meinen Adern ; eine schwere Krankheit kam in fürchterlicher Schnelle heran , ja war schon zum Ausbruch gekommen . Doctor Snellius sagte mir später und hat es mir erst vor einigen Tagen , als er bei mir zu Tische war , über der Flasche wiederholt , daß er es bis heute nicht begreifen könne , wie ein Mensch in dem Zustande , in welchem ich mich nothwendig befunden haben müßte , nicht nur einen ganzen Tag lang sich auf den Füßen halten , sondern eine schwere Arbeit habe leisten können . Er meinte , es sei ihm der merk würdigste Beweis , wie weit es der bis zum Uebermaß angespannte Willen contra naturam , gegen den Lauf der Natur vermöge . » Freilich « , fügte er mit einem Lächeln hinzu , indem er mir die Schulter berührte , » es geht nur bei Schmieden , Schneider sterben daran . « Was habe ich aber auch gelitten ! Wenn mir ein hämischer Asmodeus einmal einen recht bösen Streich spielen will , führt er mich im Traume an eine tiefe Grube , in welche eine mitleidslose Sonne brennt , und drückt mir eine Spitzaxt in die Hand , mit der ich wüthende Streiche gegen eine felsenharte Erde führe , nur daß die felsenharte Erde mein eigener Kopf ist und jeder Schlag mir in ' s Gehirn dringt , und dann füllt er die Grube mit Teufeln in Menschengestalt , die ebenso wie ich mit Spitzäxten oder Spaten und Schaufeln oder einer Karre arbeiten , und diese Teufel haben brutale , stumpfe Gesichter und böse Augen , die sie immerfort auf mich gerichtet halten und mit denen sie mir zuwinken : sie wüßten Bescheid und ich würde das Teufelswerk schon vollbringen . Und unter ihnen taucht von Zeit zu Zeit ein Kopf aus , der bösere Augen hat , als die anderen alle , und der Kopf sperrt den gräßlichen Mund auf , und wie aus einem Höllenrachen gähnt es mich an : » Kurz vor Sonnenuntergang ! Frisch Kamerad ! ich Rollmann nehmen , Du Wachtmeister . Schlag ' Schädel ein ! « Weg du entsetzlicher Traum ! Aber das Entsetzlichste ist noch übrig . Es ist eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang ; in einer halben Stunde wird die Glocke ertönen , die Arbeit eingestellt werden . Nicht blos für heute ; die Ausgrabung ist beendet , die Fundamentsteine sind herbeigeschafft . Morgen werden ordentliche Maurer an die Arbeit gehen , Einzelne von den Zuchthäuslern werden noch helfen ; Andere aber anderswo beschäftigt werden ; es ist der letzte Abend , wo die Elf , deren Zwölfter ich sein soll , beisammen sind . Jetzt oder nie ist der Augenblick gekommen und bereits ist das Signal gegeben . Es besteht darin , daß der Katzen-Caspar mit seinem Nachbar einen Streit beginnt , an dem sich nach und nach die Anderen betheiligen , während die Aufseher , der Wachtmeister an der Spitze , die scheinbar Wüthenden auseinander zu bringen suchen und den auf so unerhörte Weise gegen die Ordnung Frevelnden mit Wasser und Brod und Einzelhaft drohen . Aber Jene lassen sich nicht bedeuten , kommen im Gegentheil von Worten zu Thätlichkeiten , indem sie dabei , einander stoßend und schlagend , in immer dichteren Knäuel zusammendrängen und die Aufseher in den Knäuel zu verwickeln suchen . Das Vorspiel hat nur einige Minuten gedauert , und länger darf es auch nicht dauern , wenn der ungewöhnliche Lärm in der stillen Anstalt nicht andere Aufseher herbeirufen und so den ganzen Plan vereiteln soll . Hat man mich in den wüsten Knäuel hineingezogen ? Habe ich mich selbst hineingestürzt ? - ich weiß es selbst nicht ; aber ich bin mitten drin . Helfe ich den Aufsehern die Leute auseinanderhalten ? suche ich nur die Verwirrung zu vermehren ? - ich weiß es nicht , aber ich tobe lauter als Alle , ich schreie , jauchze , ergreife ein paar im Nacken und schleudere sie auf den Boden , als wenn es Puppen wären ; ich bin wie wahnsinnig ; ja , ich bin wahnsinnig , ohne es zu wissen , ohne daß ein Anderer es weiß , es merkt , auch der Katzen-Caspar nicht , der sich an mich herandrängt und mir laut zuruft : » Jetzt Kamerad ! « In diesem verhängnißvollen Augenblicke nähert sich , aus der Pforte des nahen Gartens kommend , eilenden Schrittes die hohe Gestalt eines Mannes dem Orte des Schreckens . Es ist der Director ; ein junges Mädchen von vierzehn Jahren , deren schlanken Wuchs ich schon öfter durch das Gitter des Gartens bewundert , faßt ihn an der Hand und scheint ihn zurückhalten oder auch die äußerste Gefahr mit ihm theilen zu wollen . Ein paar Knaben von zehn , zwölf Jahren zeigen sich in der Gartenpforte ; sie rufen Hurrah ! Sie haben wohl keine Ahnung von dem Ernste der Situation . Und da ist der Mann , den Jeder hat kommen sehen , dicht vor uns . Er machte die Linke sanft aus der Hand des jungen Mädchens los und drückt sie gegen die kranke , von der Anstrengung des eiligen Laufes keuchende Brust . Die andere hat er beschwichtigend erhoben , da er noch nicht zu reden vermag . Seine sonst so bleichen Wangen sind von einer fieberhaften Röthe übergossen ; seine großen braunen Augen blitzen ; sie müssen sprechen , da sein Mund es nicht vermag . Und die Tobenden , Wüthenden haben diese Sprache verstanden . Sie haben seit länger oder kürzer gelernt , in scheuer Ehrfurcht zu dem bleichen Manne emporzusehen , der immer ernst und immer freundlich ist , auch wenn er strafen muß , und den noch Keiner ungerecht hat strafen sehen . Sie sind auf Alles gefaßt ; darauf nicht , daß ihnen im letzten Augenblicke dieser Mann entgegentreten würde . Sie fühlen , daß ihr Spiel verloren ist , ja sie geben es verloren . Nur Einer nicht ; Einer ist entschlossen , es dennoch