stützte den Kopf in die Hand , man sah ihr an , daß ihre ehrliche Natur mit sich zu Rathe ging . Der Baron ist ein edler , ein großherziger , er ist noch ein schöner , ein liebenswerther Mann , nahm die Herzogin nach einer Weile wieder das Wort ; aber freilich , er könnte Ihr Vater sein , und wie willig Sie sich ihm verbanden , Sie konnten ihn nicht lieben , wie die Jugend die Jugend liebt . Die Baronin fuhr leise zusammen . Sie konnten noch weniger für ihn die Nachsicht haben , welche wir Aelteren unsern Altersgenossen und der Jugend beweisen . Gewiß , liebe Angelika ! sagte sie mit jener weichen Stimme , deren Klang , wenn sie es wollte , unwiderstehlich zum Herzen dringen konnte , Sie waren nicht gütig , nicht nachsichtig genug mit dem Baron . Sie sind auch jetzt nicht genug bemüht , ihm zu gefallen ; denn wäre es möglich , daß ich die Freundschaft Ihres Gatten in solchem Grade besäße , theure Angelika , wenn Sie sich ihm so jung und liebenswürdig zeigten , als Sie sind ? - Und die Hände der Baronin noch einmal in die ihren nehmend und sich mit besorgter Zärtlichkeit zu ihr neigend , sprach sie : Oder wäre es denn möglich , daß Sie Ihr Herz an einen Andern , an einen Mann ganz ohne Rang und Namen verlieren könnten , wenn Sie .... Aber sie konnte den Satz nicht vollenden . Um aller Heiligen willen , woher wissen Sie das ? rief die Baronin , während sie unter hervorbrechenden Thränen ihr Antlitz mit ihren Händen verhüllte . Die Herzogin schloß sie in ihre Arme , ohne ihr zu antworten . Sie legte das Haupt der Weinenden an ihre Brust , und sie leise küssend , bat sie : Muth , Muth , mein theures Kind ! Nur ein wenig Vertrauen , und es ist nichts geschehen ! Angelika weinte still . Nach einer Weile richtete sie sich empor . Was soll ich thun ? rief sie .... Die Herzogin antwortete ihr nicht , denn sie wünschte ihr keinen unwillkommenen Rath zu geben . Was wird er von mir denken ? In welchem Lichte muß ich ihm erscheinen ! hub die Baronin nach kurzem Schweigen wieder an . Sie war aufgestanden und ging nachsinnend in dem Gemache umher . Die Herzogin betrachtete sie mit einer Zufriedenheit , in die sich Mitleid und Erstaunen mischten . Aufgewachsen in einer Welt , in welcher man den Ehebruch so leicht nahm , als man sich der Gewalt der Leidenschaft überließ , glaubte sie aus dem Schmerze der Baronin auf deren thatsächliche Untreue gegen ihren Gatten und auf ein Verhältniß zu dem Architekten schließen zu dürfen , das schon lange bestanden haben mußte . Aber Angelika verlor dadurch in ihren Augen nicht , sie gewann vielmehr erst eine rechte Bedeutung für sie , denn jetzt wurde die Herzogin der Baronin unentbehrlich , jetzt hatte die Herzogin sie auf dem Punkte , auf dem sie sie einst anzutreffen gehofft , auf den sie selbst die Arglose hingeleitet hatte . Plötzlich knieete die Baronin vor der älteren Freundin nieder , umschlang sie mit ihren Armen und bat mit gerührter Stimme : Helfen Sie mir , rathen Sie mir , Cousine ! Was soll ich thun , mich aus diesem Wirrsal meines Herzens zu befreien ? Sie sollen vertrauen , sprach die Herzogin , sie sanft an ihren Busen ziehend , einem Mutterherzen sollen Sie vertrauen , das Sie warnte , Sie in der ersten Stunde warnte , da die Gefahr an Sie herantrat , und das Sie verstand und Ihnen folgte , auch ohne daß Sie sprachen , theures Kind ! Oder glauben Sie , ich hätte es nie erfahren , wie gegen unsern Willen unsere Gedanken zu dem geliebten Gegenstande hingezogen werden , den sie meiden wollen ? Glauben Sie , ich hätte sie nie gekannt , die abmahnende Scheu , die wie ein trüber Morgennebel der hell aufflammenden Leidenschaft vorangeht ? - O , mein theures Kind , auch mir ist es nicht erspart geblieben , das ernste Kämpfen , das lange Zagen und das Unterliegen des armen , gequälten Herzens ! Und ich sollte Sie verkennen , Sie verdammen , Sie verlassen , theures , theures Kind ? Sie umarmte Angelika aufs Neue . Mit feurig beredtem Worte sprach sie aus , was Angelika sich selber keusch verschwiegen , ja , was zu denken sie sich nie gestattet haben würde . Aber es waren selige Thränen , mit welchen sie endlich , von der Herzogin weit und weiter fortgerissen , derselben rückhaltlos bekannte , was sie sich in solcher Weise nie eingestanden hatte : daß sie Herbert liebe , schon lange liebe , daß sie für ihn fühle , was sie nie für den Baron gefühlt habe , und daß um den geliebten Mann zu leiden ihr noch eine Wonne , ein Genuß sei . Die Herzogin lächelte und tröstete wie ein Engel mild . Sie warnte und sprach ihr Muth ein , sie ermahnte zur Entsagung und gab Hoffnung auf Glück , wie Angelika ' s wechselnde Bewegung es begehrte . Volle Nachsicht mit ihrer Schwäche hätte die Gewissenhaftigkeit der Baronin mißtrauisch gegen die Beratherin gemacht , volle Strenge sie zu ernstem Kampfe gedrängt oder ihr wohl gar den Mund verschlossen ; und nicht um den Frieden , nur um das Vertrauen Angelika ' s und um die Herrschaft über sie und ihre Zukunft war es der Herzogin von Anfang an zu thun gewesen . Angelika fand sich von dem wechselnden Zuspruche ihrer einzigen Vertrauten wundersam beruhigt . Sie konnte endlich selbst die Frage aufwerfen , was sie thun solle . Wenden Sie sich offen an den Baron ! rieth ihr die Herzogin , um sich den Schein der strengen Verläßlichkeit zu geben und um in einem Nothfalle sich vor dem Freiherrn dieses Rathschlages berühmen zu können . Wenden Sie sich an den Baron