muthlos fallen lassen , als ich dieselbe nicht fand , nicht finden konnte . Immer wußte ich hinterher sehr genau was ich hätte thun , was meiden sollen , und meine ganze Erkenntniß bestand darin , daß ich mit immer klarerem Blick die Summe meiner Irrthümer überschaute , ohne ein einziges versöhnendes Resultat erspähen zu können . Durstend wie Keiner hatte ich mich in das Leben geworfen um mich an dessen Bächen und Quellen , Meeren und Strömen satt zu trinken . Durstend wie Keiner sah ich es um mich herum rinnen und verrinnen .... wie Wasser , das man mit der hohlen Hand schöpft und das zwischen den Fingern hindurchfließt , bevor es die lechzenden Lippen erfrischt hat . Aber wo gab es denn noch zu schöpfen ? zu welchem Brunnen konnte ich noch pilgern ? - Die Einsamkeit , die Natur , die Dürftigkeit der Verhältnisse die mich umgaben und mich zu wolwollender Theilnahme auffoderten - sollten sie meiner Seele ihr Genügen bereiten ? - - - Die Einsamkeit ist gut und nothwendig für mächtige Naturen die zum Bewußtsein über sich selbst , über ihr Ziel und ihre Mittel kommen wollen und einer erhabenen Bestimmung entgegen gehen . Sie ist der Concentrirung aller Gedanken auf einen Gegenstand günstig , und ist dieser ein großer , ein würdiger , so kann sie die ganze Seele unauslöschlich für ihn in Flammen setzen , die dann ausbrechen , wenn sie genug Nahrung gesammelt haben und der staunenden Welt ein neues Licht zum Himmel hinauf oder über die Erde hinweg anzünden . Aber für uns dürftige Menschen , die wir unser Ich zum Hauptgegenstand unsrer Betrachtung machen , taugt die Einsamkeit nicht , eben weil sie die Gedanken so concentrirt ; sie macht uns sehr leicht egoistisch , einseitig und fanatisch . Größe und Genie sind Könige in der Einsamkeit , denn sie ist ihr ihnen angebornes Reich : sie sind immer einsam . Aber die Masse der Menschen zählt nur als Gattung etwas , weil ihre Individuen der intensiven Kraft entbehren , welche ein eigenthümliches Leben erzeugt . Sie müssen in Schaaren leben ; für sie ist die Einsamkeit ein Kerker oder ein Grab . Ich fiel sehr bald in derselben der schwärzesten Melancholie anheim . Dies ungestörte Leben in der Natur , ohne ein beseelendes Gefühl , ohne eine beherrschende Idee , ohne jene glückliche physische Organisation die von ihren Elementen mit Wonne zehrt - überwältigte mich mit namenloser Traurigkeit ; denn ich fühlte mich außer Zusammenhang mit ihr : sie brauchte mich nicht - wie konnte ich mich an sie schmiegen ? Kein einziges der Bande womit sie den Menschen umschlingt und ihn heimisch und nützlich macht auf der Erde und ihm in diesem Bewußtsein süßen Genuß gewährt - kein einziges hielt mir Farbe ! Nicht von den Todten zu reden , deren Erinnerung mir längst wie Schatten in der grauen Dämmerung entschwebt war ; - nur von den Lebenden : von dem Gatten , von der Tochter , von dem Freund - was war ich ihnen und was waren sie mir ? Mit keinem Einzigen von ihnen hatte ich verstanden mich in das rechte Gleichgewicht zu setzen . Dem Einen war ich nur gleichgültig , dem Andern nur schmerzlich , und meinem Kinde entbehrlich . Sie hatten Alle sich von mir trennen können , und wir Alle lebten fort - in Freuden die Einen , in Qualen die Andern ; aber wir lebten . Auch wir Gequälten lebten äußerlich ruhig genug ! Wir standen alle Morgen auf , versäumten am Tage nie für unseren Lebensunterhalt zu sorgen , und gingen jeden Abend schlafen . Mit der Pünktlichkeit einer Uhr rollte sich die animalische Existenz mit ihren Functionen ab : sie allein hatte Bestand . Aber die Liebe , die Kraft , die Andacht , die Treue , der Glaube - diese Genien welche dem Menschen die Lehmhütte seines materiellen Daseins zu einem Tempel ausschmücken und lichten , in welchem er sich selbst geadelt und einer höheren Bestimmung würdig erscheint : sie hatten sich in mein Leben nicht wie ewige Gestirne , sondern wie zerplatzende Seifenblasen herabgelassen , und ich fühlte mich in das Nichts zerfließen , weil sie ins Nichts zerflattert waren . Ich verging an der allgemeinen Vergänglichkeit . Und das Ende von dem Allen - war der Tod ! und er konnte kommen heut , morgen - und ich mußte fort , und hatte nicht gelebt ! fort mit meiner weiten leeren Seele , die sich in dieser Welt des Unbestandes von nichts hatte fesseln lassen , und die nun vielleicht durch Aeonen ihren unerquicklichen Lauf fortsetzen mußte um das zu finden was sie ersehnte . Aber ist denn überhaupt für eine leere Seele , ohne Glaube und ohne Liebe , die Unsterblichkeit bestimmt ? hat sie sich durch ihre Leere nicht als unwürdig derselben erwiesen ? O wie beneidete ich Diejenigen , welche den Tod lieben als ihren Erlöser und Befreier von dem Folterbette des Daseins ! .... und wie viel mehr jene Anderen , jene Begnadeten , welche das Leben lieben , weil sie sich ihm trotz verzehrender Wonnen und Schmerzen gewachsen fühlen ! Ich konnte keins von Beiden ! - - - - - - - Gott , welche Nächte durchwachte ich in dem Thal von Grindelwald ! Das waren nicht die üppigen von Sorrent , nicht die phantastischen von Venedig , die meiner Jugend angehörten und durch deren Hofnungen , Träume und Erwartungen gelichtet waren . O nein ! ich war nicht mehr jung , ich hatte zu früh , zu viel , zu verzehrend , zu gewaltsam gelebt , um nicht vor der Zeit alt zu sein ! Jezt war eine Nacht wirklich für mich Nacht , dunkel , kalt und kerkerhaft . Nicht ihre süßen Geheimnisse erzählten mir die Sterne , sondern meine eigenen traurigen Gedanken , Fragen und Geschichten knüpften sich an sie . Nicht in großen Harmonien umrauschten mich die Naturstimmen , die Nachts so vernehmlich vom Gebirg