Fürst an . » Der Anspruch Ihres Oheims ist Ihnen bekannt , der entscheidende Adelsbrief meiner Urgroßmutter bleibt verborgen ; ich habe mit verschiednen Rechtsfreunden wegen dieser Angelegenheit Rücksprache genommen ; sie meinen , der tollste , widersinnigste Ausgang des Streites sei bei der jetzigen Verwirrung der Begriffe nicht undenkbar . Werde ich vom Schlosse meiner Väter getrieben , so bin ich vernichtet . Andre verhärten sich dem Unglück gegenüber , und werfen stolz den Nacken empor . Ich bin nicht so stark ; der schreckliche Gedanke hat mich gebeugt , ich habe ein Vorgefühl , wie das eines Sterbenden . Empfangen Sie in diesen Geständnissen den Beweis meines vollen Zutrauens . Ich wünsche das Unrecht , welches ich etwa zugefügt , gutzumachen , und für den Fall , daß ich aus Glanz und Macht abzuscheiden bestimmt bin , nur versöhnte Herzen hinter mir zurückzulassen . Ich habe um eine Kleinigkeit , um eine Grille , wenn Sie wollen , die Entfernung eines treuen bewährten Dieners zugegeben , auch nach seiner Rückkehr merke ich wohl , daß sein Gemüt verletzt geblieben ist , ich sehe , daß er auf andre Lebenswege sinnt . Er tue , was er will , ich werde ihn in seiner Laufbahn nicht hindern , aber er nehme , wenn er geht , das Gefühl mit , daß ich nicht schlimm war und nachzugeben verstanden habe . Empfangen Sie hiemit den Hauptschlüssel , der auch die Türe des Archivs öffnet , lassen Sie den Schrank , welcher unsern Hader veranlaßte , aus dem Gewölbe irgendwohin bringen , wo er nicht im Wege steht , sagen Sie dann Wilhelmi , daß die Stelle frei geworden sei , und daß er dort die Umändrungen vornehmen möge , welche ihm belieben . « Der Fürst hatte dieses alles so niedergeschlagen und doch so edel gesprochen , daß Hermann , trotz der Geringfügigkeit des Gegenstandes , um den es sich hier handelte , eine innige Rührung empfand . Mehr um etwas zu sagen , als weil ihm daran gelegen gewesen wäre , es zu erfahren , fragte er den Herzog bescheiden , warum er überhaupt einen so großen Wert auf den unverrückten Stand jenes Schranks gelegt habe . » Ich hatte dazu einen allgemeinen und einen besondern Grund « , versetzte der Fürst . » Wilhelmi ist die eigenste Zusammensetzung von Pedanterie und unruhiger Neuerungssucht . Wie er die Sachen stellt und legt , so müssen sie stehn und liegen bleiben , und wehe dem Sonnenstäubchen , welches sich unterfinge , störend dazwischen zu kräuseln ! Aber dann fällt ihm auf einmal selbst ein , alles umzukramen , und die neue Einrichtung wird nun , bis sich eine dritte Laune meldet , ebenso streng , wie die frühere gehalten . Ich fürchte , wenn er den Schrank erst aus dem Archive weg hat , so wird ihm das Archiv selbst bald nicht mehr gerecht sein , er fordert dann von mir wohl einen andern Raum , und ich habe wieder Verdruß mit ihm . Darum bestand ich auf meinem Willen wegen dieses Schrankes , welcher mir aber auch insonderheit als ein altes schön ausgelegtes Stück lieb und wert war . Nun weiß man wohl , wie es mit solchen vorzeitigen Dingen sich verhält . Sie werden ihn schwerlich unzertrümmert aus dem Gewölbe bringen ; ich habe gesehn , daß die Würmer ihr Werk an ihm getan haben . Mein Großvater ließ ihn , als die Franzosen in den neunziger Jahren heranrückten , in das Archiv schaffen . Der Feind kam , es gab eine furchtbare widerwärtige Nacht , die dem Greise einen Schlagfluß zuzog . Mein Vater war auf Reisen abwesend , mich hatte der Großvater um sich , ich tat ihm alles zu Sinne und war ihm besonders lieb . Nun ist mir der Augenblick immer gegenwärtig geblieben , wie er sich mit gelähmter Zunge und starr gewordnen Händen von mir in das Archiv führen ließ . Er deutete auf den Schrank ; er umfaßte ihn mit sonderbarer Gebärde , er wollte mir etwas vertrauen , was so gleichwohl sein Mund nicht mehr auszusprechen , seine Hand nicht mehr niederzuschreiben wußte . Bald darauf starb er . Mir aber hat die kindische Erinnerung nicht schwinden wollen , und sie mag denn wohl auch mitgewirkt haben , mich zu bestimmen , daß das altväterische Behältnis nicht von dem Platze gerückt werden sollte , welchen ihm der Großvater offenbar aus Sorge für seine Erhaltung vor der zerstörenden Hand des Feindes angewiesen hatte . Sehr traurig , daß ihn der Tod damals überraschte ; viel bares Geld , welches notwendig bei seinem Absterben vorhanden sein mußte , war verschwunden ; er hat es wahrscheinlich irgendwo für immer den Augen entzogen . So bin ich auch im stillen überzeugt , daß er die Urkunde , welche uns jetzt retten konnte , zum Unheil seiner Nachkommen damals versteckt hat . Doch dies führt uns von der Sache ab , die Sie so bald als möglich ins Werk richten wollen . « Hermann ging in den Marstall und ließ das Pferd satteln , welches ihm der Herzog zur Erkenntlichkeit für seine Bemühungen geschenkt hatte . Heute wollte er aus dem Schlosse scheiden , wo ihm so manches begegnet war . Die Stunde rückte heran , die ihm die Herzogin zur letzten Unterredung gönnen wollte . Mit klopfendem Herzen überlegte er sein Verhalten . Er hatte unter der Büste von Schiller einige Stanzen gedichtet , die aus der tugendhaftesten Regung hervorgegangen waren . Mit großer Wärme schilderten sie eine leidenschaftliche Situation , gingen dann zu einer Apostrophe an die Heiligkeit der Pflicht über , und schlossen mit schwunghaften Zeilen , welche eine begeisterte Entsagung predigten . Er hatte sie , reinlich abgeschrieben , auf das Postament der Büste gelegt , wollte nur kurze Worte des Abschieds zur Herzogin reden , jedem Gespräche mit ihr vorbeugen , und stumm auf die Verse deuten , in welchen sie seine Gesinnung , und was ihnen beiden not tue ,