um dessenwillen muß ich Euch danken . Wallrade hat Euch schwer beleidigt , und dennoch tratet Ihr nicht zwischen sie und mein Verlangen . « » Die Jahre werden viel geändert haben ; « erwiederte Diethers Gattin sauft : » Damals wollte sie nicht meine Tochter heißen ; jetzt würde sie vielleicht meine Freundin . « » O gewiß ; « bekräftigte Diether : » die Zeit macht milder , wie das Sprüchwort heißt . Aber wehe thut mirs , daß bis jetzo auf mein redlich Schreiben weder Antwort kam , noch der herzliebe Besuch von den Dreien , die sich zu Kostnitz plötzlich zusammen doch gefunden . Ich hatte mich darauf gefreut wie ein Kind . Ich hatte mir alles so schön und heimlich ausgedacht , - wie ich Wallraden - die liebe widerspenstige Tochter - in Deine Arme führen wollte ; wie ich den zu unsrer Wonne so glücklich gesundeten Sohn an der Geschwister Brust gelegt hätte ; ... aber meine Freude fiel in den tiefsten Brunnen . Noch am verwichnen Sonntage zupfte es mich an allen Nähten , und eine falsche Ahnung flüsterte mir zu : heute , - ja , heute kommen sie ganz gewiß . Schier hätte ich mich auf die Heerstraße tragen lassen , um ihnen in die Ferne entgegen zu sehen . Der alte Thor hätte sich aber blind geschaut . Dem Greise versagen sich die , die er liebt . « - » Habt Ihr denn nicht uns ? « fragte Margarethe mit ängstlicher Freundlichkeit , und hob den Knaben der sich herbei gemacht hatte , auf den Schooß des Gatten , dessen Nacken sie umschlang . » Bedürft Ihr , um glücklich , und zufrieden zu seyn , noch andrer Herzen , die Euch fremd geworden zu seyn scheinen ? « » Nicht doch , geliebte Ehefrau ! « betheuerte der gerührte alte Mann , den Buben und seine Gattin abwechselnd herzend und liebkosend : » nicht doch , herzliebes Söhnlein ! Aber , wenn ich Euch gleich inniger im Busen trage , als die Vermißten , .... sie sind doch auch meine Kinder ; vorab der Dagobert , der die Freuden des Hausvaters dahinten lassen muß , um der Mutter zu einer fröhlichen Urstund zu helfen . « » Hier , sagt man , soll ich Herrn Diether finden ? « fragte am Eingange des Gartens eine Stimme , die Margarethen nicht fremd , ihrem Gatten eine liebe war . » Wallrade ! « riefen beide überrascht , und Diether ' s wankende Knie versagten dem Aufstehenden den Dienst . Indessen kam die Unerwartete und dennoch Ersehnte langsam und stolz herangeschritten , von Elsen begleitet , die ihr den Weg zu dem Elternpaare wies . » Wallrade ! Tochter ! « stammelte Diether unter Thränengüssen der Freude , die Arme weit öffnend . » Willkommen Fräulein ! « setzte die Stiefmutter hinzu , die Hand ihr reichend . Aber weder in die Arme des Vaters sank die Tochter , noch ergriff sie die dargebotne Rechte . Einige Schritte von Diether entfernt , stand sie stille , warf einen durchdringenden Blick auf das Paar , und schlug die Hände zusammen . » Herrgott ! « sprach sie in dem tiefen Tone , der nicht selten auf ein hartes Gemüth schließen läßt : » Wie verändert finde ich Euch , Vater ! Die letzten Jahre scheinen Euch nicht zugesagt zu haben ! « Diether überhörte diese Worte , bewegt von den Gefühlen , die das schwache Alter doppelt empfindet ; aber Margarethe faßte sie auf , die wie ein kalter Hauch an ihr warmgewordnes Herz drangen . » Die letzten Tage , wollt Ihr sagen , Fräulein ! « erwiederte sie empfindlich : » Die letzten Jahre waren gut , und von Eurer Kindlichkeit wird es abhängen , ob der heutige Tag ihnen gleichen soll . Euer Vater harrt noch immer der schicklichen Umarmung entgegen . Ich möchte Euch nicht gern umsonst darauf aufmerksam gemacht haben . - « Wallrade näherte sich dem Vater , küßte seine Hand und Wange mit Förmlichkeit , und neigte sich steif vor Margarethen . » O mein liebes Kind ! « sprach Diether , der sie neben sich auf das Bänkchen niederzog : » Wie erquickt mich Dein Anblick . Ja , in Frauenherzen wohnt Versöhnlichkeit und der Funke der Liebe . Du , das verloren geachtete Kind , kehrst in ' s Vaterhaus zurück , während Sohn und Bruder ferne bleiben . « - Wallrade zuckte leicht die Achseln und wendete sich zu Margarethen mit den Worten : » Ehrsame Frau ; « wenn mich der Vater schon verloren achtete , ... » um wie viel strenger mag nicht Euer Urtheil über mich gelautet haben ? « - » Ihr irrt ; « versetzte Margarethe ruhig : » was das heiße Blut der Jugend fühlte , steht den reifern Jahren zu , wieder gut zu machen . Mein Herr liebt Euch , darum seyd Ihr auch mir kein unlieber Gast . « - » Wacker gesprochen , liebe Wirthin ! « rief Diether , ihr entzückt die Hand entgegenstreckend : » Ihr seyd eine Perle , wie sie wohl selten ein Greis in seinen Winterkranz flechten darf , und ich denke , Wallrade soll Euch bald innig befreundet seyn . Umhalst euch vor meinen Augen . Das letzte widerstrebende Gefühl versinke in der freundlichen Annäherung . - So ; und nun , meine wiedergefundne Tochter , küsse auch Deinen Bruder , den kleinen muthwilligen Johann , die Wonne meiner alten Tage . « - Wallrade sah sich mit verdüstertem Antlitz nach dem Jungen um , der , wie Margarethe erst jetzt bemerkte , sich hinter die Bank und die Gewänder der Mutter verkrochen hatte . - » Johann , wo steckst Du ? « fragte Diether liebreich : » Komm , umarme Deine Schwester ! « - » Ei , du einfältiger Bube ; « ermahnte Margarethe den Weigernden : » Was muß denn Schwester