eine Stunde vorwärts , und wenn jetzt eine Stimme in ihm rief : » Heute noch mußt du diese Stadt verlassen , « so sagte er : » Jawohl , jawohl ! « und ein leises Geflüster , das von Konstantie erzählte , ward nur von seinem Herzen vernommen . Das Herz aber schwieg still , als kümmerte es sich gar nicht um die Entschlüsse seines Herrn , als hätte es gar keinen Einfluß darauf . So läßt die gebietende Hausfrau den zärtlichen Gatten , wenn er im Zorn oder Sturm einhergeht , alles mögliche beschließen , und wenn das Beschlossene geschehen soll , so sagt sie bloß : » Nicht doch ! « und es bleibt beim alten . Valerius kam wieder zum Hause des Bankiers . Das Kontor war jetzt offen ; er traf aber schon einen jungen Mann im eifrigen Gespräch mit dem Herrn . Die Stimme des Mannes , der ihm den Rücken kehrte , klang ihm bekannt , er hatte aber keine Zeit nachzusinnen ; der Bankier trat ihm entgegen und fragte nach seinem Begehr . Valerius stellte ihm seine Verlegenheit vor und fragte , ob er einen Wechsel ausstellen könne für jenes deutsche Handelshaus , dessen Anweisung ihm der Bankier vor einigen Monaten honoriert habe ; der Graf Topf habe ihn an jenes Haus empfohlen , und für das garantiert , was er entnehme , die augenblickliche Verlegenheit ließe ihm aber jetzt keine Zeit , nach Deutschland zu schreiben und einen rückkehrenden Brief abzuwarten . Der Bankier zuckte natürlich die Achseln und erklärte , sich auf dies Geschäft nicht einlassen zu können . Auf dem Wege nach Hause fiel es Valerius zum ersten Male ein , daß es auch eine Pflicht sei , Geld zu erwerben . Die Wichtigkeit des Geldes erschien ihm auf einmal nur zu deutlich . Er mußte sich gestehen , daß es unmöglich in der Ordnung sein könne , vom Vermögen seiner Freunde zu leben . Dazu sei die bürgerliche Gesellschaft nicht konstruiert . Eh ' er nach Grünschloß gekommen war , hatte er in kleinen , wohlfeilen Verhältnissen gelebt , einzelne Geistesarbeiten und der jeweilige Zuschuß seines Freundes Hippolyt hatten für seine Bedürfnisse zugereicht . Später hatte ihn die liebenswürdigste Zuvorkommenheit des Grafen Topf nicht mehr an Geld und Gelderwerbung denken lassen , er hatte sich unterdes an die Bedürfnisse der höheren Klassen gewöhnt , und der Gedanke überraschte ihn bei der argen augenblicklichen Verlegenheit nicht eben angenehm , daß er auf diese Weise durchaus nicht fortleben dürfe . » Der Staat ist einmal auf Erwerb gegründet , « sagte er sich , » und du bist ein unnützes , unproduktives Mitglied . « Es hatte zwar eine Zeit gegeben , wo er in poetischer Ansicht des Lebens solche triviale Staatsforderungen entrüstet abgewiesen hätte , aber ein Augenblick , wo man den Hunger und Mangel vor der Türe sieht , ist der poetischen Ansicht des Staates nicht günstig . Und sein Verlangen nach Selbständigkeit lehnte sich nicht minder auf gegen dies stets abhängige Verhältnis von seinen Freunden . Bei alledem blieb aber doch seine stolzere und höhere Art , das Leben zu betrachten , mächtig , er verschob diese ökonomischen Untersuchungen auf eine andere Zeit , und schritt stolz die Straße entlang , in welcher die Fürstin wohnte - wohin er gehen wollte , wußte er selbst noch nicht . Stanislaus trat eben aus der Tür ; Valerius ging auf ihn zu . Jener konnte nicht füglich mehr ausweichen , und mußte es anhören , wie ihn Valerius mit freundlichen Worten fragte , ob er böse sei , und warum er sich durch den Bedienten habe verleugnen lassen . Aber die Heftigkeit , welche in dem Polen aufloderte , ließ diesen nicht zu Ende kommen , er überschüttete Valerius mit einer Flut beleidigender Worte , wie er sich des dreisten Juden angenommen , sogar , um seine Familie zu frondieren , Arm in Arm mit jenem frechen Burschen an ihm und seinem Vater vorübergegangen sei , wie er den heiligen Kampf des Landes leichtsinnig verlassen , weil Graf Kicki es nicht in der Ordnung gefunden habe , daß dieser Joel eine edle Familie mit seinen Zudringlichkeiten beschimpfe - » Schweigen Sie , Herr , « unterbrach ihn Valerius , » der Sie allerlei schöne humane Redensarten im Munde führen , und wenn ' s zur Sache kommt , die veraltetsten adeligen Unflätereien an den Tag legen . Es ist mir nicht eingefallen , an Sie zu denken und für Sie eine Beleidigung darin zu sehen , wenn ich den unglücklichen Joel gegen Ungebührlichkeiten in Schutz nahm . Er hatte meine Freundschaft in Anspruch genommen , und es war meine Schuldigkeit ihn zu vertreten . Ja , ich würde ihn auch ohne dies vertreten haben , den man wie einen Paria behandelt ; gegen tyrannische Unterdrückung zu kämpfen , war ich nach Warschau gekommen , und es ist nicht mein geringster Schmerz , daß ich sie da finde - genug , Herr , Sie Wortheld der Humanität haben sich eben der beleidigendsten Ausdrücke gegen mich bedient und werden mir Satisfaktion geben . « Diese letzten Worte rissen Stanislaus aus einem Zustande von Beschämung , welche der erste Teil von Valerius ' Rede erzeugt zu haben schien . Die Herausforderung schürte seinen Zorn wieder auf . - » Kommen Sie , Herr , « rief er glühend , und trat ins Haus , rief einen Bedienten , sagte ihm einige Worte ins Ohr , und schritt Valerius voraus durch den Hof in den großen Garten , welcher zu dem Palais gehörte . Ehe sie noch den hinteren Teil erreicht hatten , flog der Bediente schon wieder hinter ihnen her , und brachte seinem Herrn einen Säbel . Ein Wink von diesem , der Bediente entfernte sich , Stanislaus reichte seinem Gegner den Säbel , und zog den seinen , sie warfen die Mäntel ab , und hie Hiebe flogen . Von dem Palais zog sich ein gedeckter Gang an der einen