, hängt sehr von seinem Willen oder doch von seiner Weisheit ab ; denn seine Einbildungen und Leidenschaften sind in ihm selbst , und er kann also , wenn er will und es recht angreift , sehr wohl Meister über sie werden . Was die Dinge außer ihm betrifft , so mag er ( wenn er kann ) diejenigen vermeiden , die ihm Unlust machen , und diejenigen suchen , die ihm wohlthun . Kann er aber jene nicht vermeiden , ohne sich größrer Unlust auszusetzen , so duldet er , wenn er weise ist , das kleinere Uebel um des größern Guten willen ; und eben so unterläßt er lieber ein Vergnügen zu suchen , wenn er weiß , oder sehr wahrscheinlich vermuthen kann , daß es mit mehr Unlust verbunden sey als das Gute daran werth ist . Unvermeidliche Uebel erleichtert er sich durch Geduld ; alles Angenehme aber genießt er , wenn es gleich mit einiger geringen Unlust verbunden ist ; aber genießt es als etwas Entbehrliches , wie einer eine Rose pflückt , die an seinem Wege blüht ; und da die meisten Dinge uns nicht durch das was sie sind , sondern durch das was wir ihnen geben , oder durch unsre Vorstellungsart , glücklich oder unglücklich machen , so gewöhnt sich ein weiser Mann , die Dinge außer ihm von der angenehmsten oder doch leidlichsten Seite anzusehen . Durch diese Art zu denken erhält er sich frei und unabhängig , während daß die ganze Welt sein ist . Er verschafft sich jedes Gut um den wohlfeilsten Preis , denn er gibt nichts Besseres darum hin ; wird es ihm entzogen , so betrachtet er ' s als etwas , das nie sein war . Kurz , er kann alles genießen , alles entbehren , sich in alles schicken , und die Dinge außer ihm werden nie Herr über ihn , sondern er ist und bleibt Herr über sie . Die Zeit der Blüthe Aristipps fällt um die 100ste Olympiade , 380 Jahre vor Christus . Mit der 94sten Olympiade , 404 J. vor Ch . , beginnt diese Schilderung Wielands , 4 Jahre vor dem Tode des Sokrates , 25 Jahre nach dem Tode der Perikles . Aristipp wird einige 20 Jahre alt angenommen , und kann füglich nicht höher angenommen werden , da er noch über 60 Jahre nach des Sokrates Tode lebte . 1. Brief . 1 Cyrene , Kyrene ( jetzt Kurin ) die Vaterstadt der Philosophen Aristippos und Karneades , des Dichters Kallimachos und des Mathematikers Eratosthenes , lag in Afrika , auf der Westseite von Aegypten , an der Küste des Mittelländischen Meeres , in einer höchst fruchtbaren Gegend . Griechen von der Insel Thera , unter Anführung des Battos , hatten hier eine Colonie gestiftet , und Cyrene , wonach die ganze Landschaft Eyrenaika genannt wurde , oder auch , weit späterhin noch vier Städte hier angelegt wurden , Pentapolis ( Fünfstadt ) , erwuchs zu einem blühenden Handelsstaat . Battos war der erste König dieses Griechisch-Afrikanischen Staates , und seine acht Nachfolger , die Battiaden , regierten von 631-432 v. Chr. Im ersten Jahre der 87sten Olympiade , 431 v. Chr. , endigte ihre Herrschaft , und Kyrene erhielt eine republicanisch-aristokratische Verfassung , bis Ariston Alleinherrscher wurde , der aber im Jahre 406 v. Chr. umkam . Diese Krisis fällt nun eben in diese Periode Aristipps . 2 Stadt auf der Insel Kreta . 3 Die berühmte Argo , worauf die Argonauten von Thessalien aus nach Kolchis ( Mingrelien ) schifften . Auf die vielen Wundersagen , die von dieser Schifffahrt erzählt werden , spielt Aristipp an . 4 Von den Musen Begeisterte , hier nicht ohne schalkhafte Anspielung auf die unten vorkommende Nympholepsie . 5 Oeffentliche Volks- oder National-Versammlung . 6 Oder Knossus - Stadt auf der Nordküste der Insel Kreta . Außer dem berühmen Labyrinth , woraus Ariadne den Theseus rettete , und von dessen Ueberresten Tournefort Nachricht gibt , war hier , dem Lactanz zufolge , auch Jupiters Grabmal zu sehen , wegen dessen aber Kallimachus die Kreter als arge Lügner schilt , indem ein ewig lebender Gott nicht begraben seyn könne . 2. Brief . 7 Die Staatsverfassung von Korinth war , seit der Alleinherrschaft Perianders , ( des zweideutigsten unter den sieben Weisen ) oligarchisch , d.i. die Regierung befand sich hauptsächlich in den Händen einer kleinen Anzahl alter und begüterter Geschlechter , deren Ursprung sich zum Theil in den heroischen Zeiten verlor , und die sich durch den Beinamen Eupatriden ( Wohlgeborne ) von den Plebejischen unterschieden . W. 8 Mina ( Mna ) eine fingirte Münze , welche 100 Drachmen enthielt und deren 60 ein Attisches Talent ausmachten . Man kann sie , ohne einen beträchtlichen Rechnungsfehler , für 22 Reichsthaler Conventionsgeld annehmen . W. 9 Eine Stadt in der Peloponnesischen Provinz Elis , an deren Stelle aber die Stadt Olympia soll erbaut worden seyn . 3. Brief . 10 Aktäon wurde , weil er die Minerva im Bade gesehen hatte , in einen Hirsch verwandelt , und von seinen eignen Hunden zerrissen . 11 Bäder . 12 Ixion ward in der Unterwelt auf ein Rad geflochten , wo ihm täglich ein Geyer die , stets wieder wachsende , Leber ( den Sitz der Liebe nach der Griechen Meinung ) aushackt . 13 Einer der größten Bildhauer , die aus der Schule des Phidias hervorgingen , ein Mitschüler und Rival des nicht weniger berühmten Agorakritos , der von seinem Meister so leidenschaftlich geliebt wurde , daß dieser , um ihm einen Namen zu machen , viele seiner eigenen Werke für Arbeiten seines Lieblings ausgegeben haben soll . ( Denn dieß will Plinius ohne Zweifel mit den Worten sagen : ejusdem ( Phidiae ) discipulus fuit Agoracritus , ei aetate gratus : itaque e suis operibus pleraque nomini ejus donasse fertur ) . Für das schönste unter den Werken des Alkamenes , welche noch zu Plinius und Lucians Zeiten in Athen