, So wird das lockre Geschlecht , Gehaun sein von Not und Jammer Zu festem Eisen recht . Da wird Aurora tagen Hoch über den Wald hinauf , Da gibt ' s was zu siegen und schlagen , Da wacht , ihr Getreuen , auf ! Und so « , sagte er , » will ich denn in dem noch unberührten Waldesgrün eines andern Weltteils Herz und Augen stärken , und mir die Ehre und die Erinnerung an die vergangene große Zeit , sowie den tiefen Schmerz über die gegenwärtige heilig bewahren , damit ich der künftigen , bessern , die wir alle hoffen , würdig bleibe , und sie mich wach und rüstig finde . Und du « , fuhr er zu Julie gewendet fort , » wirst du ganz ein Weib sein , und , wie Shakespeare sagt , dich dem Triebe hingeben , der dich zügellos ergreift und dahin oder dorthin reißt , oder wirst du immer Mut genug haben , dein Leben etwas Höherem unterzuordnen ? Und dämmert endlich die Zeit heran , die mich Gott erleben lasse ! wirst du fröhlich sagen können : Ziehe hin ! denn was du willst und sollst , ist mehr wert , als dein und mein Leben ? « - Julie nahm ihm fröhlich die Gitarre aus der Hand und antwortete mit folgender Romanze : » Von der deutschen Jungfrau Es stand ein Fräulein auf dem Schloß , Erschlagen war im Streit ihr Roß , Schnob wie ein See die finstre Nacht , Wollt überschrein die wilde Schlacht . Im Tal die Brüder lagen tot , Es brannt die Burg so blutigrot , In Lohen stand sie auf der Wand , Hielt hoch die Fahne in der Hand . Da kam ein röm ' scher Rittersmann , Der ritt keck an die Burg hinan , Es blitzt sein Helm gar mannigfach , Der schöne Ritter also sprach : Jungfrau , komm in die Arme mein ! Sollst deines Siegers Herrin sein . Will baun dir einen Palast schön , In prächt ' gen Kleidern sollst du gehn . Es tun dein Augen mir Gewalt , Kann nicht mehr fort aus diesem Wald , Aus wilder Flammen Spiel und Graus Trag ich mir meine Braut nach Haus ! Der Ritter ließ sein weißes Roß , Stieg durch den Brand hinauf ins Schloß , Viel Knecht ihm waren da zur Hand , Zu holen das Fräulein von der Wand . Das Fräulein stieß die Knecht hinab , Den Liebsten auch ins heiße Grab , Sie selbst dann in die Flammen sprang , Über ihnen die Burg zusammensank . « Faber brach , als sie geendigt hatte , einen Eichenzweig von einem herabhängenden Aste , bog ihn schnell zu einem Kranze zusammen und überreichte ihr denselben , indem er mit altritterlicher Galanterie vor ihr hinkniete . Julie drückte den Kranz mit seinen frischgrünen , vollen Blättern lächelnd in ihre blonden Locken über die ernsten , großen Augen , und sah so wirklich dem Bilde nicht unähnlich , das sie besungen . - » Es ist seltsam « , sagte Faber darauf , » wie sich unser Gespräch nach und nach beinahe in einen Wechselgesang aufgelöst hat . Der weite , gestirnte Himmel , das Rauschen der Wälder ringsumher , der innere Reichtum und die überschwengliche Wonne , mit welcher neue Entschlüsse uns jederzeit erfüllen , alles kommt zusammen ; es ist , als hörte die Seele in der Ferne unaufhörlich eine große , himmlische Melodie , wie von einem unbekannten Strome , der durch die Welt zieht , und so werden am Ende auch die Worte unwillkürlich melodisch , als wollten sie jenen wunderbaren Strom erreichen und mitziehen . So fällt auch mir jetzt ein Sonett ein , das euch am besten erklären mag , was ich von Leontins Vorhaben halte . « Er sprach : In Wind verfliegen sah ich , was wir klagen , Erbärmlich Volk um falscher Götzen Thronen , Wen ' ger Gedanken , deutschen Landes Kronen , Wie Felsen , aus dem Jammer einsam ragen . Da mocht ich länger nicht nach euch mehr fragen , Der Wald empfing , wie rauschend ! den Entflohnen , In Burgen alt , an Stromeskühle wohnen , Wollt ich auf Bergen bei den alten Sagen . Da hört ich Strom und Wald dort so mich tadeln : » Was willst , Lebend ' ger du , hier überm Leben , Einsam verwildernd in den eignen Tönen ? Es soll im Kampf der rechte Schmerz sich adeln , Den deutschen Ruhm aus der Verwüstung heben , Das will der alte Gott von seinen Söhnen ! « Friedrich sagte : » Es ist wahr , wovon Ihr Sonett da spricht , und doch billige ich Leontins Plan vollkommen . Denn wer , von Natur ungestüm , sich berufen fühlt , in das Räderwerk des Weltganges unmittelbar mit einzugreifen , der mag von hier flüchten , so weit er kann . Es ist noch nicht an der Zeit , zu bauen , solange die Backsteine , noch weich und unreif , unter den Händen zerfließen . Mir scheint in diesem Elend , wie immer , keine andere Hülfe , als die Religion . Denn wo ist in dem Schwalle von Poesie , Andacht , Deutschheit , Tugend und Vaterländerei , die jetzt , wie bei der babylonischen Sprachverwirrung , schwankend hin und her summen , ein sicherer Mittelpunkt , aus welchem alles dieses zu einem klaren Verständnis , zu einem lebendigen Ganzen gelangen könnte ? Wenn das Geschlecht vorderhand einmal alle seine irdischen Sorgen , Mühen und fruchtlosen Versuche , der Zeit wieder auf die Beine zu helfen , vergessen und wie ein Kleid abstreifen , und sich dafür mit voller , siegreicher Gewalt zu Gott wenden wollte , wenn die Gemüter auf solche Weise von den göttlichen Wahrheiten der Religion lange vorbereitet , erweitert , gereinigt und wahrhaft durchdrungen würden , daß der Geist Gottes und das Große im öffentlichen Leben wieder