weiter , bis die Flut sich etwa kräuselte , durch Martins pflichteifrigen Geist bewegt . Es dauerte nicht lang , so wollte er nicht mehr zusehen , wie Arnold außer dem Geschäfte nur seinen Studien und dem gesellschaftlichen Verkehr mit einigen Jugendgenossen lebte ; er drang in ihn , sich doch allgemach den öffentlichen Dingen zuzuwenden , wozu er ja die beste Gelegenheit habe , wenn er mit dem Vater die politischen Vereine , Wahlversammlungen und zuweilen auch einen der zahlreichen Vorträge zur Erklärung eines Gesetzes oder anderer Volksbeschlüsse und obschwebenden allgemeinen Fragen besuche . Da werde er bald lernen , die erworbenen Kenntnisse anzuwenden , die Urteilskraft geltend zu machen und ein Mitwirkender zu werden . Und das sei notwendig , denn ohne erweckte Jünglinge und junge Männer fehle es den weisesten Alten am halben Leben . Allein Arnold lehnte des Vaters Andringen bescheiden , aber beharrlich ab . Er habe sich vorgenommen , so erklärte er , sich auf die Erfüllung aller Bürgerpflichten zu beschränken , wozu , nebenbei gesagt , auch gehöre , niemals an einer Wahl teilzunehmen , wenn man weder den Vorgeschlagenen noch die Vorschlagenden kenne . Das sogenannte Mitwirken wolle er an sich kommen lassen , wenn es einst sein müsse , bis dahin aber das faktische Geschehen beobachten und die Früchte desselben betrachten ; an ihnen werde er auch die Personen erkennen , die sie hervorbringen , besser als aus ihren Reden , und die Parteien hinwieder an diesen Personen , sowie an den Zeitungsartikeln , die sie schreiben . Die hergebrachten Einflüsse möge er nicht auf sich wirken lassen und gehe deshalb auch nicht hin , wo sie ausgewechselt werden ; nur so fühle er sich frei und einst imstande , jedem zu sagen , was er für wahr halte . Manche junge Leute dächten jetzt so . Der Vater bestand nicht länger auf seinem Ansinnen ; aber er fühlte sich verletzt , wenn das nun der ganze Einfluß war , den er auf den eigenen Sohn haben sollte , er , der so uneigennützig es sich sauer werden ließ , dem Lande zu dienen . Er kam daher wieder auf den Gedanken zurück , der Sohn sei auf den Schulen ein Doktrinär geworden , in welchem vielleicht der Reaktionär nur schlummere . Ein schmerzliches Mißtrauen fing an sein Gemüt zu belästigen . Das wandte sich zwar wieder zum Bessern , als Arnold eines Tages sich erbat , einige Freunde im Haufe bewirten zu dürfen , da er etwas derart schuldig sei . Es handelte sich um acht junge Leute , von denen ein Teil unbemittelt , wo nicht arm , ein anderer Teil aber Söhne reicher Familien waren . Arnold wünschte zugleich , daß der Vater seine Gegenwart schenke , und dieser schlug mit dem raschen Gedanken ein , bei diesem Anlasse des Sohnes Umgang und Gesinnung gründlicher zu erfahren . Die Mutter machte dem Sohne gern die Freude , erklärte aber , man müsse einen Koch mit Aufwärter kommen lassen , die alte Magdalene sei außerstande , die Sache zu bewältigen , und sie selbst wisse nicht , was jetzt üblich sei und könne auch nicht mehr in der Küche stehen . Die Töchter dürfe man nicht vorspannen . Arnold verwahrte sich gegen die Maßregel . Er wolle nicht Aufwand und Üppigkeit ins Haus bringen , das sei ihm nicht eingefallen ! Seine Freunde seien alle verständige und fröhliche Gesellen , und wenn die alte Magdalene ein paar solide Stücke zubereite , was sie ja schon lang könne , und die Speisen etwas drollig daherbringe , so werde alles aufs beste ablaufen . Einen weiblichen Adjutanten in der Küche möge sie immerhin beiziehen . Es gab hierüber einen kleinen Zank , bis er die Oberhand behielt , aber nur scheinbar . Als er am bestimmten Abend eine Stunde früher nach Hause kam , stand ein schneeweißer Koch am Herde und im Speisezimmer ein befrackter Aufwärter , der sich mit einer Menge von Tellern und Gläsern zu schaffen machte und ohne Zweifel die Servietten gefaltet hatte , welche auf dem bereits gedeckten Tisch in Gestalt von Kaninchen und Hühnern die Teller zierten . Frau Marie sagte , es wäre nicht anders gegangen ; sie habe nicht mit einem mißlungenen Wesen die Familie erst recht als eine Emporkömmlingsware ins Gerede bringen können ! Die Gäste stellten sich pünktlich ein , fast alle auf einmal , so daß Vater Salander bequemlich als der letzte erscheinen konnte , ohne zu lange warten zu müssen . Sogleich fand er sich angenehm berührt durch das gute Aussehen und das anständig offene Benehmen der Gesellschaft . Bei Tisch vollends wunderte er sich insgeheim über den unbefangenen guten Ton , die Abwesenheit aller schlechten Sprechmanier verhockter Kreise mit ihren Trivialwitzen und Zweideutigkeiten . Um besser zu hören , sprach er selbst nicht viel und hütete sich besonders , von Politik anzufangen , in der Absicht , daß die Freunde Arnolds und mit ihnen er selbst um so rückhaltloser darauf verfallen sollten . Er sorgte auch genügend für Erneuerung der Getränke , welche die Zungen lösen . Die jungen Herren wurden nur fröhlicher , alles in geziemenden Grenzen , ohne einiger Vorsicht zu bedürfen . Die Unterhaltung belebte sich , und da die Teilnehmer ziemlich gleichmäßig gebildet , wohlunterrichtet und auch lebendigen Geistes waren , so tauchten politische Gegenstände nicht minder als andere hervor ; allein nicht ein unfreisinniges Wort , nicht ein Wort , welches auf Mißachtung des Volkes hätte schließen lassen , war zu hören , kaum etwa ein ungezwungen derber Ausdruck über diesen oder jenen gemeinen Sykophanten , der eben in der Presse oder in den Räten spukte ; dann hieß es höchstens : Was wollt ihr ? Dem Kerl ist sein Weg vorgezeichnet , er muß ihn laufen und wird seinem Lohn nicht entgehen ! Indem Martin sich noch über den erfahrungsmäßigen Ton wunderte , welcher dieser Jugend schon geläufig schien , war der Gegenstand schon aus dem Gespräch verschwunden . Die haben , dachte