vor Deiner Thür - ich hole Dich ab sobald ich kann . « Schon lange vor dieser Zeit , sobald Ulrich merkte , daß Hieronymus fest schlief , der einen gesunden festen Schlaf hatte und nicht eher aufwachte , bis zur gewohnten Stunde zum Aufstehen , wenn er nicht mit Gewalt geweckt ward , stand er vor seiner Zellenthür . Heute schien der Mond nicht mehr , es war ganz still und finster im Kloster . Todtenstille - Finsterniß und Kälte - es war eine schaurige Nacht ! In Ulrich nur pochte es laut und heiß von den Schlägen seines Herzens , wenn auch kalte Schauer ihn überrieselten - und die Finsterniß , die über seinem Leben lag , drohte ein schreckliches Licht zu erhellen , das vielleicht zur Brandfackel werden konnte , all ' seine Zukunftspläne und Hoffnungen zu verzehren ! War es kein Frevel , daß er selbst die Hand danach ausstreckte und nach den Funken dieses schrecklichen Lichtes begehrte ? Er fühlte , er konnte und durfte nicht anders handeln . Endlich kamen ganz leise Tritte ; er rührte sich nicht , bis eine leise Stimme rief : » Ulrich , komm ! Wo ist Deine Hand ? « » Konrad , hier ! « antwortete Ulrich eben so leise und reichte ihm die Hand . » Ich muß Dich führen , « flüsterte jener ; » wir haben einen weiten Weg , aber sprich nicht und halte Dich nur an mich . Tappe nicht an den Wänden , Du könntest Thüren streifen , hinter denen man nicht fest schliefe ; es wäre schlimm für uns Beide , wenn man uns entdeckte . « » Du wagst so viel um meinetwillen ! « seufzte Ulrich . » Wir sind Baubrüder ! « antwortete Konrad ; » ich halte fest an dem Gelübde von einst ! - Aber nun still , keinen Laut mehr ! « So wandelten sie schweigend weiter durch die finstern Gewölbe . Bald schienen es , dem Hall der Fußtritte nach , obwohl Beide mit bloßen Füßen wandelten , weite Hallen zu sein , bald waren es enge Gänge und Biegungen , wo sie an den Seiten die Wände streiften . Konrad hatte recht : es war ein weiter , endlos scheinender Weg . Dann stiegen sie eine Treppe hinab , und daran schloß sich wieder ein enger Gang , noch schmaler als jeder frühere - eine kellerartige Luft voll Dumpfheit und Moder herrschte hier . » Jetzt können wir Licht machen ! « sagte Konrad , nachdem er eine Eisenthür aufgeschlossen und wieder hinter sich zugemacht hatte ; » wenn nur der Zunder fängt in der feuchten Luft . « » Sind wir am Ziel ? « fragte Ulrich . » Wir haben nicht mehr weit - hier können wir auch sprechen , da hört uns Niemand . Hast Du die Uhr im Kopfe ? Länger als eine Stunde können wir uns nicht verweilen , « sagte Konrad , indem er den Stahl an den Feuerstein schlug . » Wie hast Du es heute möglich gemacht mich hierher zu führen ? « sagte Ulrich ; » oder warum nicht schon früher - kein Mensch ist uns begegnet . « » Sieh , « sagte Konrad , » das hab ' ich ausgekundschaftet : dort hinter jener Thüre führt ein unterirdischer Gang bis in eine Kapelle , die am Waldessaume steht ; der Weg ist gegraben worden , um für den Fall einer Belagerung oder eines Ueberfalles hier einen Ausgangspunkt zu haben ; aber freilich wird er oft auch benutzt , wenn Einer der Obern sich einmal ohne Erlaubniß auf ein paar Stunden aus dem Kloster entfernen will . Da ich heraus bekam , daß dies Einer heute beabsichtigte , und weiß , daß die Thür nur von innen geöffnet werden kann und dann offen bleiben muß , so wußte ich , daß der Weg uns frei sein würde ; aber wir dürfen nicht lange säumen - Jener ist schon ein paar Stunden fort und man weiß nicht , wann er zurückkommt - ich konnte nicht eher unbemerkt aus meiner Zelle . « » Aber wo hast Du den Schlüssel her zu Amadeus Gefängniß ? « fragte Ulrich . » Schlüssel ? « sagte Konrad verwundert ; » den giebt es nicht - er ist eingemauert . « » Eingemauert ? « rief Ulrich ; » wir können nicht zu ihm ? « Konrad ' s Zunder hatte endlich gefangen , indeß lange alle Funken aus dem Stahl vergeblich hervorgesprungen waren . Jetzt zündete er damit ein kleines Lämpchen an , das er in einer Art Blechlaterne unter seiner Kutte verborgen bei sich getragen . Während er noch den Zunder anblies , konnte er nicht antworten ; der glimmende Docht warf einen blendenden Schein auf Ulrich ' s todtbleich gewordenes Gesicht . » Ich meinte , ich hätte Dir das gesagt , « antwortete Konrad jetzt dem Entsetzten . » Es ist hier eine Reihe solcher Katakomben . Wenn eine spätere Zeit diese Löcher öffnet und Menschengebeine darin findet , wird sie meinen , es seien hier Todtengrüfte gewesen - nun , es sind auch welche , aber für die lebendig Begrabenen . - Weil Amadeus sein Verbrechen als Wahnsinniger büßt , so hat man ihn nicht zum Tode verurtheilt . Man hat ihn nur hier eingemauert , aber ein Loch in der Mauer gelassen , durch das man ihm täglich Wasser und Brod hereinschiebt und Gebete vorspricht . « » Das ist gräßlich ! « rief Ulrich ; » da wäre ja der Tod eine mildere Strafe ! « » Ich glaube , er wird bei ihm nicht lange auf sich warten lassen - indeß so lang ' er noch lebt , wird er nach einer Labe schmachten ; ich konnte es nicht über ' s Herz bringen , hierher zu gehen , ohne sie ihm zu bieten - warte , laß mich erst allein zu ihm - ich glaube , hier ist