! Aber ich war ja schon so Eine , nicht wahr - ? schon so Eine , wie die da , wie die Dirne da , die man mit Geld abfindet , wenn man sie los sein will - allmächtiger Gott ! nur ' n Wahnsinniger kann Deine Verruchtheit begreifen - und ich schleppe mich her zu Dir - von der Leiche meines Vaters weg - an Allem verzweifelte ich - ich hatte Dich nur noch - nur noch Dich - ja - ! - und - und nun verleugnest Du mich - und jagst mich hinaus - nun sagst Du Dich von mir los - Alles verläßt mich - Alles - Alles - - Canaille ! - Auch mich hast Du auf ' m Gewissen - hier ! das letzte Wort meines todten Vaters an Dich - todt ist er - ja ! - todt - todt - todt - todt - hörst Du - - ich möchte mich zerreißen , um das Furchtbare nur zu begreifen - und ich - o Gott ! - ich kann ' s nicht fassen - kann ' s nicht - kann ' s nicht - ach ! ich muß wohl schon wahnsinnig sein , daß ich nicht ersticke an meiner Verzweiflung - - « Adam hatte einen Augenblick geglaubt , unter der Anklage des verzweifelten und verrathenen Weibes zusammenbrechen zu müssen . Er wußte , daß er die schweren Vorwürfe , die ihm da entgegengeschleudert wurden , verdiente . Sie waren alle so gerecht . Ja ! er hatte das Weib überredet , ihm zu Willen zu sein . Er hatte wohl auch allerlei Verpflichtungen übernommen , hatte verschiedene Versprechungen gemacht - aber das Alles doch eigentlich nur , ohne sich desselben besonders bewußt zu werden , beinahe nur aus einer communen Laune , aus einer durch besondere Umstände geschaffenen Stimmung heraus , vielleicht in frivolem Leichtsinn , aber doch ganz den Gesetzen und Methoden seiner Natur gemäß , die derartige Weibergeschichten mit einer ihr organischen Oberflächlichkeit , Nebensächlichkeit , Gleichgültigkeit behandelte ; die sich » moralisch « dadurch nicht im Geringsten tiefer verpflichtet fühlte ; die das Alles nur als unvermeidliches Lebensaccidenz auffaßte . Er konnte nicht anders , es war ihm ganz selbstverständlich , daß er hier die Treue brach , um dort von Neuem Treue zu versprechen , er besaß im Grunde gar kein Talent zur hausbackenen Treue , das spielte sich alles viel zu weit draußen auf der Peripherie seiner Persönlichkeit ab , als daß er es vermocht hätte , sich für irgend eine begangene Untreue besonders verantwortlich zu fühlen . Er gab sich eben so , wie es gerade seiner Stimmung entsprach . Reagirte ein Anderer darauf , so mochte der das hübsch selber verantworten . Er war viel zu wenig bornirt , um sich in eine Leidenschaft festbeißen zu können . Hedwig war also gar nicht berechtigt zu ihrer Anklage . Und dieses Bewußtsein löste ein starkes Gefühl des Aergers und der Entrüstung in Adam aus , er riß mit einem brutalen Rucke ihre eingekrallten Finger von seinem Arme los , schleuderte den Arm von sich , packte ein zerknittertes Papier , das Hedwig ihm immer noch mit der anderen Hand starr entgegenhielt , und warf es auf den Tisch , trat einige Schritte zurück und machte ein sehr wüthendes Gesicht . Was wollte denn das Weib von ihm - ? Lächerlich , sich auch nur einen Augenblick von seinen blödsinnigen Vorwürfen verblüffen zu lassen ! Glaubte es etwa , ihn auf diese Weise wieder zu gewinnen ? Da konnte sich die Dame doch gewaltig schneiden ! Oh ! Sie hatte ja längst alle Reize für ihn verloren . Und doch konnte sich Adam nicht ganz dem Eindrucke ihrer in furchtbarster Seelenangst herausgeschrieenen Anklagen entziehen . Er hatte ihr nun einmal sein Wort gebrochen , so gut wie sein Wort gebrochen , sie zieh ihn mit Recht der Absicht , sich mit dem Golde von ihr loszukaufen , sie hatte ihn , darin durchschaut , obwohl er doch eigentlich schon vorher entschlossen gewesen war , Irmers die tausend Mark auf irgend eine Weise zu verschaffen , ehe ihm , zumeist wohl nur in dem Bestreben , einen Namen für die Sache zu finden , der Gedanke gekommen war , sein Thun im Sinne eines Rückkaufes seiner Freiheit aufzufassen . Es war schließlich im tiefsten Grunde blutige Selbstironie gewesen - und dafür sollte er sich jetzt abkanzeln lassen , als wäre er ein Hallunke ersten Ranges ? Und dennoch kam er von einem unklaren Schuldgefühl nicht los . Die Wuth , die er in sich aufkochen spürte , brach nicht aus , seine Entrüstung zersplitterte sich , sein Aerger verzettelte sich , schließlich knirschte er nur ein paar banale Redensarten , wie » verrückte Faselei - « » - thut mir leid , aber es ist nun einmal so - « - » wer kann wider seine Natur ? « - heraus , zuckte die Achseln , lächelte spöttisch , steckte mit forcirter Gleichgültigkeit den zerknitterten Brief Irmers in seine Rocktasche und wandte sich ab - - - - Hedwig war wieder in den Sessel zurückgetaumelt , ihre Finger waren ineinandergekrampft , sie schluchzte leise . Emmy stand neben ihr , sie hielt den Kopf ein Wenig gebeugt , ihr Gesicht war ungleich geröthet , sie sah aus , als wäre sie in tiefe , starre Gedanken versunken , ihre Augen lagen in Thränen . Adam sah sich noch einmal nach den Beiden um , es schien , als wollte er Etwas zu ihnen sagen , aber er zuckte wieder nur in willkommener Resignation die Achseln , knurrte verächtlich » - hysterische Weiber - « vor sich hin und ging auffallend langsam ins Nebenzimmer . Pötzlich fuhr Hedwig wieder auf . » - ich muß fort - ich ersticke hier - fort zu meinem Vater - der wartet auf mich - der will mich mitnehmen - - « heiserte sie zischelnd vor sich hin , jetzt stand