, indem niemand sich schämte , seine Schwerfälligkeit und Unkunde zu verraten , und der Scherz als eine Art Huldigung der Anna Gelegenheit geben sollte , ihre erworbene feine Bildung zu zeigen . Auch nahm sie bescheiden , aber sicher an dem seltsamen Gespräche teil und brachte ihre Reden mit artigem Akzente vor , geziert mit den Wendungen welscher Konversation als : En vérité ! voilà qui est curieux ! ah que c ' est joliment dit ! extrèmement , je vous dis ! tenez ! voyez ! usf. , wozwischen der Oheim , seine Geistlichkeit vergessend , einige diables ! einfügte . Mir waren diese Formen keineswegs geläufig , und ich konnte meine Meinungen nur in strikter und nackter Übertragung vorbringen , dazu nicht in dem lieblichsten Akzente ; daher sagte ich nur dann und wann oui und non oder je ne sais pas ! Die einzige Redensart , welche mir zu Gebote stand , war Que voulez-vous que je fasse ! und ich brachte diese Blüte mehrere Male an , ohne daß sie gerade paßte . Als hierüber gelacht wurde , machte mich dies trübselig und verstimmt , denn mit jedem Augenblicke , seit ich an das seidene Kleid Annas streifte , wurde es mir bänger , daß ich als gänzlich wertlos und unbedeutend zum Vorschein käme , während ich doch bisher überzeugt war , das Beste und Höchste schätzen und erstreben zu wollen und gerade dadurch selber einen nicht unerheblichen Wert in mir zu tragen . In der Theorie hatte ich schon die Welt erobert und auch verdient und besonders über Anna durchaus verfügt ; da nun aber die Praxis begann , so beschlich mich gleich im Anfange eine verzagte Demut , welche ich ungefähr in folgende trotzige und gewaltige Rede zusammenfaßte : » Moi , j ' aime assez la bonne et vénérable langue de mon pays , qui est heureusement la langue allemande , pour ne pas plaindre mon ignorance du français . Mais comme Mademoiselle ma cousine a le goût français et comme elle doit visiter l ' église de notre village , c ' est beaucoup a plaindre , qu ' elle n ' y trouvera point de ses orateurs vaudois , qui sont si élevés , élégants et savants . Aussi , que son déplaisir ne soit trop grand , je vous propose , Monsieur mon oncle , de remonter en chaire , nous ferons un petit mais élégant auditoire et vous nous ferez de beaux sermons français ! Que voulez- que je fasse « , fügte ich etwas verlegen hinzu , als ich diese Rede so hastig und fließend als möglich gehalten hatte . Die Gesellschaft war sehr verwundert über diese langatmige Phrase und betrachtete mich als einen unvermuteten Teufelskerl von Franzosen , besonders da sie wegen der Schnelligkeit , mit der ich sprach , nichts davon verstanden hatten , außer dem Oheim , welcher vergnüglich lachte . Man ahnte freilich nicht , daß ich die Rede im stillen förmlich ausgedacht und daß ich keineswegs mit dieser Geläufigkeit fortzufahren imstande wäre . Anna war die einzige Person , welche alles verstanden , und sie sagte kein Wort hierauf und schien innerlich beleidigt zu sein , denn sie ward rot und sah verlegen vor sich nieder . Sie verstand nämlich , wie es sich später zeigte , keinen Spaß in bezug auf die waadtländischen Geistlichen , die sie in dem Anflug kirchlichen Wesens , den das junge Ding nebst dem Französischen davongetragen , sehr verehrte und deren Andenken für sie eine schöne und bewußtvolle Erinnerung war . Da ich bemerkte , daß die verkehrte Art , meine innere Mutlosigkeit zu äußern , fast einen üblen Eindruck gemacht , so flüchtete ich mich , sobald möglich , vom Tische hinweg . Es läutete nun das letzte Zeichen zur Kirche , und die ganze Familie rüstete sich zum Kirchgange . Anna zog feine glänzende Lederhandschuhe an , und die drei Mädchen des Hauses , welche bisher , obgleich städtisch gekleidet , wie die Landmädchen ohne Handschuhe zur Kirche gegangen , brachten nun ebenfalls deren gestrickte aus Seide oder Baumwolle zum Vorschein und putzten sich damit aus . Anna zeigte , als man zum Gehen bereit war , ein gesammeltes und andächtiges Wesen , sprach nicht mehr viel und sah vor sich nieder , und die übrigen Bäschen , welche von jeher lachend und fröhlich zur Kirche gegangen , gaben sich nun auch ein feierliches Ansehen , daß ich ganz aus der Verfassung kam und nicht wußte , wie ich mich gebärden sollte . Ich stand aus Verlegenheit am Ofen , obschon die junge Sommersonne auf dem Garten sich lagerte ; man fragte mich , ob ich denn nicht mitginge ? worauf ich , um endlich mir wieder etwas Geltung zu verschaffen , mit Wichtigkeit sprach nein , ich hätte nicht Zeit , ich müßte schreiben ! Diesmal ging das ganze Haus zur Kirche , wohl Anna zu Ehren , und nur ich allein blieb zurück . Durch das Fenster sah ich dem ansehnlichen Zuge nach , welcher sich durch die Wiesen unter den Bäumen hinbewegte und dann auf der Höhe des Kirchhofes zum Vorschein kam , um endlich in der Kirchentür zu verschwinden . Diese wurde bald darauf geschlossen , das Geläute schwieg , der Gesang begann und hallte deutlich und schön herüber . Auch dieser schwieg , und nun verbreitete sich ein Meer von Stille über das Dorf , welches einzig dann und wann durch einen kräftigern Ruf des Predigers unterbrochen wurde . Das Laub und die Millionen Gräser waren mäuschenstill , trieben aber nichtsdestominder mit Hin- und Herwackeln allerlei lautlosen Unfug , wie mutwillige Kinder während einer feierlichen Verhandlung . Die abgebrochenen Töne der Predigt , welche durch einen offenen Fensterflügel sich in die Gegend verloren , klangen seltsam und manchmal wie hollaho ! manchmal wie juchhe ! oder hopsa ! bald in hohen Fisteltönen , bald tief grollend , jetzt wie ein nächtlicher Feuerruf und dann wieder wie das Gelächter einer