, und Berthold fragte mit unerwartet aufbrechendem Zutrauen : » Ehrwürdiger Vater , wer nun zweimal schon gelebt hat , darf der noch ein drittes Leben erwarten . « - Der Alte meinte , er schwärme im Fieber und Berthold antwortete : » Es mag Euch unverständlich sein , was ich sage , aber fühlt meinen Puls , daß ich nicht krank bin . Glaubt mir , ich bin von einem Arzt , als ich sterben sollte , mit einem zweiten Leben , das er mir wunderbar schenkte , gar schrecklich betrogen und doch glaube ich an jenes Leben , das uns verheißen ist . « - Der Mönch sagte ihm , er sei vom Wege angegriffen , vielleicht von Kummer , sie wollten die dunkle Halle verlassen , er möchte ausschlafen . - Berthold antwortete : » Hier bei den Meinen möchte ich ausschlafen ! « - Der Mönch sah ihn verwundert an und sprach : » Freilich alle Menschen sollen Brüder sein , wenn sie es nur wären . « - » Darum ist mir so wohl , wie mir nie gewesen « , antwortete Berthold , » hier ist brüderliche Einigkeit , hier verfolgen sie die Ihren nicht mehr , sie wollen gern alle beisammen sein jenseits der Erde , darum nur lassen sie den Ihren keine Ruhe auf Erden . « - Der Mönch sah Berthold mitleidig an , er hielt ihn für einen Wahnsinnigen ; ihn zu zerstreuen , las er von der neu errichteten , schwarz marmornen Gedächtnistafel die Inschrift vor : » Daß ein Geschlecht vergehe und das andre komme , und die Erde indessen unbeweglich bleibe und ein jegliches Ding seine Zeit und alles unter dem Himmel seine Stunde habe , dessen gedenket man nicht , wie es doch jedem geraten ist , denn die künftigen Zeiten werden alles zugleich in Vergessen bringen , was wir aufzeichnen von der Vergangenheit und was wir schaffen in der Gegenwart , denn nichts erringen wir , als die Zukunft . « - » Amen « , sagte Berthold , ein blauer Blitzstrahl zuckte durch die Halle , der Donner rollte und ein Blutstrahl sprang aus der Armader Bertholds , da wo Faust ihm das Blut Antons eingedrängt hatte , und löschte die Fackel des Mönchs . Der Mönch ließ die Fackel fallen und faßte Bertholds Hand , der nun sanft auf das Grabmal des Stammvaters der Hohenstaufen niedersank . » Böser Faust ! armer Anton , junges Blut ! « sagte Berthold mit schwacher Stimme , seine Hand ward kalt . Achte Geschichte Die Taufe Anton hatte sich nach dem Verdrusse über den vergeblichen Kriegszug , von Berthold gewendet , denn er hatte sich auf den Ruhm gefreut , noch ehe er ihn errungen , auch nahm ihn die Anwesenheit des Ehrenhalts gegen alles ein , was unternommen wurde . Er ließ sich durch keine Drohung des Meister Sixt bestimmen , die Adler zu malen , welche an den Toren neben dem bisherigen Stadtwappen aufgehängt werden sollten . Meister Sixt jagte ihn im Zorn darüber aus dem Hause , vielleicht auch aus List , weil der Erwerb in der unruhigen Zeit sinken und der Preis aller Lebensmittel steigen mußte und Anton , wenn er sich selbst in der Zeit durchgeholfen , zu ihm als dem einzigen Meister in der Stadt endlich doch zurückkehren mußte , um frei gesprochen zu werden . Anton gab ihm wenig gute Worte , daß er ihn behielte , er konnte nichts mehr bei ihm lernen und sein Geiz war unerträglich . Dem Herzog mochte er nicht zuziehen , denn ihn selbst haßte und verachtete er , es war nur die Landessache , die ihn gegen die raubsüchtigen Bundesscharen einnahm . Zum Glück gab es viel in den Weinbergen zu tun , und die Leute mußten ihre Häuser wegen der fremden Völker , die da lagen , bewachen , so daß es ihm an Unterhalt für Handarbeit nicht fehlte , vielmehr fand er reichliches , ungemessenes Brot bei der Weinhacke , während er bei dem Pinsel hatte hungern müssen . Am Sonntage half er dem alten Anno ohne Lohn und Brot , und ging nach der Arbeit in die Stadt zu seinen Verehrerinnen Sabina und Verena , die ihn immer schöner fanden , je mehr sich sein Gesicht und sein Hals in der Sonne bräunte ; die ihn um so reichlicher bewirteten , je seltener er jetzt kam . Anton saß eines Sonntags bei Verena im Vorzimmer von Frau Annen , als Graf Konrad von Hohenstock , von dessen Anwesenheit er auf den Weinbergen nichts vernommen hatte , durch das Zimmer zum Besuch bei Frau Annen , im zierlichsten , samtnen , kurzgeschnittnen Wamse stolzierte und sein Gesicht in die angenehmste Begrüßung voraus spitzte . Konrad stutzte ein wenig , als er Anton sah , es mochte ihm wohl eine Erinnerung kommen , aber sie schien auch gleich wieder zu verlöschen ; er ging durch das Zimmer , ohne sich bei ihm aufzuhalten . Anton hatte ihn beim ersten Blicke erkannt , es war ihm zu Mute gewesen , als ob er ihm um den Hals fallen müßte . Alle Jugendstreiche fielen ihm ein , aber zugleich , ob Konrad nicht auch hier auf dem Kriegszuge von den Kronenwächtern bewacht sein möchte . Bald sah er auch eine jener ihm verhaßten Gestalten , einen Reisigen , der nach Konrad fragte , und schlich sich unter einem Vorwande fort . Auf der Straße faßte ihn ein andres Gespenst am Rocke , es war Faust . » Wo steckst du Vielfraß ? « sagte der Doktor . » Läßt du dich wieder hier sehen , alter Schwamm « , antwortete Anton , » du meinst , weil Berthold fort ist , gäbe es hier keine Aufsicht mehr gegen solche Landstreicher . « - » Du überreifer Junggeselle « , schrie Faust , » was weißt du , wie es in der Welt hergeht , der Bürgermeister , den ich dem Berthold zum Ärger