, wie ich ' s meine – bleibe ein ehrlicher Kerl und thu ' s meinen grauen Haaren zu Liebe , daß Du Dich nicht fangen lassest . « Ich drückte meinem edlen Wohlthäter die Hand ; die Stimme versagte mir , mein Herz war zu voll . » Gern begleitete ich Dich noch eine Strecke , « hob der Oberstlieutenant wieder an , » allein es geht Nicht , ich muh mich zu Hause zeigen , oder es entsteht eine neue Gefahr für Dich . Höre mir also aufmerksam zu ; eine Wanderung von höchstens zwei Stunden bringt Dich an den Rhein ; folge dem auf dem Ufer hinführenden Leinenpfad , bis Du Dich Plittersdorf beinahe gegenüber befindest . Dort warte , bis der Tag zu grauen beginnt , und Du wirst ein mit zwei Ruderern bemanntes Boot von Königswinter herunterkommen sehen . In dem Boot sitzt eine dritte Person ; kümmere Dich nicht um dieselbe ; die Männer haben sich verbindlich gemacht , die genannte Person nach Cöln zu schaffen , das heißt zum Schein , um Dich mit hinunter schmuggeln zu können . « » Rufe also die beiden Männer und frage sie , ob sie nicht einen armen Handwerksburschen ein Stückchen mitnehmen wollen ; das Weitere wird sich dann schon finden . Aber merke Dir wohl , Du bist und bleibst der Handwerksbursche für sie , und wenn Du sie verlassest , bezahle nichts . Ja , das wäre Alles , was ich Dir noch zu sagen hatte ; wie ich sehe , wird der Anton Dich begleiten , das ist mir lieb , er kann mir Bescheid bringen , wie sich die Sache gemacht hat ; und nun mein Sohn , müssen wir uns trennen – « » Nur noch ein Wort , mein theuerster Wohlthäter , « fiel ich dem Oberstlieutenant in die Rede , » Sie sehen den armen Anton hier , ich verdanke ihm und seiner Treue meine Freiheit und also auch mein Leben ; er hat sich als mein Freund gezeigt , unbekümmert darum , daß andere Menschen mich verfolgten und ihm selbst der größte Nachtheil daraus erwachsen konnte – « » Ich verstehe Dich , mein Sohn , und verspreche Dir , der Anton soll nicht mehr betteln gehen , so lange es auf der Oberförsterei noch ein Stück Brod zu brechen giebt ; sonst noch etwas ? « » Nein , nur die innigsten Grüße an Alle , die meiner freundlich gedenken « – » Unter welchen meine Lisette obenan steht , ich werde es bestellen , ja , ja , ich werbe es zu seiner Feit bestellen , und nun , mein Sohn , die Zeit entflieht , machen wir daher nicht viel Worte , seien wir Männer und überlassen wir das Heulen den Weibern . Lebewohl , mein Sohn – ach was – zum Donnerwetter – küsse mir nicht die Hand – Gott – segne Dich und mögen wir uns dereinst dort oben bei der großen Armee wiederfinden . « Das Pferd trat zuerst zwei Schritte zurück und bann in einen kurzen Galopp verfallend , eilte es mit feinem Reiter und umsprungen von den Hunden lustig der Oberförsterei zu , wo seiner der warme Stall harrte . » Ueberlassen wir das Heulen den Weibern , « hatte mein alter Vormund mir zugerufen . O , wenn es nur Tag gewesen wäre , wie dann die Sonne sich wohl in den klaren Tropfen gespiegelt hätte , die in seinem weißen Bart zitterten ! Aber es war Nacht , und das freute den alten gütigen Herrn , denn nun konnte doch Niemand seine Bewegung sehen . Daß seine tiefe , mir so wohlthuende , tröstliche Bewegung sich so deutlich im Ton seiner Stimme verrieth und sogar aus seinem barsch ausgestoßenen » Donnerwetter « sprach , das hätte er nie geglaubt , nicht für möglich gehalten . Ich blieb so lange auf derselben Stelle stehen , wie ich den Hufschlag des davoneilenden Pferdes zu unterscheiden vermochte . Auch Anton war still und in sich gekehrt ; offenbar dachte er darüber nach , daß er fortan nicht mehr betteln gehen , nicht mehr von seinem Bruder geschlagen werden sollte . » Spitzbube , Frau koch Kaffee ! « sagte der Rabe unwirsch , als ob er sich darüber geärgert habe , daß man ihn so rücksichtslos um seine Nachtruhe bringe . Anton setzte den Vogel zur Abwechselung auf seine andere Schulter , ich zog die Riemen meines Ränzels etwas fester an , und langsamen Schrittes wanderten wir dem Rhein zu . Wir wandelten dahin durch die schwarze , feuchte Herbstnacht , und hinter mir zurück blieb die Umgebunst , in welcher ich den glücklichsten und schönsten Theil meiner Jugend verlebte , blieben zurück die einzigen Menschen , die mir in Liebe zugethan , blieb zurück das Grab meiner Johanna . – 18. Capitel . Auf dem Jesuitenhofe Achtzehntes Capitel . Auf dem Jesuitenhofe . Eine Stunde mochte es noch bis zum Anbruch des Tages sein , als ich mich an dem mir bezeichneten Punkte auf dem Ufer des Rheins neben mein Ränzel in ' s Gras warf . Anton hatte sich ebenfalls niedergesetzt , und schweigend blickten wir auf die dunkeln Fluthen , die mit leisem Rauschen die weidenbepflanzten Uservorsprünge streiften . Um nicht gezwungen zu sein , so lange auf das Boot zu warten , hatten wir auf der Wanderung unsere Eile gemäßigt und mehrfach an geeigneten Stellen gerastet . Der Wald erschien mir sicherer , als das offene Stromesufer , doch hatte ich auch hin , umgeben von den sorgfältig angepflanzten Weidensträuchern , eine gegen den vorbeiführenden Weg hin geschützte Zufluchtsstätte gefunden . Der sonst so gesprächige Anton war , wie sein Rabe , plötzlich stumm geworden , nur mit dem Unterschiede , daß Jakob sich zum Schlaf in seine gesträubten Federn zurückgezogen hatte , während Anton sich bemühte , sich mit dem Gedanken an unsere Trennung vertraut zu machen . Seine Betrachtungen galten nur mir , einer einzelnen