, in dem von buntem Gewühl erfüllten Stiftshofe vor dem Salzburgischen Profoßen . Das war ein schweres , dickes Mannsbild mit etwas Asthma , aber mit wohlwollenden Augen . Man rühmte es ihm als besondere Milde nach , daß er keinen hängen ließ , ohne ihm zuvor den letzten christlichen Trost zu vergönnen . Dadurch unterschied sich seine Salzburgische Methode von der Landshutischen . Als er das Verhör begann , ritt Herr Peter Pienzenauer mit seinem Gefolge vorbei und lenkte das Pferd hinüber zum Münstertor , um bekümmerten Herzens die Verwüstung zu beschauen , die der Feind im geweihten Gotteshause zurückgelassen hatte . » Du ? « fragte der Profoß den Gefangenen , dem man die Hände hinter dem Rücken gefesselt hatte . » Wer bist du ? « » Ein Esel bin ich . « » Das ist kein Verdienst . Solche Würde teilen sehr viele mit dir . « » Da müßt Ihr Euch ausnehmen , Herr ! Sonst kommt Ihr in einen falschen Verdacht . « » Dem ist leicht widersprochen . Ich laß dich hängen . Da wirst du merken , wie gescheit ich bin . « Der Kreis der Neugierigen , die sich um die beiden herdrängten , begann sich zu erheitern . Malimmes aber sagte ernst : » Ob ich hängen soll , das hängt nicht von Eurer Weisheit ab . Ich hab mich dem Jungherrn Someiner auf Gnad ergeben . Der tut den Spruch über mich . So ist ' s Kriegsbrauch in aller Welt . Ich begehr mein Recht . « Er drehte den Hals . » Und wenn grad einer von euch lieben Knospen die Hand frei hat , so kann er mir das Blut von den Augen wischen . Soll ich schon über die anderen Leut um eine Mannslänge hinauswachsen , so tät ich nit ungern sehen , auf wieviel Gerechte die Sonn noch scheint . « Ein Mitleidiger tauchte seinen Mantelzipf in den unter den Lauben des Stiftshofes plätschernden Brunnen . Als Malimmes , der mit geschlossenen Augen stand , auf seinem Gesicht die Nässe fühlte , begann er das tropfende Wasser zu schlürfen . Und schlürfte mit dem Wasser auch sein Blut . Er lächelte müd . » Guck nur , ich hätt mir nie denken mögen , daß mein Lebensbrünndl so süß ist . « Die Berufung des Gefangenen auf den Jungherrn Someiner gefiel den Neugierigen nicht . Sie wollten ein anziehendes Schauspiel bekommen und begannen den Profoßen ungeduldig zu hetzen . Der bewahrte seine wohlwollende Ruhe und erklärte nach Kriegsrecht : » Der Jungherr Someiner muß gehört werden . « Er schickte einen seiner Gehilfen zum Haus des Amtmanns : » Sag dem Jungherrn , die Sach hätt Eil ! « Und den Umstehenden befahl er : » Jetzt lasset den Mann in Fried , bis sein Spruch getan ist ! « Nach diesem Beweis seiner Milde wollte er davongehen . Da drängte sich ein langer Gadnischer Hofmann mit dunkelbärtigem Narbengesicht und verbundenem Haardach in den Kreis der Spießknechte . Er duftete nach Essig und hatte auch sonst noch einen kräftigen Spittelgeruch . Und nach seinem trunkenen Lachen zu schließen , schien er die Befreiung seiner Heimat schon mächtig begossen zu haben . » Ei , so guck doch , haben sie dich erwuschen ? « brüllte er in seinem Dusel . » Jetzt gib acht , du Strickfester ! Ob der Hänfene wieder reißt ! « Malimmes öffnete die Augen nicht , obwohl er den Marimpfel an der Stimme erkannte . Er atmete tief und sagte : » Alles kommt , wie ' s muß . Bloß ein Bruder kommt anders . « Das verstand Marimpfel nicht völlig . Aber die Ruhe dieses Wortes schien sein feuchtes Gemüt zu reizen . Und während die feine Morgensonne über die Dächer herunterglänzte auf dieses bunte Gedränge , schrie der Hofmann im Zorn seines Rausches : » So ? Tätst dich noch aufspielen als großen Hansen ? Du Lumpenkerl ! Spion , du ! Landesverräter ! Ruck den Grind weg , oder es trifft dich ! « Er spie dem Malimmes ins Gesicht . Der Beschimpfte öffnete die von Blut umronnenen Augen . » Herzbruder ! Wenn ich jetzt sagen möcht : So was tut man nit ? Was tät ' s dir helfen ? Schenk einer Sau des Königs goldenen Kittel ! Sie legt sich halt doch in den Dreck damit . « Wütend wollte Marimpfel auf den Gefesselten losschlagen . Die anderen Spießknechte hielten ihn zurück . Und verständig mahnte der Profoß : » Seid gescheit , ihr Brüder , und verschiebt eure Hausfehden auf des Herrgotts Urtl im Jenseits ! « Das Gedräng der Kriegsknechte spaltete sich in zwei Parteien . Für einige unter diesen Söhnen des blutigen Handwerkes hatten die zwei Silben Bruder noch immer ein menschliches Gewicht , und sie gaben dem Marimpfel unrecht . Die andere Partei , bei der die Gadnischen Hofleute waren , stach die Worte Spion und Landesverräter auf und wurde wißbegierig . Marimpfel salvierte seine Bruderseele durch die kraftvolle Beteuerung : » Fürstentreu geht über alles ! Da gibt ' s keinen Ausweg nimmer . Ich tu ' s nit gern - aber jetzt muß ich reden ! « Und nun rechnete er dem Malimmes ein langes Register schwerer Landesverbrechen ins Gesicht : » Hat Sold genommen von einem hörigen Bauren und hat ihm gedient wider seinen Fürsten ; hat mitgeholfen , daß ein Treubrüchiger das Feuer hat werfen können auf ein Lehensdach des Gadnischen Hofes ; hat den Vogt in den Bach geschmissen und einem flüchtigen Verräter beigestanden ; hat sich mit den Bayrischen verbündet wider das eigene Land ; hat auf dem Untersberg die Mauer überstiegen und ist den Unsrigen in den Rucken gefallen . « Das übelste von den Verbrechen des Malimmes - seine Hallturmer Tücke gegen den eigenen Bruder - konnte Marimpfel gar nicht mehr aufzählen . Denn die Gadnischen Hofleute und die Salzburger Spießknechte begannen wie im Takt eines Rundgesanges zu brüllen :