Eins , zwei , drei - Sturm geblasen - Attake getrommelt - - jetzt kann ' s losgehen - freßt euch auf ! - Und haben sich zehntausend , oder je nach dem gesteigerten Heeresstand , hunderttausend Kunsttiger unter gegenseitigem Kampfeswonne-Geheul bei Xdorf aufgefressen , so gibt das die » historisch « zu werden bestimmte Xdorfer Schlacht ; die Händeklatscher versammeln sich alsdann um einen grünen Kongreßtisch in Xstadt , regeln auf der Karte verschobene Grenzmarken , feilschen über Kontributionsbeträge , unterschreiben ein Papier , welches in die Geschichtsjahrbücher als der Xstädter Frieden eingetragen wird ; klatschen abermals dreimal in die Hände und sagen den übriggebliebenen Rot- und Blaujacken : Umarmt euch , Menschenbrüder ! In der Umgebung waren überall Preußen einquartiert , und jetzt sollte auch Grumitz an die Reihe kommen . Obgleich der Waffenstillstand schon in Kraft und der Friede beinahe gesichert war , so hegte die Bevölkerung noch allgemein Angst und Mißtrauen . Die Idee , daß die Pickelhauben-Tiger sie zerreißen würden , wenn sie könnten , war den Leuten nicht so leicht wegzunehmen ; die drei Handschläge von Nikolsburg hatten die Wirkung der drei Handschläge der Kriegserklärung noch nicht aufzuheben vermocht , und nicht ausgereicht , um dem Landvolk in den » Preußen « wieder Menschenbrüder sehen zu machen . Der bloße Namen des gegnerischen Volkes bekommt zu Kriegszeiten eine ganze Schar von hassenswerten Nebenbedeutungen - es ist nicht mehr der Gattungsnamen einer augenblicklich bekriegten Nation , es wird synonym mit » Feind « und faßt allen Abscheu in sich , den dieses Wort ausdrückt . So geschah es , daß die Leute in der Gegend zitterten , wie vor einbrechenden Wölfen , wenn ein preußischer Quartiermeister daher kam , um Unterkunft für einen Truppenteil zu schaffen . Bei Manchen äußerte sich neben der Furcht auch der Haß , und diese wähnten , eine patriotische Pflicht zu erfüllen , wenn sie einem Preußen ' was zu leide thaten - wenn sie aus einem Versteck heraus dem » Feind « eine Flintenkugel sandten . Es war dies öfters vorgekommen , und wenn man den Schuldigen faßte , wurde er ohne viel Umstände hingerichtet . Diese Beispiele bewirkten , daß die Leute ihren Haß verbissen und die einquartierten Soldaten ohne Widerstand aufnahmen . Dann gewahrten sie zu ihrem nicht geringen Erstaunen , daß der » Feind « eigentlich aus lauter gutmütigen , freundlichen und ehrlich zahlenden Mitmenschen bestand . Eines Morgens - es war in den ersten Tagen des August - saß ich im Erker des Bibliothekzimmers und schaute durch die offenen Fenster hinaus . Von hier hatte man einen weiten Fernblick über die Gegend . Mir war ' s , als sähe ich von weitem einen Reitertrupp , der sich auf der Landstraße nach unserer Richtung bewegte . » Preußische Einquartierung « , war mein erster Gedanke . Ich setzte ein im Erker stehendes Fernrohr zurecht und schaute nach dem betreffenden Punkt . Richtig : eine Gruppe von ungefähr zehn Reitern mit wehenden schwarz-weißen Fähnlein an den Lanzenspitzen . Darunter ein Fußgeher - im Jagdanzug . Warum ging der so zwischen den Pferden ? ... Ein Gefangener ? ... Das Glas war nicht scharf genug - ich konnte nicht erkennen , ob der vermeintliche Gefangene nicht etwa einer unserer Forstbeamten war . Doch es hieß , die Schloßbewohner von dem kommenden Verhängnis in Kenntnis setzen . Ich verließ eilig das Bibliothekzimmer , um meinen Vater und Tante Marie aufzusuchen . Ich fand sie beide im Salon : » Die Preußen kommen , die Preußen kommen ! « meldete ich atemlos . Man ist immer froh , eine wichtige Nachricht als Erster mitteilen zu können . » Hol ' sie der Teufel , « war meines Vaters wenig gastliche Äußerung , während Tante Marie das Richtige traf , indem sie sagte : » Ich will sogleich der Frau Walter Befehle zu den nötigen Vorbereitungen geben . « » Und wo ist Otto ? « fragte ich . » Den muß man benachrichtigen und ihn warnen , daß er nicht etwa seinen Preußenhaß leuchten lasse ... daß er mit den Gästen nicht unhöflich sei . « » Otto ist nicht zu Hause , « antwortete mein Vater , » er ist heute früh auf Rebhühner ausgegangen . Du hättest ihn sehen sollen , wie schmuck ihm der Jagdanzug steht ... das wird ein prächtiger Bursch ' - an dem hab ' ich meine Freude . « Indessen wurde es im Hause laut ; man hörte hastige Schritte und aufgeregte Stimmen . » Sie kommen schon , die Windbeutel ! « seufzte mein Vater . Die Thür wurde aufgerissen und Franz , der Kammerdiener , stürzte herein : » Die Preußen , die Preußen ! « rief er in dem Tone , wie man » Feuer , Feuer ! « ruft . » Die werden uns nicht fressen , « bemerkte mein Vater mürrisch . » Aber sie bringen einen mit , « fuhr der Mann mit zitternder Stimme fort , » einen Grumitzer - ich weiß nicht wer - der auf sie geschossen hat - und wer soll auf solches Pack nicht gern schießen ? ... aber der ist verloren . « - Jetzt vernahm man den Laut von Pferdegetrampel mit Stimmengewirr vermengt . Wir traten auf den Flur und schauten durch die nach dem Hof gehenden Fenster . Soeben kamen die Ulanen hereingeritten und in ihrer Mitte - mit trotzigem , bleichem Gesicht - Otto , mein Bruder . Der Vater stieß einen Schrei aus und eilte die Treppe hinab . Mir stand das Herz still . Was da bevorstand , war entsetzlich . Wenn Otto wirklich auf die preußischen Soldaten geschossen hatte - und das sah ihm sehr ähnlich - ... ich vermochte den Fall gar nicht auszudenken ... Dem Vater nachzugehen , fehlte mir der Mut . Trost und Beistand in allen Kümmernissen suchte ich stets nur bei Friedrich . Also raffte ich mich auf , um mich in Friedrichs Zimmer zu begeben . Ehe ich