gar nicht mehr zu den Lebendigen gerechnet , und der alten Jane allein hatten sie es zu danken , wenn das noch des Dankes wert war , daß sie nicht ganz in ihrem Winkel verstaubten , mit Spinnweb überzogen wurden und zuletzt das Los des Spinnwebs in jeder Hinsicht teilten . Wer hätte nach dem Tode der Frau Adelheid und jetzt , wo der Junker von Lauen in Wien auf der Hohen Schule des niedrigsten Lebens sich befand , noch großen Anteil an ihnen nehmen sollen ? Der Freund Fröschler , den wir selber kaum kennen ? Das Pastorenhaus ? Der Pastorenfranz ? Ach , es war schon etwas für die beiden Greise , auf einer heißen grünen Gartenbank zu sitzen und ein dumpfes Gefühl des Dankes für die Treue und Teilnahme der Hundstagssonne zu haben ! Was konnten die Menschen den beiden Alten noch bieten , was besser gewesen wäre als die Sonne um die Mittagsstunden ? ! Die Warwölfin war die einzige , welche einiges an den Fingern aufzählen konnte . » Jane « , hatte die gnädige Frau am Tage vor ihrem Tode zu der neben ihr sitzenden Freundin gesagt , » Jane , eines will ich dir sagen und verbitte mir jede Widerrede . Von jetzt an hört das dumme Herumlaufen in der Welt auf ; du machst mir kein einfältig Gesicht hin , sondern du nimmst Vernunft an und setzest dich fest auf dem Hofe . Du kriegst alle deine Bequemlichkeit , wie man das schriftlich finden wird , und dazu vermache ich dir den Ritter und das gnädige Frölen - hörst du , den Ritter und das Frölen ! Denn das ist jetzo meine einzigste Sorge , was die wohl anfangen sollen ohne mich ! Du gibst dich also drein , Jane , und stellst deinen Stock in den Winkel . Merken läßt du dir nichts , aber das sage ich dir , du läßt sie mir nicht aus den Augen , und was das gnädige Frölen anbetrifft , so verlasse ich mich auf dein gutes Herz in betreff von seinen Humoren und Anzüglichkeiten ! Du läßt sie mir nicht aus dem Sinn beide nicht - und hör , was den Ritter anbetrifft und wenn ihr so zusammensitzt in einer guten Stunde und ihr redet von mir und den Tagen , die wir zusammen gelebt haben , so macht euch nicht gegenseitig das Herz schwer , sondern haltet euch vergnügt und hell , ich bin es auch gewesen ; und das überlaß ich dir ganz , wie du jedesmal von neuem es bringst an den Chevalier , daß er eine so große Ehre und Freude und solch ein Trost für mich gewesen sei mein ganzes Leben lang ! « » Verlasse Sie sich drauf , Fraue « , hatte Jane Warwolf geantwortet . » Ich nehme Ihr Vermächtnis an , Fraue , und will mich danach halten , wie ich es verstehe und wie ich Sie verstehe . Auf dem Hofe bleib ich . « Und so war es geschehen ! Die Vagabundin hatte ihren Wanderstab für alle Zeit auf dem Lauenhofe abgestellt und ihr Amt als Wartefrau leise , unbemerkt und unendlich feinfühlig angetreten . Und wie sich die Frau Adelheid das Verhältnis der wunderlichen drei vorgestellt haben mochte - wenn sie dieselben im Verlauf der Tage hätte beobachten können , so würde sie sicherlich mit ihrer heitersten Miene gesagt haben : » Nun , die Sache macht sich ! « Es war ein eigentümliches , halb komisches , halb rührendes Schauspiel , die greise , hexenhafte , helläugige Führerin mit ihren beiden Schutzbefohlenen durch Hof und Dorf , durch Haus und Garten ziehen oder sie mit ihnen zusammenhockend zu sehen , und eigentümlich war die sehr verschiedene Art und Weise , in der sich die beiden alten Herrschaften in die Pflegerin fanden . Der Chevalier behielt , trotzdem er viel schwächer , gebrochner und hinfälliger erschien als die ausgewetterte , tapfere und scharfe Führerin , sein volles Übergewicht über sie ; aber das Fräulein von Saint-Trouin war wie ein verzogenes , unzufriedenes , weinerliches Kind und machte der wackern Jane in der Tat das Dasein oft recht schwer . Je älter die Enkelin Jehans von Brienne wurde , und sie wurde allmählich sehr alt , desto deutlicher , und für die Umgebung unbequemer , redeten ihre hohen Ahnen und alle ihre Jugendgefühle auf sie ein , und sie weinte und wimmerte , nachdem sie kurz vorher sehr vornehm , schroff und anzüglich gewesen war , und wünschte tot zu sein und fürchtete sich sehr vor dem Sterben und war fortwährend mehr als je , was sie vor drei Lustren war : Très noble et très puissante Dame Comtesse de Pardiac , Dame Haute-Justicière du Comté de Valcroissant , née Chevalière de Malte par privilège accordé par le Pape Honorius III à la très illustre famille de Jehan de Brienne , premier Prince de Tyr et ensuite Empereur de Constantinople , etc. etc. Der Ritter von Glaubigern war seit dem Tode der Frau Adelheid von Lauen eigentlich weiter nichts mehr als ein guter , alter Mann . Wir wissen , wie sein Reichtum immer den Kreis seines Daseins ausfüllte , aber seit man ihm das Pflegekind nahm , war dieser Kreis von Tag zu Tage enger geworden , und mit dem Tode der braven Freundin und Beschützerin schien auch sein Leben abgeschlossen zu sein . Daß dieses jedoch nur so schien , das merkte seine Umgebung jedesmal aufs deutlichste , wenn ein Brief aus Wien anlangte ; und wie noch einmal , aber freilich zum letzten Male , der gute Ritter , der alte Kriegsmann und Held , der grolle Chevalier Karl Eustach von Glaubigern aus dem Schlummer erwachen und in voller Rüstung in den Kampf hinausreiten sollte , das werden wir bald erfahren . - Der Junker Hennig von Lauen hatte seit jenem ersten Schreiben gleich nach seiner Ankunft in der österreichischen Hauptstadt , welches wir in seiner vollen Länge mitteilten ,