, Was ich tief verschlossen meine , Höhlet meines Unglücks Stein , Füllt ihn bald mit Freudenwein ; Freundin , nimm vom Freudenweine , Komm zu mir , du heil ' ge , reine , Und beselige mein Mahl , Bin ich frei von aller Qual . Fühlend kannst du an mich glauben , Was mir lieb , nicht spottend rauben , Was ich aus der Seele sprach , Klingt dir aus der Seele nach . Fromme Freundin aller Reinen , Du kannst trösten , du kannst weinen , Wenn du mich auch nicht verstehst , Alles dir im Geist erhöhst . Florio war gerade aus seinem chemischen Arbeitszimmer zu Arnika gekommen , und hatte ihr dunkel vorgesungen : es sei ein Mann bei ihm gewesen , der dem Herzoge nach dem Leben trachte , und das sei ihm lieb , weil er ihn hasse ; da trat der Diener des Grafen herein , und brachte ihr seinen Abschiedsbrief . Zehntes Kapitel Der Marchese D ... verläßt die Gräfin Zu lange für meine Zuneigung zur Gräfin Dolores , habe ich den Grafen durch eine fremde Welt begleiten müssen , mir wird gleich so wohl , da ich wieder zu ihr umkehren darf , ungeachtet sich wieder manches Betrübte ereignet hat . - Der Marchese war von dem Gute des Grafen mit einem so auffallenden Lärmen und Lobpreisen desselben zurückgekommen , daß die Gräfin darüber erstaunte , was sie meist kaum angesehen , öfter verspottet , hier in dem Leben der Worte , das sie besser als die eigentliche Anschauung von vielen Dingen kannte , zu solcher Wichtigkeit ansteigen zu sehen . Dieser neue Reiz übertrug sich in ihrer Art Unmittelbarkeit an den Marchese ; es war ihr zu Mute , als wenn der alles das ihr zu Ehren angelegt habe ; sie sah ihn mit so wunderlich angenehmen Blicken an , die nur ihr eigen , worüber nur der Marchese lächeln konnte , der unterdessen eine andre Bekanntschaft in der Gegend gemacht hatte , und mit ihr brechen wollte . Je mehr er sich von ihr wandte , je weniger Politik er ihr vertraute , doch immer mit dem Anscheine eines Mannes , der sich viel versagt , desto unwiderstehlicher war es ihrem Eigensinne , ihn nicht mit Zärtlichkeit zu verfolgen ; unter allerlei leichtem Vorwand drängte sie sich an ihn , schlug mit ihren Stricknadeln auf seine Hand , ließ eine Schleife an ihrem Ärmel zubinden ; der Marchese erzählte ihr , als wär es von einem Dritten , sie hätte ungemein zärtliche Augen und schmachtende Blicke , eigentlich mehr als einer verheirateten Frau gezieme . Sie versicherte ihm noch immer scherzend , das habe ihre Mutter schon früh an ihr getadelt , sie wisse aber nichts davon , und dabei erzählte sie so artig ein Duett , halb singend , halb sprechend , das damals , als sie dies zum erstenmal ihrem Manne erzählt , von ihm darauf gedichtet worden sei . MUTTER : Mädchen laß die schmachtend süßen Blicke , Mach die Augen nicht so klein , Denn zu ihrem schmerzlichsten Geschicke Alle Männer sehn hinein , Jeder meint , daß er gemeinet wäre . TOCHTER : Laß sie doch so eitel sein . MUTTER : Nein , es schadet endlich deiner Ehre , Meide wenigstens den Schein . TOCHTER : Mutter sprich , wie soll ich denn nun lassen , Was mir angeboren ist , Wenn ich auch mit niemand möchte spaßen , Bebt mir doch die Wang von List . MUTTER : Nein , das ist kein Blick , der bloß zum Lachen , Du verwirrest jedermann , Willst du einen wirklich glücklich machen , Sieh allein auf einen Mann . Mädchen , nicht bei stillen , edlen Frauen Kannst du solches Auge sehn , Einige so ruhig vor sich schauen , Andre gar verschämet gehn . TOCHTER : Meine Augen flüchtig sich bewegen , Müde von dem Stillestehn , Keinen Ausdruck mag ich drinnen hegen , Gleich hinaus muß er da gehn . Mutter sprich , von wem die Deutungsaugen , Gern geb ich sie dem zurück , Denn zum Glücke sie wohl nimmer taugen , Und ich fürchte meinen Blick . MUTTER : Tochter , könntest du den Vater finden , Diesen Flüchtling ohne Ruh , Gern vergäb ich alle seine Sünden Und vergäb dir auch dazu . TOCHTER : Laß mich einsam , daß ich keinem schade , Denke still bei mir an ihn , Und erfleh für ihn des Himmels Gnade , Und so will ich fromm verblühn . Alte Jungfer will ich bei dir werden , Blühen unter Schnee und Eis , Denn kein Jüngling , den ich sah auf Erden , Hat verstanden meine Weis . MUTTER : Wie ein Vogel , der im Fluge träumte , Sinket auf des Sees Flut , Siehst du bald im Spiegel die versäumte Aufgeschreckte Liebesglut , Daß der Jugend goldne Zeit verrinne , Lieblos über Lieb hinaus ; Sieh hinaus , was dir dein Aug gewinne , Ob ' s ein Hüttchen , ob ' s ein Haus . » Und darüber können Sie lachen ? « fragte der Marchese , » jeder andre dürfte dabei lachen , nur Sie nicht , die von dem Manne so zärtlich gewarnt worden , den Sie nicht verdienen . « - Die Gräfin rief ihm erbleichend in einem Übergang vom Staunen zur Wut : » Und Sie können mir das sagen ? « - Der Marchese wollte sanft einlenken ; aber wer die tiefe Kränkung einer Frau kennt , die sich hart behandelt fühlt von einem , dem sie sich liebevoll hingegeben , und die Angst eines Gemüts , das sich der Wahrheit noch nicht lange verschlossen , und wo hinein sie sonnenhell plötzlich aus einer Gegend scheint , woher sie nie etwas davon geahndet , der kann sich die fieberhafte Hitze erklären , die abwechselnd das Leben des Marchese in Gefahr setzte , und ihm dann wieder demütig schmeichelte ; denn selbst seine spielende