Sonntagsarbeit und betrat mit dem Alten die Wohnstube . Der Hirt verstand es , das Gespräch gar bald auf geistliches Gebiet hinüberzuleiten . Das Elend , in dem sich der ehemalige Gutsbesitzer jetzt befand , gab dem Seelsorger Anlaß , auf die Nichtigkeit alles Irdischen hinzuweisen und den Sinn auf die ewigen Güter zu richten . Der Geistliche erinnerte den Bauern auch an sein Alter , und daß er vielleicht bald vor einem Höheren werde Rechnung ablegen müssen . Er fand bewegliche Worte , der Herr Pastor . - Der alte Mann sagte nicht ja und nicht nein dazu . Mit verdrossener Miene saß er in seiner Ecke . Er schien das seelsorgerische Bemühen des Pfarrers als eine Belästigung zu empfinden , in die man sich wohl oder übel schicken mußte . Seine Religiosität war niemals über eine äußerliche Kirchlichkeit hinausgekommen . Nun er nicht mehr zur Kirche ging , kam das Heidentum zum Vorschein , das tief der Natur des deutschen Bauern steckt . Was kümmerten ihn die überirdischen Dinge ; von denen wußte man nichts ! Der Boden , auf dem er stand , die Pflanzen , die er hervorbrachte , die Tiere , die er nährte , der Himmel über ihm mit seinen Gestirnen , Wolken und Winden , das waren seine Götter . Jene anderen , morgenländischen , hatten doch etwas mehr oder weniger Fremdartiges für ihn . Als der Geistliche schließlich von dem Bauern wegging , wußte er nicht , ob er Eindruck auf das Gemüt des Mannes gemacht habe oder nicht . Einer anderen Persönlichkeit , die sich dem Alten nähern wollte , um ihn in seiner Verlassenheit zu trösten , ging es nicht viel besser . Frau Katschner erschien eines Tages auf dem Büttnerschen Hofe , ging ins Haus und guckte in alle Zimmer . Da sie niemanden antraf , tat sie sich ein Gütchen im Durchschnüffeln der verwaisten Räumlichkeiten . Dann begab sie sich hinaus aufs Feld , wo sie den Bauern alsbald beim Kleehauen traf . Er schien völlig vertieft in seine Arbeit . Ehe sie an ihn herantrat , betrachtete sie ihn sich eine Weile voll Mitgefühl , das nicht frei war von selbstischem Behagen . - Der Ärmste man sah ihm den Witwer recht an . In seinen Beinkleidern war ein Loch , das man auf zwanzig Schritt leuchten sah . Er war gewiß recht unglücklich ! Keine sorgende Pflege ! Nun erfuhr er , was es hieß : ledig sein . - Die Witwe räusperte sich und suchte in ihr » Guntagoch , Büttnerbauer ! « so viel Freundlichkeit und Teilnahmegefühl zu legen , wie nur möglich . Kein Gegengrüß kam , er sah nicht einmal auf von seiner Arbeit . Aber die Witwe Katschner war nicht so leicht abzuschrecken - sie war sich ja ihres guten Zweckes bewußt - daher tat sie , als bemerke sie seine abweisende Haltung gar nicht . Sie begann damit , zu berichten , daß sie kürzlich einen Brief von Paulinen bekommen habe . Der Alte handhabte die Sense in gleichmäßig abgerundetem Schwünge , als gäbe es auf der Welt nichts als den Klee und ihn . Die Witwe , die sich zu diesem Gange eine gute Schürze vorgebunden und ein neues Kopftuch angelegt hatte , sah ihm zu . Das mußte man sagen , er war immer noch ein kräftiger Mann trotz seiner Sechzig , aber fürchterlich anzusehen mit seinem langen Haar und den zollangen Stoppeln um den Mund . Ganz abgemagert war er und hohläugig . Er härmte sich gewiß , sehnte sich nach einer mitleidigen Seele . Wahrscheinlich hatte er nichts Ordentliches zu essen und keine Abwartung . Wahrlich , hier war es die höchste Zeit , daß eine Frau eingriff ! - Sie entfaltete den Brief und fragte , ob er nichts von seinen Kindern in der Fremde wissen wolle . Darauf hielt der Bauer im Hauen inne . Frau Katschner entnahm daraus die Erlaubnis , vorzulesen . Der Brief enthielt Nachrichten über das Ergehen der Sachsengänger . Am Schlusse schrieb Pauline , daß sie im Herbst alle nach Halbenau zurückkehren wollten . Die Witwe faltete den Brief sorgfältig zusammen und steckte ihn ein . Dann seufzte sie und wischte sich die Augen mit einem Zipfel ihrer blau und weiß gedruckten Schürze . » Zu ju ! « sagte sie , » ' s is och gutt su ! Wenn se ack bale zuricke kimma wellten ! ' s is ne schiene uf der Welt so alleene - nee ' s is och ne schiene ! « Hier ließ sie eine Pause eintreten , wohl für jenen zum Überlegen des Gehörten . Dann mit besonderem Blicke auf den Mann : » Ich ha ' schon manch a lieb ' s Mal bei mer gedacht , der Büttnerpauer muß es duch firchterlich eensam han , ha ' ch gedacht . Den muß duch ordentlich bange sen , ha ' ch gedacht ! - So alleene , wie der is uf der Welt . - Is ne a su , Pauer ? « Statt der Antwort nahm der Alle die Sense wieder auf und fuhr fort , Klee zu hauen , als sei niemand da . Frau Katschner mußte endlich abziehen . Sie war ziemlich kleinlaut und im Innersten gekränkt , daß ihre gute Absicht , den Einsamen zu trösten , auf so undankbaren Boden gefallen war . * * * Inzwischen neigte sich der Sommer seinem Ende zu . Die Ernte war eine ungewöhnlich reiche gewesen . Der Roggen hatte volle Ähren mit vielen und schweren Körnern getragen , das Stroh war lang und reichlich , auch Hafer und Kartoffeln versprachen guten Ertrag . Bittere Gefühle waren es , mit denen der alte Mann in diesem Jahre den Erntesegen betrachtete . Wo er bestellt und gesäet hatte , ernteten andere . Täglich fuhren jetzt die Wagen der kleinen Leute , die sich ein paar Morgen vom Büttnerschen Gute erstanden hatten , durch den Bauernhof . Für die vielen Parzellen