, bekennen Sie ihm .... Nein , nimmermehr ! rief Angelika mit lebhafter Abwehr . Die Herzogin schien nachzusinnen . Wie Sie auch fühlen und empfinden mögen , theure Angelika , sprach sie dann nach längerem Schweigen , Sie werden mir einräumen müssen , daß Ihnen nichts übrig bleibt , als von dem Freiherrn die Entfernung Herbert ' s , die Entfernung des jungen Mannes zu begehren , der , von Ihrer Nachsicht dreist gemacht , die Achtung und Verehrung , welche er Ihnen , der Frau des Freiherrn von Arten , schuldet , so ganz und gar vergessen , der Sie hinreißen konnte .... Die Baronin ließ sie nicht vollenden . Sie ahnte den Kunstgriff , mit welchem die Herzogin ihr zu Hülfe zu kommen und Herbert anzuklagen wünschte , und wahrhaft und offen rief sie : Herbert ist nicht schuldig , nicht schuldiger , o , lange so schuldig nicht , als ich - denn er ist frei ! Die Herzogin schloß die Augen . Ein Mann ist immer schuldig , wenn wir ihm uns und unsere Ueberzeugungen zum Opfer bringen ! sprach sie . Aber gleichviel , der junge Mann muß fort ! Ja , er muß fort ! wiederholte Angelika mit leiser Stimme . Denn unglücklich über die Liebe , die mich fortriß , macht die Liebe , die ich einflöße , mich nicht glücklich , und das Bewußtsein , von der reinen Höhe hinabgestiegen zu sein , auf welche seine Liebe mich stellte , steigert meine Qual und meinen Schmerz . Aber wie kann ich seine Entfernung fordern , da ihn sein Beruf bei uns festhält , wie soll ich fordern , daß er vergesse , was ich nie vergessen kann ? Thörichtes Kind , lächelte die Herzogin , wer muthet Ihnen denn ein so Unmögliches , ein so Gewaltsames zu ? Wer verlangt denn , daß Sie aus Ihrem Herzen reißen , was Sie dort als schmerzliche oder als köstliche Erinnerung zu bergen wünschen ? Sie sollen nur zu vergessen scheinen , was Sie vergessen zu machen wünschen ! Angelika sah sie fragend an , sie verstand sie nicht . Die Herzogin mußte sich deutlicher erklären . Wer will Sie daran erinnern , daß Ihre Liebe , Ihre Schwäche Sie einen kurzen Augenblick übermannten , wenn Sie sich daran nicht mehr zu erinnern scheinen ? sprach sie . Aus Ihrer Nähe , von seinem Glauben an Ihre Liebe , nicht von seiner Arbeit muß der junge Mann entfernt werden . Ihm zu begegnen , dürfen Sie nicht einmal vermeiden . Sie müssen ihn wiedersehen , bald wiedersehen , aber im Beisein Ihres Gatten , mit freier Stirn , mit hellem Auge ! - Und seien Sie sicher , er wird bald glauben , geträumt zu haben , was Sie ihn ohne sein Verdienst erleben ließen , während Ihr Schuldbewußtsein Sie hoffentlich künftig nachsichtiger und auch ein wenig gefälliger gegen den guten Freiherrn machen wird . Sind es zuletzt doch immer unsere Männer , denen die Schwächen und die Irrthümer unserer armen Herzen zu Gute kommen und die in unserer Demuth die Frucht unserer Reue genießen . Nur Muth , nur Zuversicht , mein liebes Kind ! Aber der Zuspruch der Herzogin wirkte nur langsam auf Angelika . Sie wußte sich nicht zu entschließen , so viel Verwirrendes und Verführerisches auch in den Rathschlägen der Herzogin verborgen lag . Angelika hatte weder den Muth , sich ihrem Gatten anzuvertrauen , noch , wie sie es eine Weile vorgehabt , sich gegen Herbert auszusprechen und von ihm selber seine Entfernung zu verlangen . Sie kannte jetzt die Schwäche ihres Herzens , und vor dem Mittel , welches die Herzogin ihr an die Hand gab , schreckten ihre Liebe und ihr grader Sinn gleichmäßig zurück . Aber auch hier kam die Herzogin ihr zu Hülfe , indem sie ihr einen Ausweg zeigte , der annähernd zu dem Ziele führen konnte , das Angelika erstrebte , und der auch den wahren Absichten der Herzogin als der gelegenste erschien . Sprachen Sie nicht von einem Feste , welches Sie im Laufe der nächsten Wochen geben wollten , fragte sie , und für das Sie auch Monsieur Herbert ' s Zimmer zur Unterbringung Ihrer Gäste brauchen würden ? Die Baronin schöpfte Athem . Mich dünkt , es war selbst in des jungen Mannes Beisein schon davon die Rede , daß er für eine Weile seine Zimmer würde räumen müssen , sagte die Herzogin , und in diesem Augenblicke fremde Menschen zu sehen , für Andere Aufmerksamkeit haben zu müssen , würde Sie von sich selber abziehen , theure Freundin , und Ihnen eine Zerstreuung von den Gedanken sein , mit denen Ihre schöne Gewissenhaftigkeit Sie peinigt ! Ja , ja , das kann geschehen ! rief die Baronin und warf sich ihrer Freundin an die Brust . O , Sie sind mein guter Engel , theure Margarethe ! So lassen Sie mich für Sie wachen , meine theure Seele , antwortete ihr die Herzogin , und gehen Sie zur Ruh ' , denn es ist spät , und Ihre Wangen brennen ! In so heftiger Erregung soll der Freiherr Sie nicht sehen ! Gehen Sie zur Ruhe , ich will ihn darauf vorbereiten , daß wir diese Woche unser Fest begehen , ich werde unseren Ungetreuen hier erwarten ! Ich wache für Sie Alle , für Sie Alle ! Spät am Abende , als der Freiherr und der Marquis nach Hause kamen , fanden sie die Herzogin wider deren Gewohnheit noch im Gartensaale lesend . Der Marquis berichtete von ihrem Ausfluge , der Freiherr erkundigte sich , wie die Damen ihren Abend zugebracht hätten . Wie können Sie das fragen ? scherzte die Herzogin . Natürlich in Unterhaltung über die Abwesenden ; denn es ist nicht wahr , daß die Abwesenden immer Unrecht haben , da ja Abwesenheit allein die Sehnsucht erzeugt ! Sie werden uns eitel machen , meine Freundin ! entgegnete der Freiherr , welcher für jede Schmeichelei