die Hand vor das Gesicht und sagte : » Ach , ich schäme mich . « Da war er ganz ratlos , und es war ihm , als habe er unrecht gehandelt , daß er sie geküßt , aber sie legte plötzlich ihre Hände um seinen Hals und drückte ihm einen Kuß auf die Lippen , einen frohen und innigen . Dann strich sie ihm das Haar aus dem Gesicht und sagte : » Ich habe noch keinen Menschen lieb gehabt wie dich . « Hierüber wurde er wieder verlegen und lachte . Bald erhoben sie sich und gingen ; zuerst schritten sie ganz ohne Gedanken , dann besannen sie sich , daß sie zur Bahnstation gehen mußten , suchten den Weg auf und gingen dann wieder in der vorigen Weise . Plötzlich fiel es Hans ein , daß er Maria den Arm geben wollte , das tat er aber ganz ungeschickt , und darüber lachte Maria , als wäre das etwas sehr Komisches , und Hans lachte auch . Darauf trieben sie ganz kindische Scherze , liefen eine ganze Weile mit untergefaßtem Arm und lachten wieder , bis Maria die Tränen kamen , das waren zwei runde Perlen , die nicht zerliefen , sondern rund blieben . Über diese freute er sich so , daß er sie küßte . Eine Weile gingen sie dann wieder in Gedanken und still . Da fing Hans plötzlich an , daß er sich besonders darauf freue , wenn sie viele Kinder bekämen . Hierüber wurde sie wieder rot , er aber merkte nichts und fuhr fort in der Ausmalung seines Traumes , wie er dem ältesten Jungen ein Steckenpferd kaufen wollte und dem kleinen Mädchen ein Korallenhalsband , und abends wollten sie mit den Kindern in der dämmrigen Stube sitzen und schöne Lieder singen , und Maria mußte auf dem Klavier begleiten . Auch von der Erziehung sprach er , daß man hauptsächlich fest sein müsse und die Kinder nicht verwöhnen dürfe , denn selbst Härte sei besser wie übermäßige Weichheit . Und allmählich fiel auch Maria ein , und so begannen die beiden fröhlich ihre Luftschlösser zu bauen . Es zeigte sich aber , daß Hans ganz bestimmte Ansichten und Pläne hatte in allen diesen Dingen , über welche sich Maria sehr verwunderte , und wiewohl vieles von diesen Ansichten und Plänen ihren Wünschen nicht entsprach , so empfand sie doch keinen Ärger , wie er so bestimmt war und ganz einfach annahm , daß sie dasselbe wollen müsse wie er , aber sonst war sie immer gleich erbittert gewesen , wenn sie gespürt hatte , jemand wolle , daß sie etwas tue , was ihr nicht einleuchtete . So dachte sie jetzt , er sei wohl etwas tyrannisch , aber sie freute sich heimlich darüber und war gar nicht traurig , hatte auch gar keine Lust , daß sie sich ihre andre Meinung klar machte , sondern dachte nur bei sich : ach , es wird schon schön und recht sein , wie er es meint , und er meinte doch viel Törichtes . Plötzlich aber bemerkte sie , daß sie selbst sich vorstelle , wie sie ihre Kinder kleiden wollte , und indem sie gar nicht daran dachte , daß die zuerst ganz klein waren , malte sie sich einen recht schönen Matrosenanzug aus für den Jungen und stellte sich einen Florentiner Strohhut vor für das Mädchen . So gingen sie auf dem schmalen Weg durch den Wald . Und durch den Wald zog der Atem des Frühlings , herb und streng , die Kiefern reckten sich und hielten sich in Bereitschaft , ihre Kerzen aufzustecken , ein Kreuzschnabel saß auf einem Zweige und sah ruhig das Paar an ; das ist ein Vogel , der auf Gott vertraut , denn er baut sein Nest mitten im Schnee , wenn die andern Tiere allen Glauben verloren haben , und im Frühjahr sind seine Jungen schon fast erzogen . Das Stationsgebäude war ein Haus wie alle diese Häuser , und Menschen warteten da , die sahen gleichgültig und mürrisch aus , wie sie immer aussehen . Aber der beiden Glück machte das dürftige Haus schimmernd und den glänzenden Schienenstrang glückverheißend , der sich gerade hinauszog , weit fort , wer weiß wohin , und alle Menschen , die da warteten und an den Zug dachten und an ihre kleinen Sorgen und Geschäfte , wurden froh und glücklich . Die beiden aber dachten , daß das Leben leicht ist , und wunderten sich , daß sie nicht schon längst das gewußt hatten . Und am merkwürdigsten war , daß alle Menschen ihnen mit Liebe , Freundlichkeit und Schonung zu nahen schienen , und es zeigte sich , daß alle Menschen gut sind . Für den nächsten Tag hatten sie verabredet , daß sie sich im Tiergarten treffen wollten ; denn sie mußten einander viel sagen , und vorher wollten sie manches bedenken , weil es doch überraschend gekommen war , wie sie sich gefunden hatten . Hans war zuerst an der Stelle , dann kam Maria , die hatte ein ernstes und ermüdetes Gesicht und begrüßte ihn liebevoll , aber mit sonderbarer Zurückhaltung , und gab ihm einen Brief in die Hand und sprach , während er lese , wolle sie sich auf eine Bank setzen . In dem sehr langen Briefe stand geschrieben , daß sie viel mit sich gekämpft , aber sie sei nun zu dem Entschluß gekommen , daß sie einander nicht angehören dürften ; denn gestern habe sie sich durch ihre Gefühle , die sie nicht leugnen wolle , zu einer Übereilung hinreißen lassen ; ihr Grund aber sei , daß sie sich zu selbständig fühle , um glauben zu können , daß sie eine gute Gattin sein werde . Dann erzählte sie , wie sie ihre Jugendzeit zu Hause verbracht habe in den großen Sälen , und habe keinen Menschen gekannt , denn mit den Offizieren und Gutsbesitzern , die in ihrem Elternhause verkehrt , habe sie