Trotzkopf es der Wirtin , die ihn einmal ernstlich an seine Gatten- und Vaterpflicht erinnern wollte , ganz offen , wie eine schon ausgemachte Wahrheit , daß es für ihn da gar keine Pflichten gäbe . Die , welche nun einmal zu ihm gehörten , hätten ja noch immer mehr als genug daheim , um recht anständig leben zu können . Er gönne dem Weib die Freude , ihn die meiste Zeit gar nicht zu sehen ; dafür nun müsse sie ihm , wohl oder übel , eine Kurzweil im Wirtshaus erlauben . Seine Schulden würden gewiß in der Ordnung bezahlt , und sonst brauche doch ein Mann in seiner Lage sich nicht um alle die altmodischen Hausmannsregeln zu kümmern und könne seines Besitzes auf seine Weise sich freuen , wenn er nur frei von der Dummheit sei , sich dabei noch viel um so hohle Worte wie Ehr ' und guten Namen zu kümmern . So sagte der Andreas und machte dabei ein paar Augen , daß wohl mancher Mann am Platze der Wirtin sich vor seiner schon oft erprobten Faust gefürchtet und von Glück gesagt hätte , wenn gleich alles wieder aus gewesen wäre . Die Wirtin aber war durchaus nicht von der Art. Sie kümmerte sich auch nicht viel um die Kundschaft eines Mannes , der sich mit solchen Grundsätzen großtat . Andreas mußte nun eine lange , sehr gesalzene Predigt hören , und so schnell kam Schlag auf Schlag und traf so richtig , daß ihm nicht einmal mehr einfiel , er könnte ja gehen und dadurch sich aus der wachsenden Verlegenheit retten , ja , da die Wirtin ihm lebendig ausmalte , wie gut er es daheim hätte , wenn ein ordentliches Leben wieder den Segen Gottes auf sein Haus zöge , wie er aber statt dessen sich Weib und Kind entfremde , daß sie seiner sich schämen müßten , da wurde der Mann ordentlich weich und ließ die Wirtin nicht weiter ausführen , warum auch die ärmste Bettlerin mit Angelika noch lange nicht tauschen würde . » Sie liebt mich nicht mehr und glaubt mir nicht , das treibt mich aus dem Hause zu anderer Kurzweil . Es wird nie mehr besser , und drum kann ich auch nichts verderben , wenn ich mich auch räche , daß sie durch ihren finsteren Ernst mein Lebensglück zerstörte « , rief Andreas trotzig , aber doch etwas weich . Der Wirtin gefiel diese Antwort durchaus nicht , und sie verließ gleich die Stube . Dorothee dagegen , die neben der Stubentür am runden Haustische mit der großen Schiefertafel stand und des Pfarrers messingenen Bierkrugdeckel wieder glänzend fegte , glaubte aus dieser Rede des Andreas etwas wie eine Klage herausgehört zu haben . Nun erschien ihr selbst dieser Mann in viel günstigerem Lichte , als ihn sonst die öffentliche Meinung sehen ließ . Angelika war wirklich nicht mehr wie früher . Das Finstere , Abstoßende ihres Wesens hatte Dorothee schon an jenem Abende vor der ungültigen Beichte auf ihrem Spaziergang empfunden . Und beim Andreas kam dazu noch , daß sie mit besonderer Vorliebe von Stighansen zu erzählen schien . Jos hatte so ängstlich gefragt , ob sie , Dorothee , nicht mehr das Heimweh auf den Stighof habe ; wie weh nun mußten dem Andreas von seinem Weibe dergleichen Andeutungen tun und ihm das Leben unter seinem eigenen Dache verbittern . Man sieht , wie sich ' s das Mädchen schon angelebt hatte , sich in die Verhältnisse der Gäste mit Benutzung aller früher gemachten Beobachtungen hineinzuleben und mit ihnen und für sie zu sinnen und zu sorgen . Schon zu oft hatte sie die wunderbare Wirkung eines lobenden , tadelnden oder beruhigenden Wortes wahrgenommen , um nicht zuweilen auch so ein schöpferisches Werde sprechen zu wollen . Besonders nötig und auch nicht ganz vergebens schien ihr das jetzt beim Andreas . Freundlich , beinahe bittend sagte sie , daß der Mensch nie verloren sei , bis er sich selbst aufgebe , daß man aber bei anderen Einfluß und Achtung erst wieder gewinne , wenn man sich selbst und seiner Empfindlichkeit befehlen und sich wieder achten gelernt habe . Andreas antwortete so vernünftig , daß Dorothee sich in ein langes Gespräch mit ihm einließ und am Schlüsse desselben schon recht viel ausgerichtet zu haben meinte . Von jetzt an wendete sich Andreas immer nur an sie , sooft er kam , was immer häufiger geschah , und die Wirtin durfte ihm auch nicht einen Schoppen mehr bringen , obwohl er von Dorotheen ebenfalls zuweilen hören mußte , daß es nun genug sei , was er sich immer gleich beistimmend gefallen ließ . Dorotheen freute das um so mehr , da es ihr ja nur ganz natürlich , nicht etwa bloß geheuchelt schien . Seit langem schon machte wohl niemand ihm ein freundliches Gesicht , als wer etwa dabei seinen Vorteil suchte . Mußte ihm nicht wohl werden , als er sich wieder freundlich behandelt sah von ordentlichen Leuten , so daß er auch in den Augen anderer wieder ein wenig zu wachsen begann ! Dorothee hatte die größte Freude , ihn fast jeden Abend noch stiller zu sehen , so daß endlich auch die Wirtin sein Benehmen zu loben begann . Wenn sie nur immer einen freien Augenblick gewinnen konnte , setzte sie sich zu ihm und begann ein Gespräch mit ihm anzuknüpfen , wie sehr dabei die anderen Gäste dann auch die Köpfe zusammenstecken mochten . Die Wirtin war nämlich bei den letzten unter allen , welchen das etwas verdächtig schien . Man erinnerte sich wieder daran , daß das Mädchen sich auch mit Stighansen so weit einließ , daß es aus dem Dienste treten mußte , damit es im Beichtstuhl wieder gehörig losgesprochen werde . Zwar wollte niemand etwas wissen und niemand etwas gesagt haben , aber das galt für eine ausgemachte Sache , daß das Mädchen reichen Leuten gegenüber ungemein schwach und blind sein müsse , sonst würde es wenigstens mit diesem landesbekannten