nichts zu sprechen gefunden , außer ganz gleichgültige Dinge ; und wie durch die Luft sei es angeflogen , daß sie ganz andere Meinungen bekommen wie alle Leute , die sie kannte , denn sie könne sich nicht entsinnen , daß jemand ihr etwas erzählt über solche Gedanken . Deshalb habe sie auch immer gedacht , ihre Gedanken und Pläne seien unrecht , weil sie niemand gekannt , der sie geteilt , denn erst in ihrem neuen Kreise später habe sie die Menschen getroffen , die ebenso dachten wie sie . Das erzählte sie ihm , damit er sehe , wie ihre Gesinnungen nicht zufälliger Art seien und sich ändern könnten , sondern sie seien aus ihrem Wesen mit Notwendigkeit entstanden , und deshalb könne sie nicht anders werden , wie sie jetzt sei . Dann fuhr sie fort , ihm zu schildern , welche große Anstrengung es sie gekostet , bis sie alle Hindernisse und Vorurteile der Familie überwunden und habe sich in Freiheit bilden dürfen ; wenn sie jetzt an diese Zeiten zurückdenke , so begreife sie oftmals nicht mehr , wie das alles möglich gewesen sei . Und nun könne sie das alles nicht mehr opfern und sich einem andern fügen , eine Hausfrau werden und an ganz neue Dinge denken ; und wenn sie es doch versuchen wollte , so würde sie selbst unglücklich werden und ihn unglücklich machen , denn der Versuch werde gegen ihre Natur gehen . Darum sei es das beste , er lasse sie , und sie trennten sich jetzt , was zwar ihnen beiden schwer fallen werde ; aber da sie nun einmal in solchen unglücklichen Zwiespalt hineingeraten , daß sie einander lieb gewonnen hätten und doch nicht als Gatten zusammenleben könnten , so sei es besser , jetzt Kummer zu leiden und , wenn es möglich , ihre Neigung zu überwinden und dann später in der früheren Art weiter zu leben , wie eine Ehe zu führen , die sicher unglücklich werden müsse und vielleicht ihre gegenwärtige Liebe in Haß verwandeln werde . Mit großer Trauer las Hans diesen Brief ; und wie er ihn zu Ende gelesen , sah er in Marias Gesicht , das mit einem Ausdruck von unendlicher Liebe zu ihm gewendet war ; da lachte er , und sie hängte sich an seinen Arm und fragte schüchtern , was er nun denke , und wie er sagte , es werde alles gut werden , und sie wollten sich trotzdem ehelichen , da drückte sie seine Hand und war glücklich . In diesem Augenblicke wurde ihm in seiner ganzen Weise offenkundig , was sie zum Opfer brachte , nämlich die Freiheit und das Glück eines Blickes von hohen Bergen , und daß sie in Enge ging und kleine Sorgen auf sich nahm , und das tat sie , weil sie ihn lieb hatte , nicht für sich , sondern für ihn . Und er wußte wohl , daß er dieser Liebe unwert war und ihr nicht ein gleiches Opfer bringen konnte , und in Demut sagte er sich , das alles Herrliche , das wir erhalten , ein unverdientes Geschenk ist , und in Dankbarkeit nahm er sich vor , immer an diese Stunde zu denken . Er freute sich aber , daß er nehmen durfte und dankbar sein , und schämte sich nicht , daß seine Hände leer waren . Solches sind die Werke der Liebe in uns , daß sie unsre schlechteste Eigenschaft überwindet , nämlich den Dünkel , der nichts umsonst empfangen will . Nachdem die beiden dergestalt zu einem unumstößlichen Entschluß gekommen waren , beredeten sie untereinander , wie sie ihr äußeres Leben bilden würden . Wie die beiden Brüder und die Eltern gestorben , war Maria die Erbin aller Besitzungen der Familie . Solange sie für sich allein lebte , blieb ihr das gleichgültig , und sie hatte die Verwaltung einem Verwandten übergeben , denn sie war zufrieden , daß sie ihren Beruf hatte und ihre Pflicht erfüllen konnte . Nun aber wurde das anders , denn eine Familie will mehr Pflichten wie der einzelne . Hansens Tätigkeit war nicht derart , daß sie ihn selbst auf die Dauer befriedigt hätte , geschweige daß er auf sie hin hätte mögen mit seiner Familie leben . So beschlossen die beiden , daß Hans die Verwaltung der Herrschaft übernehmen sollte , und wußten wohl , wie verschuldet der gesamte Besitz war , so daß er zurzeit im ganzen sogar eine passive Bilanz aufwies , aber freuten sich , daß sie dadurch ein Ziel für frohe Arbeit bekamen , denn sie glaubten , daß wir nur glücklich sein können in einer angestrengten Arbeit , die einen Erfolg hat . Und nachdem sie dergestalt sich über den Plan und die Absichten klar geworden waren , setzten sie schleunigst alles Nötige ins Werk , benachrichtigten die entfernten Verwandten Marias , die zwar den Kopf recht schüttelten , aber doch keine Schwierigkeiten machen konnten , vielmehr recht gütig bei manchem halfen , und dann wurde die Hochzeit bald gefeiert . So nahmen sie denn die schwere Last fröhlich und guten Mutes auf sich , zogen in ein kleines Häuschen , das früher eine Beamtenwohnung gewesen war , und richteten sich ganz einfach ein . Wohl hatten sie einen Besitz , der auch nach Abzug der Schulden noch Millionen wert war , und doch lebten sie bescheiden , aber sie waren stolz und froh , daß sie Sparen und Haushalten , Arbeiten und Sorgen vor sich hatten , dessen Ende doch Sicherheit und ordentliches Leben für ihre Kinder wurde ; denn wenn der Besitz auch groß und wertvoll war , so blieb ihr Einkommen doch gering und konnte nur durch langsames Abtragen der Schulden wieder groß werden . Am frühen Morgen ging Hans schon in den Wald , und am späten Abend kehrte er nach Hause . Ein unbändiges Frohgefühl überkam ihn , wenn er zwischen den schweigenden Stämmen wanderte ; das alles gehörte ihm , diese gewaltigen Buchen