Weise haben mich überrascht , so muß ich , bevor ich Ihnen eine Antwort darauf gebe , mit meinem Gemahl Rücksprache nehmen , der anders über die Hand meiner Tochter verfügt hatte . « Jaromirs Stolz war verletzt - er sagte mit erzwungener Ruhe : » So erlauben Sie mir , Sie zu dem Herrn Grafen zu begleiten . « » Begleiten Sie mich in das Empfangzimmer - ich werde ihn auf Ihr Erscheinen vorbereiten , « sagte die Gräfin . Elisabeths Herz schlug stürmisch , jetzt brach sie beinah heftig in die Worte aus : » Nein , Mutter - wo die Herzen so laut schlagen , müssen sie auch einmal ein Recht haben und an kein Ceremoniel sich binden . Komm , Jaromir - Hand in Hand wollen wir zu unserm Vater gehen und ihn bitten : segne Deine Kinder . Wir wollen ihm erzählen von unsern seligen Herzen , wie sie in einander jubelnd zusammenschlagen - und wie sie brechen müssen , das eine getrennt von dem andern . Ich will ihn daran erinnern , wie oft er gesagt hat , er kenne kein andres Glück , als das meine zu schaffen und wie jetzt dazu die Stunde gekommen sei . Er hat mir noch keinen Wunsch verweigert , warum denn gerade diesen einen ? Und wie muß ihn die Wahl seiner Tochter ehren , wie stolz muß sie ihn machen ! - Komm , mein Jaromir , mein Vater wird uns segnen - und dann meine Mutter auch - Du wirst es ihr vergeben , wenn sie nicht anders über uns entscheiden will als zugleich mit dem Vater ! « Sie hing ihren Arm in den seinen , um mit ihm der Mutter zu folgen , die in tiefem Unmuth schweigend vor ihnen herging . » Elisabeth , « rief Jaromir begeistert - » erst jetzt , wo ich um Deinen Besitz werben will , zeigst Du mir , welche Kühnheit es ist , Dich für ewig sein nennen zu wollen . « Sie standen an der Thüre zu des Grafen Zimmer - Elisabeth öffnete . IV. Zwei Werber » O sich , es schließt mein ganzes Leben Vor Dir sich auf , mein bestes Sein : Um Dich zu werben und zu streben , Dir meine ganze Kraft zu weih ' n. « Franz Dingelstedt . An jenem Morgen , an welchem Jaromir um Elisabeths Hand warb , war er vorher dem Geheimrath von Bordenbrücken begegnet , welcher so eben den zehnten Becher kalten Brunnenwassers glücklich hinabgewürgt hatte . Getreu seinem Plan , sich so viel als möglich an den Grafen zu drängen , hatte auch jetzt der Geheimrath ein Gespräch mit ihm angeknüpft und seinem Spaziergange sich angeschlossen . So kam es , daß sie zusammen an dem Haus vorübergingen , welches der Oberst Treffurth mit seinen Angehörigen bewohnte . In der Stube des Parterres stand ein Fenster auf und eine Dame lehnte in demselben . Der Geheimrath sagte fragend zu ihm : » Bieten wir der Frau Oberst einen Morgengruß ? « Jaromir warf einen Blick in das Fenster - er sah auf Amalien - er hätte sie wohl kaum erkannt , wenn er nicht gewußt hätte , daß sie hier sei und dies Haus bewohne - in diesem Augenblick begegneten Amaliens Blicke den seinigen und im Moment darauf stieß sie einen Schrei aus und warf das Fenster zu . Jaromir blieb stumm . Der Geheimrath aber hatte Alles beobachtet . Er hatte recht wohl gesehen , daß nicht die Oberst , sondern Amalie am Fenster war . Daß ein Verhältniß zwischen Beiden bestanden hatte , wußte er vom Doctor Schuhmacher - Dank dessen Haussuchung bei Thalheim ! - er wußte nur nicht , ob es noch jetzt bestand , oder ob Jaromir es gelöst hatte ; er glaubte das Letztere , zugleich auch , daß Amalie ihn nicht aufgeben wolle und absichtlich ihm hierher nachgereist sei . Dies schien ihm das Wahrscheinlichste und so hatte er es auch bereits Aarens erzählt . Da er nun gern Jaromir sich verpflichten wollte und ihm auch zugleich zeigen , daß er selbst ihm vielleicht auch gefährlich werden könne , so sagte er jetzt vertraulich leise zu ihm : » Die Erscheinung dieser Person hier in unsrem kleinen Kreis , wo wir Alle wie eine Familie leben könnten , ist mir in Ihre Seele zuwider . « Jaromir sah mit unverstellter Verwunderung den Sprecher an und sagte unbefangen : » Man sieht sie ja nicht einmal in Gesellschaft . « » Aber dennoch - hüten Sie Sich - ich habe in diesem Punkte traurige Erfahrungen gemacht , und wie mir scheint , werden dieselben auch für Sie nicht ausbleiben . « Jaromir ward jetzt wirklich etwas verlegen , da er sich die Worte des Geheimraths gar nicht zu deuten wußte , obwohl sie ihn als wahr trafen . - So hatte vielleicht Amalie selbst sich ihres früheren Verhältnisses gerühmt ? Der Geheimrath , als er dies bemerkte , hatte sich für jetzt selbst genug gethan und hatte vollkommen Grund , es zu vermeiden , daß Jaromir von ihm Rechenschaft fordere , wie er in den Besitz seines Geheimnisses gekommen - deshalb eilte er sogleich auf den daherkommenden Aarens zu und sprach mit ihm leise einige Worte , während welcher der jenen begleitende Wasserdoctor , der lange dürre Hofrath Wispermann , seine Worte an Jaromir richtete . Aarens und der Hofrath waren nicht sobald vorüber , als der Geheimrath sich mit leuchtenden Augen zu Jaromir wendete - denn jetzt hatte er die Gelegenheit in Händen , diesen zugleich zu verwunden und doch auch ihm einen Dienst zu leisten , der Anspruch auf die größte Dankbarkeit hatte . » Ich mißbrauche das Vertrauen , « sagte der Geheimrath , » welches Aarens in mich setzt - aber der Wunsch , Ihnen , theurer Freund , einen Dienst leisten zu können , läßt mich alle andern Rücksichten vergessen . « » Ich bitte , « antwortete Jaromir kalt und