Vater sie ziehen und ihre schöne Seele kommt dann in Ruhe . « » Liebst Du Regina so sehr , daß Du sie keinem andern gönnst ? « fragte Uriel scharf . » So sehr , daß ich sie nur Gott gönne - ja ! « antwortete Hyazinth ; » aber daß mich dazu keine persönlichen oder irdischen Wünsche bestimmen , brauche ich Dir nicht zu versichern . Ich denke nur an Euer beiderseitiges wahres Glück . « » Ich glaub ' es ! ich danke Dir ! « rief Uriel herzlich ; » aber , Hyazinth .... ich liebe sie ! Für sie und mit ihr will ich dies Stamberg zu einem Paradiese umschaffen , wo alles zu finden sein soll , was hienieden gut ist und glücklich macht ; ohne sie .. « » Nun ? ohne sie ? « fragte Hyazinth gespannt , da Uriel stockte . » Du hast also doch bereits an diese Möglichkeit gedacht ? « » Ohne sie ... fällt der Vorhang ! « versetzte Uriel . - Er ahnte nicht , wie nahe die geliebte Regina ihm sei ! ! Als Graf Windeck auf dem Heimwege in Frankfurt ankam , erklärte er plötzlich zu Regina ' s größtem Schrecken : » Jetzt überraschen wir Uriel ! darauf hab ' ich mich schon lange heimlich gefreut . Wir müssen doch sehen , wie der gute Junge auf seinem Bergschloß einsam wie ein verzauberter Prinz sitzt . « » O herrlich ! « rief jubelnd Corona . » Er ist nicht einsam , « wendete Regina schüchtern ein ; » nach den letzten Briefen ist Hyazinth noch bei ihm . « » Desto besser ! dann sehen wir sie beide ! « sagte der Graf entschieden . - So ging es denn am andern Morgen gen Stamberg . Nach einigen Stunden verließen sie die Eisenbahn und fuhren bergwärts in ' s Tal hinein und langsam steigend , in weiten bequemen Windungen zum Schloß hinauf . Die Brüder hatten ihr Gespräch abgebrochen und saßen schweigend im Erker . Jeder hing seinen Gedanken nach . Beider Blick ruhte auf der schönen Landschaft - und keiner nahm sie wahr ! Uriels schwärmerisches dunkles Auge glitt über Wälder und Hügel , über Täler und Ströme in eine Zukunft hinein , aus der Regina ' s edle und holde Gestalt beseelend und beherrschend aufstrahlte ; und Hyazinth ' s klares , stilles Auge flog über alle Gebilde und Erscheinungen der Erde zu demjenigen auf , der das Wesen dieser Schattengestalten ist und ihnen ihre vergängliche Schönheit , den matten Abglanz seiner unvergänglichen und wechsellosen gibt . Das große Erkerfenster war weit geöffnet und rahmte ein Stück des leuchtenden blauen Himmels ein , aus dem der Sonnenstrahl , wie ein goldener Strom , in ' s Gemach quoll . Ein Nachzügler des Sommers , ein verspäteter Schmetterling , gaukelte durch die warme Luft und suchte umsonst nach den entblätterten Rosen . Eine Schwarzdrossel , verspätet auf ihrem Wanderzug , schlug zuweilen ein paar süße Töne an , Erinnerungsklänge an ihren vergessenen Liebesfrühling . Ein rötliches Blatt , müde von Regen , Wind und Sonnenglut , löste sich leise vom Zweig und rieselte zur Ruhe herab auf das weiche Moos , das die mächtigen Wurzeln der Eiche bedeckte , in deren Wipfel es im Frühling gesäuselt hatte . Eine bezaubernde Stille herrschte in der ganzen Natur , eine Stille , welche das unruhige Menschenherz bald als etwas Ersehntes beschwichtigt , bald als etwas Fremdartiges bedrückt . » Ohne sie .... fällt der Vorhang über alles , was erdenschön ist : das steht fest ! « sagte Uriel halblaut zu sich selbst , als das Ergebnis seines Nachsinnens . » Und gerade dann geht die übernatürliche Schönheit auf , « erwiderte Hyazinth und blickte mild in das schwärmerische Auge seines Bruders . » Du führtest vorhin Worte des heiligen Augustinus an ; vergiß nicht , daß er auch gesagt hat : Keine irdische Schönheit und keine irdische Freude konnte mich je glücklich machen . Müde machte sie mich , aber nie ruhig . Ein glückseliges Leben ist die Freude an der Wahrheit - ist die Freude an dir , o mein Gott , und in dir , denn du bist die ewige Wahrheit . « » Augustinus hat auch keine Regina geliebt , « erwiderte Uriel . » Er hat , wie Du , ein Geschöpf geliebt , « sagte Hyazinth , » und Adeodat ' s Mutter hatte das in ihrer Seele , was aus großen Sündern große Heilige macht : sie begriff das Opfer . Als sie sah , daß sie ein Hindernis für Augustins vorteilhafte Verehelichung sei , trennte sie sich von ihm , ging nach Afrika zurück und verzehrte ihr Leben in Buße und Tränen . Gewiß hat er sie sehr geliebt ; aber er gesteht , daß sein Herz erst dann Ruhe fand , als es in Gott ruhte . « Uriel schwieg und sank in seine Träumerei zurück . Da trat rasch ein Diener in ' s Zimmer und meldete , daß ein bepackter Wagen den Schloßberg hinauf fahre ; und er glaube den Kammerdiener des Windecker Grafen zu erkennen . Der Ausdruck einer so unaussprechlichen Freude ergoß sich über Uriels schönes Antlitz , daß Hyazinth mit einem Seufzer erkannte , des heiligen Augustinus Anathema gegen irdische Freude und Schönheit habe wenig Eindruck auf Uriel gemacht . Er folgte dem Bruder , der mit zwei Sätzen die Treppe hinabflog und im Hof dem Wagen entgegensah , der möglicherweise die Königin seiner Seele unter sein Dach führte . Als der Wagen durch das Schloßtor in den Hof fuhr , und Uriel in dem Kammerdiener erkannte , daß wirklich Regina komme , schloß er einen Moment die Augen , um sich zu sammeln und nicht ganz fassungslos seine Gäste zu bewillkommnen . Da hörte er auch schon die Stimme des Grafen , der ihm fröhlich zurief : » Schau , da sind wir , mein Junge ! wir