dieser kurzen Spanne Zeit alles gezeigt zu haben , was gezeigt werden konnte : mein Museum und meinen See . Die Sprudelstelle ( die Winterhand lag darauf ) hat geschwiegen , aber mein Derfflingerscher Dragoner - in Krippenstapels Abwesenheit darf ich ihn ja wieder so nennen - hat dafür um so deutlicher zu Ihnen gesprochen . Er hat die Zahl 1675 in seiner Standarte und trägt die Siegesnachricht von Fehrbellin ins märkische Land . Erleb ich ' s noch und gibt Krippenstapel seine Zustimmung , so stell ich , kurz oder lang , auch meinerseits einen Dragoner auf meinen Dachreiter ( einen Turm hab ich nicht ) , und zwar einen Dragoner vom Regiment Königin von Großbritannien und Irland , und auch er trägt eine Siegesbotschaft ins Land . Nicht die von Königgrätz und nicht die von Mars-la-Tour , aber die von einem gleich gewichtigen Siege . Das Haus Barby lebe hoch und meine liebe Schwiegertochter Armgard ! « Alle waren bewegt . Am meisten Lorenzen . Als er an den Alten herantrat , flüsterte er ihm zu : » Sehn Sie . Ich wußt es . « Armgard küßte dem Alten die Hand , Melusine strahlte . » Ja , die alte Garde ! « sagte sie . Nur Schwester Adelheid konnte sich in dieser allgemeinen Freude nicht gut zurechtfinden . Alle Feierungen mußten eben das Maß halten , das sie vorschrieb . Sie hatte den landesüblichen Zug : » Nur nicht zuviel von irgendwas , am wenigsten aber von Huldigungen oder gar von Hingebung . « Als man wieder saß , sagte Melusine : » Krippenstapel wird übrigens verstimmt sein , wenn er von Ihrem Trinkspruche hört . Es war doch eigentlich eine erneute feierliche Proklamierung des Derfflingerschen . Und was bei solcher Gelegenheit gesagt wird , das gilt ... Interessiert sich übrigens irgendwer für dies Ihr Museum ? « » Dann und wann ein Mann von Fach . Sonst niemand . « » Was Sie verdrießt . « » Nein , gnädigste Gräfin . Nicht im geringsten . Ich nehme nicht vieles ernsthaft , und am wenigsten ernsthaft nehm ich mein Museum . Es ist freilich von mir ausgegangen und interessierte mich auch eine Weile , hinterher aber hat sich eigentlich alles ohne mich gemacht . Das ist so die Regel . Ist überhaupt erst ein Anfang da , so laufen die Dinge von selber weiter , und die Leute lassen einen nicht wieder los , halten einen fest , man mag wollen oder nicht . Ich hätte vielleicht alles schon längst wieder aufgegeben , man will ' s aber nicht . Einigen gereicht es zur Befriedigung , mich für einen Querkopf halten zu können , und andre sprechen wenigstens von Originalitätshascherei . Man muß eben allerhand über sich ergehen lassen . « Einunddreißigstes Kapitel Um fünf Uhr brachen Woldemar und die Barbyschen Damen auf , um den Zug , der um sieben Uhr Gransee passierte , nicht zu versäumen . Es dunkelte schon , aber der Schnee sorgte für einen Lichtschimmer ; so ging es über die Bohlenbrücke fort in die Kastanienallee mit ihrem kahlen und übereisten Gezweige hinein . Lorenzen war noch im Schlosse zurückgeblieben und setzte sich , um wieder warm zu werden - auf der Rampe war ' s kalt und zugig gewesen - , in die Nähe des Kamins , dem alten Dubslav gegenüber . Dieser hatte seinen Meerschaum angezündet und sah behaglich in die Flamme , blieb aber ganz gegen seine Gewohnheit schweigsam , weil eben noch eine dritte Person da war , die von den liebenswürdigen Damen , über die sich auszulassen es ihn in seiner Seele drängte , ganz augenscheinlich nichts hören wollte . Diese dritte Person war natürlich Tante Adelheid . Die wollte nicht sprechen . Andrerseits mußte durchaus der Versuch einer Konversation gemacht werden , und so griff denn Dubslav zu den Gundermanns hinüber , um in ein paar Worten sein Bedauern darüber auszudrücken , daß er die Siebenmühlner nicht habe mit heranziehn können . » Engelke sei so sehr dagegen gewesen . « All dies Bedauern - wie ' s der ganzen Sachlage nach nicht anders sein konnte - kam flau genug heraus , aber die Domina war so hochgradig verstimmt , daß ihr selbst so nüchterne , das Verbindliche nur ganz leise , nur ganz obenhin streifende Worte schon zuwider waren . » Ach , laß doch diese geborne Helfrich « , sagte sie , » diese Tochter von dem alten Hauptmann , der die Schlacht bei Leipzig gewonnen haben soll . So wenigstens erzählt sie beständig . Eine schreckliche Frau , die gar nicht in unsre Gesellschaft paßt . Und dabei so laut . Ich kann es nicht leiden , wenn wir so mit Gewalt nach oben blicken sollen , aber diese Helfrich , das muß ich sagen , ist denn doch auch nicht mein Geschmack . Ich halte das Untersichbleiben für das einzig Richtige . Bescheidene Verhältnisse , aber bestimmt gezogene Grenzen . « Lorenzen hütete sich zu widersprechen , versuchte vielmehr umgekehrt , durch ein halbes Eingehn auf Adelheid und ihren Ton , eine bessere Laune wiederherzustellen . Als er aber sah , daß er damit scheiterte , brach er auf . Und nun waren die beiden alten Geschwister allein . Dubslav ging im Zimmer unruhig auf und ab und trat nur dann und wann an den Tisch heran , auf dem noch vom Kaffee her die Liqueurflaschen standen . Er wollte was sagen , traute sich ' s aber nicht recht , und erst als er zu zwei Curaçaos auch noch einen Benediktiner hinzugefügt hatte , wandte er sich an die Schwester , die , schweigsam wie er selbst , ihre kleine goldene Kette hin und her zog . » Ja « , sagte er , » jetzt sind sie nun wohl schon in Woltersdorf . « » Ich vermute , drüber raus . Woldemar wird die Pferde natürlich ausholen lassen . Es sind , glaub ich , Damen , die