den Bauern sah , der draußen vor dem Fenster vorüberschritt . Es war der Bruckner , der von einer Holzarbeit kam , denn er trug die Axt über der Schulter . Und als hätte er gefühlt , daß unter dem Dach des Jägerhauses zwei brennende Augen auf ihn gerichtet waren , streifte er mit scheuem Blick die Fenster und beschleunigte den Schritt . Als ihm das Haus hinter den dichten Büschen des Weges verschwand , atmete er auf . Die Lippe zerbeißend , ging er an den Höfen und Menschen vorüber . Zu Hause angelangt , warf er die Axt in einen Winkel des Flurs und wollte in die Stube treten , aus der die Stimmen seiner spielenden Kinder klangen . Da rief es in der Küche : » Lenzi ! « Er furchte die Stirn , und langsam trat er unter die Tür . Mit einer dampfenden Pfanne stand Mali vor dem Herd , dessen Flackerfeuer ihr abgehärmtes Gesicht mit grellem Schein übergoß . » Was willst ? « Mali stellte die Pfanne über den Dreifuß und drückte hinter dem Bruder die Tür zu . » Seit unser Stadtherr fort is , treibt ' s dich jeden Abend ins Wirtshaus ummi . Da mußt doch lang schon ebbes ghört haben davon , was d ' Leut übern Franzl reden ? « Bruckner schwieg . » Da hättst mir schon aus Fürsicht a Wörtl sagen sollen ! Jetzt hab ich ' s von der Nachbarin hören müssen . Dagstanden bin ich , daß mich dös Weib nur allweil so angschaut hat . Was ich hören hab müssen , is mehr , als ich verbeißen kann . Wann keiner net eintritt für den unschuldigen Menschen , so weiß vielleicht ich den richtigen Weg . « » Aber Mali ! « stammelte der Bauer . » Bist denn verruckt ? « » Meinst vielleicht , ich kann mir net denken , wer dös gottvergessene Gred in Umlauf bringt ? Und wer beim Grafen allweil ghetzt hat , bis er im Zorn nimmer gwußt hat , was er tut ? Natürlich ! Ich kann ' s begreifen , daß der ander kein ruhigs Stündl nimmer gfunden hat , bis der Franzl net draußen war . Viel Gwissen hat er net , der ander ! Aber a bißl ebbes muß sich doch rühren in ihm . Da kann ich mir denken , was er für Zeiten ghabt hat die ganzen Jahr her : Tag für Tag mit ' m Franzl bei der Schüssel sitzen müssen , neben ihm liegen in jeder Nacht , allweil dös Gsicht vor Augen haben , dös er am liebsten vergessen möcht ! « Mali verstummte und sah den Bruder an , der mit schlaff hängenden Armen an der Mauer lehnte und ins Feuer starrte . Schwer atmend wandte das Mädel sich ab . » Den andern hab ich gmeint . Und dich hab ich troffen . Ich sieh ' s ja ein : Mein Glück muß an End haben , noch eh ' s an Anfang ghabt hat . Was liegt an mir ! Aber er , Lenzi ! Den unschuldigen Menschen därf man doch net z ' Grund gehen lassen unterm Schipper seine Händ ! Dös mußt dir doch selber sagen : daß da was gschehen muß ! Unser Herrgott wird wohl so viel Verstand haben , daß er mir an Rat schickt ! « Sie fuhr sich mit den Fäusten über die Augen , trat zum Herd und faßte den Stiel der Pfanne , aus der mit dickem Dampf ein verdächtiger Brandgeruch herausquoll . » Jetzt geh in d ' Stuben eini zu die Kinder ! Ich bring dir ' s Essen . « Langsam richtete der Bauer sich auf und sagte mit erloschener Stimme : » Mir is der Appetit vergangen . « Er griff nach der Türklinke . » Wann dir ebbes einfalt , was dem Franzl helfen kann - ich leg dir kein Hindernis in Weg . Soll ' s ausfallen , wie ' s mag ! Mehr als z ' Grund gehn kann ich net . Hätt ich gschwiegen und alles laufen lassen ! Es wär besser gewesen . Dir hab ich ' s Leben verpatzt , und in mir is , seit ich gredt hab , der Teufel wieder lebendig , der mein guts Weib selig durch soviel Jahr fest anbunden hat mit eiserne Strick ! Ich spür ' s , jetzt frißt er mich auf mit Haut und Haar ! « Schweren Schrittes ging Bruckner aus der Küche ; vor der Stubentür strich er mit dem Ärmel über das Gesicht , als möchte er von seiner Stirn löschen , was die Augen seiner Kinde nicht sehen sollten . Als er eintrat , sprangen ihm sein Bub und sein kleines Mädel jubelnd entgegen , während das Netterl , das im Schlitzhemdl auf der Erde saß , lallend die Ärmchen nach ihm streckte . 4 An jedem Morgen in diesen vergangenen Tagen hatte Willy den Vater an das in einer schwachen Minute gegebene Versprechen erinnert : an den » Besuch bei unserer kleinen Schmalgeiß « . Graf Egge verschob den Abstieg nach Hubertus von einem Morgen zum Abend , von jedem Abend zum andern Morgen . Immer wieder hielt ihn ein Gemsbock fest , den Schipper mit dem Tubus ausfindig machte , oder ein starker Hirsch , dessen Wechsel bestätigt wurde . Und Graf Egge zeigte sich um so hartnäckiger in seiner Ausdauer , je weniger ihm in diesen Tagen die Gunst des grünen Heiligen lächeln wollte . Jedes Treiben mißlang , jeder Pirschgang mißglückte . Schipper hatte dabei einen bösen Stand . Doch je übler Graf Egge mit ihm umsprang , desto aufmerksamer bediente er seinen Herrn , schmierte ihm die Bergschuhe tadelloser als je , behandelte seine Gewehre wie ein Goldarbeiter den Filigranschmuck und lief sich die Füße krumm in dem Bestreben , das gewandelte Jagdglück seines Herrn wieder auf bessere Wege zu bringen . Dennoch wollte Graf Egges Laune nicht