. Aus einem tiefen , saftigen Hintergrunde , einer Tapete von grünem Damast ähnlich , trat der in wunderbarer Wahrheit aufgefaßte Kopf der Königin hervor . Das hellbraune Haar war frei weggehoben und zeigte die ganze Schönheit der königlichen Stirn . Die lichtvollste Freiheit der Gedanken schien diese schöne Wölbung selbst gebildet zu haben , und das glänzende Licht , das von Innen aus diese reine Form zu durchdringen schien , hätte auch ohne den Ausspruch dreier Kronen sie zur geistigen Beherrscherin ihrer Zeit erhoben . Von den feinen leicht eingedrückten Schläfen bildete sich der Kontur des zarten Kopfes im reinsten Oval , bis zu dem vollen jugendlichen Kinn , über dem mit allen Grazien der schön gewölbte Mund die holde Mähr von ihren Scherzen , ihrem feinen Witze zu erzählen schien . In den vollen , leicht gefärbten Wangen ruhte der feine Anfang eines zarten Grübchens , geschaffen , um ihres Lebens Liebesglück und Schmerzen zu verrathen . Ihr waren zuerst die Augen verliehen , die , seitdem ein Erbtheil ihres unglücklichen Stammes , mit einem Zauber jeden zu fesseln wußten , auf wen sie einmal in Liebe sich geheftet . Unter einer kaum merklichen Wölbung der feinen Augenbrauen ruhten weit und schön geschnitten die großen braunen Augen , die klar und tief den hohen Geist , der ihnen inne wohnte , von Lieb ' und Sehnsucht halb bezwungen zeigten . Sie schienen wider Willen der hohen Abkunft von Mißgeschick zu reden , und die langen schwarzen Wimpern hingen auch beim vollsten Aufblick wie ein leichter Trauerschleier um den vollen Glanz . Dazwischen hob sich an der Stirn breit und voll die feine griechische Nase , und verstärkte mit ihrer edeln , festen Form den hohen geistigen Ausdruck ihrer Züge . Ihr wunderschönes braunes Haar war ohne Schmuck der Königin , sich selbst in seiner seltenen Fülle die Krone flechtend , doch zeigte es unverdeckt in einem hohen Spitzkragen die runde , schlanke Säule des Halses , auf welcher der Kopf so leicht und zierlich ruhte , daß beide je zu trennen , nur ein Barbar zu denken wagen konnte . Hier hörte das Bildniß auf ; leicht in den Schulterlinien war ein schwarzes Sammetkleid angegeben , das unter dem Kragen mit einem in Brillanten eingelegten rothen Stein befestigt war . Ungezählt entflohn die Augenblicke vor diesem Bilde , und das innere geheimste Leben Richmonds trat hervor und ließ sich nicht mehr zur Rechenschaft ziehen vor dem Geiste der Ueberlegung , der fragend , ja , mißbilligend es anschaute . Es war da ! und hatte sich zum sichersten Bewußtsein in diesen Augenblicken aufgeschwungen ; es lebte ! und sein Leben ward eingestandene Wonne . Still und mit Rührung gelobte sich Richmond , der Welt , dem rohen Vertrauen der Menschen ewig verhüllt , wollte er selbst nimmer mehr mit diesem Gefühle hadern , sondern hoch es halten . Eine kleine glückselige Insel sollte es in ihm fortan bilden , worauf er landen wollte , aus der Wirklichkeit verschlagen . So sich jugendlich überspannend , störte es ihn nicht , Gesang und Harfenton vom Altan her zu hören . Die schönen vollen Frauentöne , das kunstreich ausdrucksvolle Spiel der Harfe , es schlich sich ein in seine Träume , verwebte sich darein , als ihnen angehörend . Mit steigendem Entzücken hörte er die Worte des göttlichen Shakespeare , dieselben , welche die Frauen der Königin in Heinrich dem Achten der unglücklichen Katharina am Vorabend des Gerichts singen . Orpheus sang : 1. Der Bäume Wipfel Und der Berge starre Gipfel Beugte seiner Laute Macht . 2. Pflanz ' und Blum ' entsproß voll Wonne , Als hätt ' Regenguß und Sonne Ew ' gen Lenz hervorgebracht . 3. Jedes Wesen ward Gehör , Selbst die wilde Well ' im Meer Hing das Haupt und legte sich . 4. Tonkunst , deine Zauberein Hört der Gram und schlummert ein , Hört dich fort und stirbt durch dich . Mit feierlichen Akkorden schlossen diese rührenden Worte und weckten den glücklichen Träumer . Nein , sie war es nicht selbst , die unglückliche Königin Maria , die dies Lied gesungen ! Er war nicht zu Stirling , zu Holyrood-House ; er war in Burtonhall , in der Nähe seiner Familie , und nur ein paar Schritte vielleicht führten ihn in ihre Mitte . Bewegt von der Wirklichkeit und von seinen Träumen , öffnete er die Thür und stand am Ende des Altans seinen Lieben gegenüber . Die jungen Damen des Schlosses hatten sich hier zu einiger Muße aus dem größeren Kreise der Gesellschaft zurückgezogen , und alle sich mit dem Wunsche um Lady Melville versammelt , sie zur Harfe singen zu hören . Dies war auf die erwähnte Weise geschehen . Sie saß jetzt ausruhend in ihrer schwarzen Kleidung auf dem Lehnstuhl der alten Herzogin . Die Harfe ruhte seitwärts geschoben noch in ihrem Arme ; auf dem purpurrothen Sammet des hoch über ihr emporragenden Stuhles hob sich der schöne Kopf in seiner ganzen regelmäßigen Zierlichkeit , und belebt vom Gesange und dem lobspendenden Zuspruch der lieblichen Gefährtinnen , leuchtete von ihm der volle Zauber ihres lebhaften Geistes . Sie hatte sich zu der ihr rechts stehenden Gruppe gewandt , welche Arabella und Anna Dorset sich im Arm haltend zeigte ; zu ihren Füßen , und den Kopf in zärtlichem Schmachten zu der Sängerin aufgehoben , saß Ollonie Dorset , wärend Lucie von Hinten den Stuhl erklommen hatte und eben mit Jubelgeschrei ihren blonden Lockenkopf herüberzog , um ihren Liebling von da aus zu umfassen . Schnell und leicht sprang Lady Maria jetzt auf , zog den kleinen Engel zu sich herüber , und nun sogleich von Allen umfaßt , stand sie wie die Göttin der Liebe und Freude da . Die reichen braunen Locken zurückschüttelnd , richtete sie das Haupt empor , da erblickte ihr Auge den Lord am Ende des Altans ihnen gegenüber in stiller Anschauung vertieft , und nachdem sie ihn einen Augenblick betrachtet , streckte sie die schöne