er , nicht die Fähigkeit , auf einer Idee zu beharren ; sie scheinen doch keine politische Ader zu besitzen ! Aber ehe er den Verdacht besser ausspinnen konnte , bewegte sich die Unterhaltung auf weiten freien Bahnen ; keiner tat sich als Lehrer oder Prophet hervor , und Phrasen wurden noch weniger laut ; man sah nur , daß es männliche Jünglinge seien , die sich die Welt offen behielten und nicht in einen Tabaksbeutel stecken ließen . Martin hatte einige Mühe , neuen und neuesten Anregungen auf den Pfaden des allgemeinen Bildungszustandes zu folgen , denn er war in manchen Dingen ein wenig viel zurückgeblieben und mußte sich mehr als einmal Aufschluß erbitten , der ihm ohne Wohlweisheit und ganz ohne Aufheben erteilt wurde , als selbstverständlich , wie man einem sagt , was draußen für Wetter sei . Und durch alles ging ein Hauch unverdorbener Ehrlichkeit , die ihm das Herz erfrischte . Gottlob ! dachte er , wir haben unser Geld nicht umsonst ausgegeben ! Das sind doch auch Erziehungsfrüchte ! Doch untersuchte er nicht , ob des Hauses oder des Staates . Er teilte bald die heitere Laune der Tischgenossen ; ritterlich dachte er , sein sichtliches Vergnügen damit zu bezahlen , daß er um zehn Uhr schon die kleine Tafelrunde Arnolds sich selbst überließ und sich als Alter zurückzog . Allein es gelang ihm erst um halb elf , loszukommen und die Frauen in ihrem Asyl aufzusuchen , wo sie noch wach beisammensaßen . » Kommst du endlich , du Kneipier ? « sagte die Mutter , » das muß dir ja herrlich gefallen haben bei den jungen Leuten ! Wie war es denn ? « » Ich habe mich , glaub ich beinah , in meinem Leben nicht so gut unterhalten , wie diesen Abend ! « versicherte der Mann , » es sind ganz vortreffliche Menschen , helle Köpfe und nota bene gesittete Bursche , mit denen unser Arnold verkehrt , Gesellen , von denen man sagen kann , sie seien alle gut aufgehoben , wenn sie beieinander sind ! « » Das klingt ja sehr erbaulich ! « erwiderte Frau Marie froh , » und ist mir lieb zu hören ! Und was spielt denn der Arnold für eine Rolle unter ihnen ? « » Es spielt keiner eine Rolle ! Sie sind keine Streber , möchte ich beschwören , und wissen dennoch , was sie wollen , obgleich oder weil sie nicht davon schwatzen ! Glaub nur , wenn es viele junge Mannschaft der Art gibt , so ist mir vor unserer Zukunft nicht bang ! « Mit beredter Zunge suchte er den vergnügt lauschenden Frauen den ungefähren Verlauf des Abends zu schildern und von einigen der Freunde , die ihm besonders gefallen , ein Bild zu entwerfen , bis er durch einen kräftig schallenden Gesang unterbrochen wurde , der von dem bescheidenen Saale her ertönte . Sie sangen dort mit resoluten frischen Stimmen ein lebensfrohes Lied , rasch und taktfest , kurz und gut , und gleich darauf hörte man sie aufbrechen und ohne starkes Geräusch das Haus verlassen . » Ei , wie nett war das ! « riefen die jungen Frauen , » und so rund abgeschlossen , punktum ! « » Da seid ihr alle noch auf , « sagte der mit einem Lichte eintretende Arnold , » das ist gut , ich glaubte schon , unser Geschrei hätte euch aus dem Schlafe geweckt . Ich mochte sie nicht gern verhindern und hab sogar mitgekräht , da es in einem zu ging ! « » Ihr hättet immer noch fortsingen mögen , « sagte die Mutter , » und doch hat uns das entschlossene Aufhören einen trefflichen Eindruck hinterlassen ! Macht ihr es immer so ? « » Ja , wenn wir einmal singen ; ich weiß nicht , wie es sich bei uns eingebürgert hat ! Die Lust muß hinaus und da wir keine Virtuosen sind , so mögen wir doch auch keine Fronarbeit leisten ! Aber nun gute Nacht allerseits und schönen Dank für geübte Geduld ! Ich will noch ein Stündchen lesen , eh ich schlafe ! « Als Arnold fort war , fragte die Mutter ihren Martin ganz erstaunt : » Hat der gute Junge denn nur Wasser getrunken ? Noch ein Stündchen lesen ! Und ist so ruhig wie eine windstille Luft ! « » Den Teufel hat er Wasser getrunken ! « sprach Salander , der Vater . » Er schluckte soviel Wein , wie jeder andere ! Er ist eben dein Sohn , du Hexe ! « Alle lachten über den komischen Zorn und gingen zu Bett . Ruhig fuhr nun das Schifflein Martin Salanders zwischen Gegenwart und Zukunft dahin , des Sturmes wie des Friedens gewärtig , aber stets mit guten Hoffnungen beladen . Manches Stück mußte er noch als gefälschte Ware über Bord werfen ; allein der Sohn wußte unbemerkt die Lücken so wohl zu verstauen , daß kein Schwanken eintrat und das Fahrzeug widerstandsfähig blieb den bösen Klippen gegenüber , welche bald hie , bald dort am Horizonte auftauchen . Auch das dunkle Raubschiffchen des Louis Wohlwend , das seit bald einem Menschenalter Martins Bahn kreuzte , strich noch wiederholt heran , konnte aber nicht mehr entern . Es war jetzt ziemlich sicher , daß er mit dem an Martin begangenen Raube seine Frau auf die bewußte Weise erwarb , damit das Gut bergend und zugleich ihr eigenes Erbe . Also hatte er keineswegs nötig , noch mehr zu raffen ; allein er hielt den » alten Freund « einmal für sein Privateigentum , und der Neid der angeborenen Beschränktheit trieb ihn immer wieder , seinen Teil zu erhaschen und den Freund zu schädigen , während die einfältige Religionsstifterei ihm zur Vermummung dienen und zugleich die rohe Eitelkeit befriedigen sollte , der er zu allen Zeiten frönte . Die Salanderschen mochten aus Mitleid mit seinen Knaben und den wahrscheinlich unschuldigen Weibsleuten noch immer keinen Gebrauch von