. Ich begreife überhaupt nicht , wie Bronislaw dich fortlassen konnte . Ihr seid ja mitten im Kampfe . « » Nein , nein , « fiel Leo ein . » In den nächsten vierundzwanzig Stunden geschieht nichts . Wir sind genau unterrichtet über die Stellungen des Feindes . Uebermorgen , morgen vielleicht kommt es zur Entscheidung ; bis dahin ist Ruhe . Wenn ein Kampf bevorstände , würde ich nicht hier sein , so aber mußte ich nach Wilicza , und hätte es mir auch Leben und Freiheit gekostet . « Die Fürstin sah ihn unruhig an . » Leo , du hast doch Urlaub von deinem Oheim ? « fragte sie plötzlich , wie von einem unbestimmten Verdacht ergriffen . » Ja – ja ! « stieß der junge Fürst heraus , aber er vermied es die Mutter dabei anzusehen . » Ich sage dir ja , daß alles gesichert , alles vorgesehen ist . Ich stehe mit meinem Kommando in den Waldungen von A. in völlig gedeckter Stellung . Mein Adjutant hat einstweilen den Oberbefehl , bis ich zurückkomme . « » Und Bronislaw ? « » Der Onkel hat die Hauptmacht bei W. zusammengezogen , ganz dicht an der Grenze . Ich decke ihm mit den Meinigen den Rücken . Aber nun laß mich , Mutter , frage nicht weiter ! – Wo ist Waldemar ? « » Dein Bruder ? « fragte die Fürstin , befremdet und erschreckt zugleich , denn sie begann den Zusammenhang zu ahnen . » Kommst du etwa seinetwegen ? « » Waldemar suche ich , « brach jetzt Leo mit furchtbarem Ungestüm aus . » Ihn allein und sonst keinen ! Er ist nicht im Schlosse , sagte Pawlick , aber Wanda ist hier . Also hat er sie wirklich nach Wilicza gebracht , wie eine eroberte Beute , wie sein Eigentum , und sie hat das geschehen lassen ? Aber ich werde ihm zeigen , wem Wanda gehört , ihm – und ihr . « » Um Gottes willen , du weißt – ? « » Was auf der Grenzförsterei geschehen ist , ja , das weiß ich . Osieckis Leute stießen gestern zu mir ; sie brachten mir Bericht über das , was sie mit angesehen . Begreifst du nun , daß ich um jeden Preis nach Wilicza mußte ? « » Das habe ich gefürchtet , « sagte die Fürstin leise . Leo war aufgesprungen und stand nun mit flammenden Augen vor ihr . » Und du hast das geduldet , Mutter , hast es mit angesehen , wie meine Liebe , meine Rechte mit Füßen getreten wurden , du , die sonst jeden beherrscht und zum Gehorsam bringt ? Zwingt denn dieser Waldemar alles nieder ! ? Gibt es niemand mehr , der es wagt , sich ihm in den Weg zu stellen ? Ich Thor , der ich mich damals beim Abschiede zurückhalten ließ , ihn zur Rede zu stellen und Wanda aus seiner Nähe fortzureißen , daß eine fernere Begegnung zwischen ihnen unmöglich war ! Aber « – hier ging seine Stimme in den bittersten Hohn über – » mein Verdacht beleidigte sie ja , und du und der Onkel rechneten mir meine › blinde Eifersucht ‹ als ein Verbrechen an . Seht ihr es nun mit eigenen Augen ? Während ich auf Leben und Tod für die Freiheit und Rettung des Vaterlandes kämpfe , da setzt meine Braut ihr Leben ein für den , der sich offen zu unsern Unterdrückern bekennt , der uns hier in Wilicza den Fuß auf den Nacken gesetzt hat , wie es nur je die Tyrannen da drüben gethan haben , da verrät sie mich , vergißt sie Vaterland , Volk , Familie , alles , um ihn vor der Gefahr zu schützen , die ihn bedroht . Vielleicht versucht sie das auch mir gegenüber , aber sie mag sich wahren ! Ich frage jetzt nichts mehr danach , wer von uns zu Grunde geht , er oder ich , oder sie mit uns beiden . « Die Fürstin faßte wie beschwörend seine Hände . » Ruhig , Leo ! Ich bitte dich , ich fordere es von dir . Stürme deinem Bruder nicht mit diesem wilden Haß entgegen ; höre mich erst an ! « Leo riß sich los . » Ich habe schon zu viel gehört , genug , um mich zur Raserei zu bringen . Wanda hat sich in seine Arme geworfen , als ihn Osieckis Kugel suchte , sie hat ihn mit ihrem eigenen Körper gedeckt , ihre Brust zu seinem Schilde gemacht , und ich soll noch zweifeln an dem Verrate ? Wo ist Waldemar ? Er wird doch endlich zu finden sein ? « Die Mutter versuchte vergebens , ihn zu beruhigen – er hörte nicht auf sie , und während sie noch überlegte , auf welche Weise es möglich sei , die verhängnisvolle Begegnung zu verhindern , geschah das Aergste , was überhaupt geschehen konnte : Waldemar kam zurück . Er trat rasch ein und war im Begriffe , auf die Fürstin zuzugehen , als er Leo erblickte . Es war mehr als Ueberraschung , es war ein tödlicher Schreck , der sich bei diesem Anblicke in den Zügen des älteren Bruders malte . Erbleichend maß er den jüngeren vom Kopfe bis zu den Füßen , dann flammte es in seinem Auge auf wie Zorn und Verachtung , und langsam sagte er : » Also hier bist du zu finden ? « Leos Gesicht verriet eine Art wilder Genugthuung , als er endlich den Gegenstand seines Hasses vor sich sah . » Du hast mich wohl nicht erwartet ? « fragte er . Waldemar erwiderte nichts . Ihm , dem Besonneneren , stieg sofort der Gedanke an die Gefahr auf , der sich Leo hier aussetzte ; er wendete sich um , schloß die Thür des Nebenzimmers ab und kehrte dann wieder zurück . » Nein , « entgegnete er ,