verabschiedete sich . » Ich muß doch hören , was drinnen vorgeht « , sagte er . » Kommst du mit , Sender ? « » Später « , erwiderte dieser . » Mir scheint « , sagte der Marschallik , » du bist doch gekränkt . Bedenk ' , jeder Mensch muß seinem Gewissen folgen , auch Reb Hirsch . Und daß du niemand sagst , wozu Malke hier ist , darauf hab ' ich dein Wort - nicht wahr ? Denn Jossef ist ja auch sehr fromm , und wenn er etwa doch nein sagt - aber ich will dir keine Hoffnungen machen . « » Hoffnungen ! « rief Sender ärgerlich . » Redet keinen Unsinn . Ich denk ' gar nicht an Eure Malke . « » Das glaub ' ich gern « , erwiderte treuherzig der Marschallik und ging überaus vergnügt von dannen . Eine halbe Stunde später kam Sender desselben Weges . » Was so ein Chassid kann « , dachte er zornig . » So lang ich nichts kann und nichts habe , bin ich ihm recht - jetzt nicht mehr . Vernünftig geht ' s bei uns zu - das muß man sagen ! Ein so schönes , gebildetes Mädchen und dieser dumme , grüne Junge ! Übrigens - für mich ist ' s jedenfalls so besser , denn wenn mich der Vater gewollt hätt ' , ich hätt ' doch nein sagen müssen , und hier wär ' s mir schwer gefallen , glaub ' ich . « Vor dem Gittertor des Klosterhofs stand die halbe Gemeinde und harrte in angstvoller Spannung der Entscheidung . Man vernahm nur zuweilen ein Flüstern , zu lachen wagte niemand . Umso geräuschvoller ging es drinnen im Hofe zu . Da standen , saßen und lagen die katholischen Bürger der Stadt , tranken und aßen bei Fackelschein von den guten Gaben , die ihnen die Diener des Klosters auf mächtigen Holztischen hingestellt , und johlten dazu , daß die Fenster klirrten . Wurde der Lärm zu arg , dann erhob sich Fedko , der würdige Pförtner , von dem Bänkchen neben der Tür , murmelte etwas gegen die Trunkenen hin und rief dann mit Stentorstimme gegen den Haufen draußen : » Ruhe , ihr verruchten Juden ! Vor einem solchen Lärm würde der Teufel Reißaus nehmen und nun gar der heilige Geist ! Und der heilige Geist , ihr Lumpenhunde , ist doch bei der Wahl notwendig . Denn wie sollen die hochwürdigen Herren sonst auf den Rechten kommen ? « Da drängte hastig ein halbwüchsiger Bursche durch die Reihen der Juden . » Platz ! « schrie er . » Mich schickt mein Vater . « Es war Mosche Grün . » Fedko « , rief er den Pförtner an . » Ihr sollt sagen , wer gewählt ist . Aber gleich ! « » O du freche , kleine Kröte « , zeterte der Alte . » Willst du es früher wissen als der heilige Geist ? Zurück - oder ! « Er hob die Hand . Mosche flüchtete kreischend . Die anderen verhöhnten ihn , und am lautesten Sender . Dann ging er weiter auf den Marktplatz . Auch hier wimmelte es von Menschen , und wer nicht auf die Straße getreten , stand doch am offenen Fenster . So Jossef Grün ; er sprach mit einigen Männern auf der Straße . Im Fenster daneben stand die Fremde neben Taube und blickte ernst auf das laute Treiben nieder . Sender trat so weit zurück , daß sie ihn nicht gewahren konnte , und starrte zu ihr empor . » Warum sollt ' ich ' s nicht tun ? « dachte er . » Ein schönes Gesicht darf man doch ansehen ! Und merkwürdig , jetzt so von der Seite , ist sie schöner als bei Tage . Wie diese dicke Taube , die doch sonst ein hübsches Weib ist , neben ihr aussieht ! Wie eine Stopfgans neben einem Schwan ! Wahrhaftig die passende Braut für den Jungen , der sich eben so ausgezeichnet hat . « Da kam dieser eben herbeigestürzt . » Vater « , klagte er , » sie sagen mir ' s nicht . Und der Fedko hat mich schlagen wollen , und die anderen haben mich ausgelacht . « » Ein geschickter Bote bist du « , zürnte Jossef und ließ den Blick über den Platz schweifen . » Ist denn kein verständiger Mensch da , der es mir so bald wie möglich meldet ? « Da trat Sender hervor . » Ich will ' s versuchen , Reb Jossef « , sagte er und schielte dabei zum Nebenfenster empor . Er sah , wie Taube auflachte und dabei Malke neckend anstieß ; die aber wurde rot und trat rasch ins Zimmer zurück . » Brav , Sender « , sagte der Vorsteher erfreut . » Du bringst es gewiß heraus . « Sender eilte zum Kloster zurück . » Was bedeutet das ? « dachte er . » Sie haben ' s beide wieder so gemacht wie heute vormittag . « Fedko hatte eben abermals eine Mahnrede gehalten , diesmal mit merklich unsicherer Stimme . Sender trat auf ihn zu . » Wie steht ' s drinnen ? « fragte er . » Senderko - du ? « rief Fedko zärtlich und klammerte sich ans Gitter . Es war keine überflüssige Bewegung , denn die große Flasche , die auf dem Bänkchen stand , war bereits nahezu leer . » Noch nichts entschieden ! Aber sobald ich was weiß , sag ' ich ' s dir - dir allein - denn du bist zwar verrückt , ganz verrückt - Kommedia , hebe ! - und ein Jude , aber ich hab ' dich gern , Senderko , sehr gern ... « Sender blieb neben dem Gitter stehen . Er brauchte nur wenige Minuten zu harren . Ein dienender Bruder erschien im Hofe und rief laut :