, weil es zu dem von alten Zeiten her vorhandenen Geräthe nicht paßte ; Albert sah sich dadurch unmerklich zu sehr bedeutenden Ausgaben verleitet , denn nach und nach wurde das ganze Schloß mit modernem Hausgeräthe versehen , welches mit großen Kosten aus der ziemlich entfernten Residenz herbeigeschaft werden mußte . Das neue Ameublement erforderte auch eine neue Einrichtung der Zimmer ; Tapezirer , Maler , Handwerker aller Art wurden verschrieben , überall ward gehämmert , vergoldet , gemalt , bis das von Außen noch immer uralte Schloß von innen einem Feenpallaste glich , aus dem beinahe jede Spur seiner frühern ehrwürdigen Alterthümlichkeit verschwunden war . Alberts Blick trübte sich oft und sein Herz war ihm schwer , wenn er diese , so ganz außer Bernhards Plänen liegende Umwandlung betrachtete , doch Luise lächelte wieder , laut schallte ihr Gesang durch das Haus , wenn sie in liebenswürdiger Geschäftigkeit von einem Zimmer zum andern eilte , um dieses oder jenes Neue anzuordnen ; es war ihm unmöglich , den Himmel dieses geliebten Wesens von neuem zu trüben , er freute sich ihrer Freude und trug Sorge und Kummer gern allein . Die tiefe Einsamkeit , in der Luise an der Seite eines stets in Geschäften sich abmühenden Gatten lebte , machte es allerdings wünschenswerth , ihr eine erheiternde Gesellschaft gewähren zu können , und Albert selbst fiel zuerst auf den Gedanken , einige ihrer Jugendfreundinnen einzeln und abwechselnd zu ihr einzuladen . Diesen folgten bald mehrere Besuche , Luisens Eltern versäumten nicht nach und nach alle ihre Bekannten in dem Hause ihrer Tochter einzuführen , und Albert sah sich bald von dem Geräusche der großen Welt in seinem eignen Schlosse umringt , das nie aufzusuchen er seinem Bruder feierlich gelobt hatte . Jeder Gedanke an häusliche Stille verschwand vor dem immer mehr sich vergrößernden Schwarme von Besuchenden , die oft wochenlang auf Leuenstein verweilten ; Luisens Eltern trugen alles dazu bei , den Ton in Alberts Hause immer höher zu steigern , ohne daß Albert den Muth hatte , sich diesem Unheil zu widersetzen . Er fürchtete Luisen dadurch zu betrüben , die ihre Eltern zärtlich liebte und in deren Seele keine Ahnung davon kam , daß Baron Steinau es sehr angenehm und bequem finde , bei seiner Tochter eine Lebensweise fortführen zu können , an welche er gewöhnt war und die er selbst im eignen Hause nicht länger ausführbar zu machen vermochte . Ein zahlloses Heer französischer Emigranten überschwemmte um diese Zeit Deutschland und wußte mit seiner tiefen Verdorbenheit , seiner Frivolität , seiner Anmaßung , aber auch mit seinem unübertrefflichen Talent für die feinste Geselligkeit sich überall Eingang zu verschaffen . Auch Alberts Schloß wurde von dieser allgemeinen Landplage nicht verschont , denn Baron Steinau hatte seinem unbesonnenen Betrogen dadurch die Krone aufgesetzt , daß er einige dieser gefährlichen Gäste als ihm besonders lieb gewordene Hausfreunde bei seinen Kindern einführte , und überall , wo es nur einem einzigen Emigranten gelungen war festen Fuß zu fassen , folgten bald mehrere nach , die mit unbeschreiblicher Gewandheit in kurzer Zeit dort unumschränkt zu herrschen wußten , wo sie zuerst als unglückliche Verbannte mitleidige Aufnahme fanden . Vom Morgen bis zum Abend mußte Albert jetzt seine junge schöne Luise von Marquis und Vicomtes umschwärmt sehen , welche das ganze Schloß umkehrten , um alles auf den Ton der elegantesten Zirkel von Paris oder Versailles umzustimmen . Ihn selbst aber schienen sie wie einen Fremden zu betrachten , dessen düstre Aussenseite freilich sehr schlecht hieher passe , den man aber dulden müsse und nicht ganz degoutiren dürfe , weil er doch einmal der Gemahl der Dame vom Hause sey . Bei der ihm zur zweiten Natur gewordenen Anspruchslosigkeit verlor Albert in diesen Umgebungen das wenige Selbstvertrauen gänzlich , das er noch besaß ; er fühlte sich ungewandt und unbeholfen in der Mitte dieser glänzenden Fremdlinge , die nichts hatten und nichts achteten als den äußern Schein ; er konnte es sich nicht ableugnen , daß diese ihn selbst in den Augen seiner Luise verdunkelten und verdunkeln mußten ; er glaubte zu sehen wie Luisens Herz sich immer mehr von ihm abwende , und ward leider immer weniger liebenswürdig , je mehr die Ueberzeugung , nicht mehr geliebt zu seyn , in seiner Seele sich festsetzte , wie das leider immer zu geschehen pflegt . Es braucht wohl nicht besonders erwähnt zu werden , daß Alberts häusliche Lage nicht urplötzlich , sondern allmählig während dem Laufe mehrerer Jahre diese traurige Umwandlung erlitt . Luise hatte ihm während dieser Zeit mehrere Kinder geboren , von denen nur das älteste , ein Knabe von etwa fünf Jahren , am Leben blieb ; ein jüngerer war erst wenige Wochen alt , als Bernhard zum zweitenmal von Maltha nach Deutschland zurückkehrte , um sich zu der Armee der alliirten Mächte zu begeben , welche zu jener Zeit im Begriff stand , den Feldzug gegen die französischen Demokraten zu eröffnen . Damals , wie Bernhard ein Jahr nach seiner Flucht nach Maltha zurück eilte , um seine heißgeliebte Anna noch einmal wieder zu sehen , als ihm in ihrer Rähe die früher ungeahnete Größe des Opfers klar wurde , durch welches er , viel zu voreilig für die ganze Seeligkeit seines eignen Lebens , das Glück seines jüngern Bruders erkauft hatte , da vermochte er es nicht über sich , durch den Anblick des jungen glücklichen Paares den eignen Schmerz noch zu erhöhen . Die Zeit hatte diesen Schmerz zwar nicht gemildert , aber Bernhard war durch sie gewöhnt worden , ihn mit Fassung zu tragen und so entschloß er sich , einen ziemlich bedeutenden Umweg nicht zu achten , um auf seinem Wege zur Armee den Bruder und die Burg seiner Väter noch einmal zu begrüßen , ehe er den großen Kampfplatz betrat , von welchem nicht wiederzukehren vielen Tausenden bestimmt war . Als Bernhard die Gränze seiner ehemaligen Besitzungen betrat , bemerkte er zuerst mit steigendem Unmuthe , wie schonungslos die Axt noch vor kurzem