen , von dort aus konnten sie nicht beobachtet werden , eine dichte Gruppe Bäume , wenn auch damals unbelaubt , deckte sie so ziemlich nach vorn zu gegen unberufene Blicke aus dem Palais . Sie waren beide geübte Fechter , beide noch in der ersten Aufwallung , es regnete von beiden Seiten Hiebe - da flog die letzte Jalousie des Durchganges auf , in deren Nähe sie fochten , und die Fürstin erschien in der Fensteröffnung . Sie hatte vorn am Fenster den Wortwechsel an der Haustüre angehört , hatte sie in den Hof schreiten , den Bedienten mit einem Säbel nacheilen sehen und sich leicht das übrige ergänzt . Der Durchgang führte just in die Zimmer , welche sie bewohnte ; in früheren Zeiten hatte sich der Herr vom Hause gewöhnlich darin aufgehalten , und die bedeckte Verbindung mit dem Gartenhause war vielleicht zum Behufe verborgener Zusammenkünfte erbaut worden , wie sie in einem Lande der Unterdrückung nicht selten sind . Die Fürstin war also eilig durch ihre Zimmer die Treppe hinabgeeilt , und das Waffengeklirr verkündigte ihr am letzten Fenster , daß sie hier in der Nähe der Kämpfer sei . Einen Augenblick sah sie mit leuchtenden Augen dem Kampfe zu , als sei sie bloß deshalb herbeigeeilt . Die weibliche Sorge überwog aber doch bald jedes andere Wohlgefallen , und sie rief hastig den Namen ihres Cousins . Das Öffnen der Jalousie war diesen entgangen , aber die Stimme konnten sie nicht leicht überhören . Beide hielten inne , erhitzt , heftig atmend . » Schämen Sie sich nicht , meine Herren , ohne Sekundanten und Zeugen wie ein paar Stegreifritter aufeinander loszuschlagen ? - So was kann nur in Polen geschehen ! Cousin Stanislaus , ist das Zivilisation , Herr von Valerius , sind das Ihre humanen Grundsätze , mit denen Sie sonst das regelmäßige Duell sogar wegräsonnieren mit Stumpf und Stiel ? « Den einen wie den andern trafen diese Vorwürfe : jeder hatte sich von der Hitze fortreißen lassen , und die beiden jungen Männer , rot von der Bewegung und einer leichten Scham , sahen unschlüssig nach dem Fenster , aus dessen Dunkel das blasse schöne Antlitz Konstantiens blickte . » Ich habe vom Fenster des Salons aus Ihren Streit angehört ; Cousin , Cousin , was sind das für fanatische Manieren gegen einen Mann , für dessen Freundschaft Sie noch vorgestern schwärmten . Erlauben Sie , meine Herren , daß ich Sie beide beim Onkel melde , und ihm den Stand der Sachen auseinandersetze - aber haben Sie die Güte , Ihre Säbel einzustecken . « Sie verschwand nach den letzten Worten . Valerius sah seinen Gegner an und bot ihm die Hand , dieser schlug erst nach einer Weile die Augen auf , um mit einem jener rapiden polnischen Blicke die Stimmung des Deutschen zu erforschen . Als er aber die dargebotene Hand sah , schlug er schnell ein : » Nous sommes d ' accord ? « Wenn das Gewissen noch nicht rein ist , und das Herz nicht selbst und mutig spricht , dann reden die Leute in solchen Fällen französisch . Valerius nickte mit dem Kopfe , und sie gingen langsam dem Palais zu . Jener dachte nur an Konstantie : sie hatte sich vorzüglich an Stanislaus gewendet , und er fühlte wohl , wieviel Vorwurf darin lag , daß sie ihm weniger Vorwürfe machte als diesem , daß sie kein Recht mehr haben wollte , ihn zu schelten . - Aber er hoffte , sie noch beim alten Herrn zu finden , und ihr durch zwei , drei leise Worte sagen zu können , was er empfände . Er wollte deshalb schneller gehen , aber Stanislaus machte keine Anstalt , ihm zu folgen , und so war er genötigt , langsam fortzuschleichen , während sein Herz sprang . Konstantie war nicht mehr beim alten Grafen . Dieser empfing Valerius mit einer süßen Höflichkeit , welcher man leicht anmerkte , daß sie nur die eines Weltmannes und von der Beredsamkeit Konstantiens erzeugt war . Er bat Valerius , zum Essen dazubleiben , und begann ein Gespräch , über deutsche Literatur ; es war nicht zu verkennen , daß er alle früheren Beziehungen geflissentlich umgehen wollte . Valerius fühlte sich gedrückt und ertrug den fatalen Zustand nur , um wieder in die Nähe der Fürstin zu kommen . » Ich hörte neulich , « hub der Graf an , » hier unten auf der Straße ein Lied von Goethe singen , das ich oft in Deutschland gehört habe . Es sind wohl mehrere Ihrer Landsleute hier ? « und die alten tiefen Augen schickten bei diesen Worten einen spitzigen Blick auf den Gefragten - » was machen die Leute in einer solchen Kriegszeit bei uns ? « Valerius war verlegen und beleidigt , aber er mochte nicht reden und zuckte bloß mit den Achseln . Das Gespräch fügte sich nicht , die Reden und Gedanken gingen nicht ineinander über , und der Vorschlag des alten Grafen , bis zum Essen eine Partie Schach zu spielen , war ebenso natürlich , um das Peinliche des Zustandes aufzuheben , als er dem jungen Fremden angenehm war . Es gibt nichts Drückenderes , als wenn zwei Personen von äußeren Gründen getrieben werden , sich einander zu nähern , und doch keine inneren gegenseitigen Verbindungen auffinden können . Der Wunsch des Alten war nicht zu verkennen : Valerius möchte wieder unter die Waffen treten . Jeder » brave Pole « - so nennen sie vorzugsweise ihre Patrioten - betrachtet sein Vaterland wie eine Familienangelegenheit