ist mit ihren kleinen Füßen über die Wiesen gelaufen und hat Blumen gesucht , so viel , so viel , daß die Hände sie nicht mehr fassen konnten . Sie hat zum blauen Himmel aufgejubelt und hat alles geliebt , den Sonnenschein , die Blumen , die ganze weite Welt und die Menschen , die drin sind ! Hätte man sie in ein finsteres , kaltes Haus gesteckt , sie würde mit den Händen verzweifelnd gegen die Mauern geschlagen haben , um sich zu befreien ... Und diese glückseligen Augen sollten mit dem finstern Wunsche auf mir geruht haben , das arme , kleine , unschuldige Leben dereinst lebendig eingemauert zu wissen ? « » Du siehst sie hier als Braut , Gisela ! Da ist freilich das Gesicht noch sonnig – ihr späteres Leben war sehr ernst und wohl geeignet , sie Maßregeln für den Lebensgang ihres Kindes ergreifen zu lassen – « » Durfte sie das ? ... Ist wirklich den Eltern die Macht verliehen , in den Jahren , wo ihr Kind die Augen kaum für die Welt geöffnet hat , wo sie seine Seele noch gar nicht kennen , zu sagen : › Wir verurteilen dich zu lebenslänglichem Kerker ! ‹ ? Ist es nicht der grausamste Egoismus , ein völlig schuldloses Geschöpf die Sünden seiner Vorfahren abbüßen zu lassen ? « Sie strich sich mit beiden Händen über die Stirn , hinter der es klopfte und hämmerte . » Aber es soll so sein , wie meine Mutter wünscht , « sagte sie . » Ich will schweigen und das schlimme Geheimnis wie sie weiterschleppen – die veruntreuten Güter sollen einst durch › Erbschaft ‹ wieder an das fürstliche Haus zurückfallen ... Ich will einsam leben , wenn auch nicht im Kloster ... « Der Minister , dessen Züge sich anfänglich geglättet hatten , prallte förmlich bei diesem Schlusse zurück . » Wie ? « stieß er hervor . » Der Ertrag der Besitzungen soll bis zu meinem Ende an die Armen des Landes verteilt werden , aber durch mich selbst « , unterbrach sie ihn gelassen . » Ich will auch , so viel ich vermag , die Seele meiner Großmutter von ihrer Schuld erlösen , wenn auch nicht durch das Beten des Rosenkranzes ... Papa , ich weiß , daß ich Gott nicht besser dienen kann , als wenn ich für die Menschen lebe , wenn ich alle Kräfte – « Ein gellendes Auflachen unterbrach sie – es hallte grausig von den Wänden wider . » O edle Landgräfin von Thüringen , ich sehe schon , wie sie in das Greinsfelder Schloß einziehen , die Bettler und Krüppel ! Ich sehe , wie du zum Nutzen und Frommen der darbenden und leidenden Menschheit dünne Armensuppe kochst und lange wollene Strümpfe strickst ! Ich sehe auch , wie du heldenmütig den Entschluß festhältst , vor den Augen der spöttelnden Welt als alternde Jungfrau einher zu wandeln ! ... Aber da klopft eines schönen Tages ein edler Ritter an die Herberge der Elenden , und – vergessen ist der › Gott wohlgefällige Dienst ‹ , vergessen der letzte Wille der Mutter ! Die Armen zerstreuen sich nach allen vier Winden , der neue Gebieter von Greinsfeld erhält als Mitgift seiner Gemahlin den erschlichenen Nachlaß des Prinzen Heinrich , und – das fürstliche Haus in A. wischt sich den Mund ! ... Einfältiges Geschöpf « , fuhr er grimmig fort – es klang wie das Knurren des tiefgereizten Raubtieres – » Meinst du , weil ich dir in unbegreiflicher Geduld und Langmut Zeit lasse , deine Mädchenweisheit auszukramen , ich beuge mich nun auch pflichtschuldigst deinem geistreichen Endbeschluß ? ... Du wagst wirklich zu denken , dein eigener Wille käme in Betracht , wenn ich dir gegenüberstehe mit einem unumstößlichen Gebot ? ... Du hast nichts zu denken , zu fühlen , zu wünschen – du hast einfach zu gehorchen ; du hast einen einzigen Weg vor dir , und weigerst du dich , ihn zu gehen , so werde ich dich führen – hast du mich verstanden ? « » Ja , Papa , ich habe dich verstanden , aber ich fürchte mich nicht ; – du hast nicht die Macht , mich zu zwingen ! « Er hob in sprachlosem Grimm den Arm . Das junge Mädchen wich vor dieser drohenden Bewegung nicht um einen Schritt zurück . » Du wirst es nicht noch einmal wagen , mich zu berühren ! « sagte sie mit flammenden Augen , aber ruhiger unerschütterter Stimme . In demselben Augenblick wurde draußen geklopft – in der geräuschlos geöffneten Tür erschien ein Lakai . » Seine Durchlaucht der Fürst ! « meldete er mit einem tiefen Bückling . Der Minister stieß einen halblauten Fluch aus . Dennoch trat er sofort bewillkommnend an die Schwelle , während der Lakai die Tür weit zurückschlug . » Aber , mein lieber Fleury , was soll ich denken ? « rief der Fürst , in das Zimmer tretend ; sein Ton klang scherzend , allein auf der Stirn lag eine Wolke , und die grauen Augen konnten die Anzeichen des Mißmuts nicht verbergen . » Haben Sie ganz vergessen , daß drüben im Walde die ganze schöne Welt von A. darauf brennt , Sie zu verherrlichen ? Das weiße Schloß ist bereits menschenleer , und Sie lassen warten ? ... Dazu meldet man mir vor einer Stunde , unsere schöne Gräfin sei angekommen ; ich aber sehe keinen Schatten von ihr , während Sie doch wissen , daß sie an meinem Arm zum erstenmal in die Welt eintreten soll ! « Gisela , die bis dahin im verdunkelten Hintergrund gestanden hatte , trat vor und verbeugte sich . » Ah , da sind Sie ja ! « rief der Fürst erfreut und streckte ihr beide Hände entgegen . » Mein bester Fleury , ich könnte wirklich böse werden ! Frau von Herbeck « – er wandte sich nach der offenen Tür zurück ;