Rudolf schreiben , daß er mich von hier fortnehme , und Sie dürfen es auch nicht . Ich weiß , es wird so recht sein . « Hans Unwirrsch wagte es - er küßte die kleine , milde , treue Hand , die sich so scheu und doch in so unbesieglicher Macht gegen ihn ausstreckte . Heiße Tränen liefen ihm über die Wangen . Ja , sie hatte recht ! Sie hatte immer recht ! Segen über sie ! Wie ein schönes , liebliches Wunder saß sie in dieser stürmischen Nacht , dieser Nacht des Elends und Verderbens , neben dem fremdländischen Mädchen und legte die reine , unschuldige Hand auf die heiße , fieberhafte Stirn desselben : jaja , barmherzig und von großer Güte war sie , und bleiben mußte sie in diesem trostlosen Hause : das war gewiß recht so ! Zwei Uhr war längst vorüber . » Lassen Sie uns jetzt scheiden , lieber Freund « , sagte das Fränzchen . » Sie ist nicht heimgekommen - sie hat ihr Geschick auf sich genommen ; Gott mag sich ihrer erbarmen und sie schützen auf ihrem finstern Wege . Lassen Sie uns jetzt scheiden , lieber Freund : ich will über diese Arme hier wachen , und morgen früh wollen wir alles andere weiterbesprechen . « » Morgen früh « , sagte Hans . » Es ist mir , als würde diese Nacht nie zu Ende gehen . Ich fürchte mich vor diesem Morgen , denn trotz aller Zweifel weiß ich , daß er kommen wird . Ach , Fräulein Fränzchen , es ist eine lange und doch eine kurze , kurze Nacht gewesen . Schrecklich war sie und doch voll Süßigkeit . Gott segne Sie , Franziska - o was soll ich Ihnen sagen - wie werden wir sein , wenn der neue Tag gekommen ist ? « Franziska senkte tief das Haupt und reichte stumm dem Kandidaten Unwirrsch die Hand . Sie schieden voneinander in Sorgen und Seligkeit . Sie konnten den Segen , welchen ihnen beiden diese finstere , unheimliche Nacht brachte , noch nicht ganz fassen . Sie schieden voneinander , und ihre Herzen klopften laut . Vierundzwanzigstes Kapitel In graue Nebel gehüllt kam der Morgen . Die entblätterten Wipfel des Parkes tauchten auf im Dunst und feinen Regen ; zerrissenes Gewölk fing sich in dem Gezweig , und aus dem Gezweig tröpfelte es unaufhörlich . Gekommen war der Morgen unbemerkt wie so vieles in der Welt . Weder Hans noch Fränzchen hatten auf den ersten trüben Schein im Osten geachtet . Der Morgen war da , ehe sie es vermuteten , und sie erhoben beide ihre Häupter und traten fröstelnd beide an ihre Fenster , um die Schatten weichen zu sehen . Sie hatten nicht geschlafen , sie hatten gar nicht an die Möglichkeit des Schlafens gedacht ; in einer dumpfen Betäubung saßen sie und mühten sich vergeblich , klare Reihen von Gedanken , Urteilen und Schlüssen zusammenzubringen . Sie vermochten es nicht , und als sie in fieberhafter Unruhe und Verwirrung aufsahen und erkannten , daß es Tag werde , da wurde das , was sie vor einigen Stunden so sehr gefürchtet hatten , doch zu einem Troste für sie . Sie atmeten tief auf und begrüßten dankbar das graue Licht ; es brachte ihnen die vollste Überzeugung , daß ein ganz neues und süßeres Leben für sie begonnen habe . Sie waren nicht mehr allein in einer Umgebung , die nur im Bösen auf sie achtete ; - viel , viel hatten Hans und Fränzchen in der Nacht , in der Kleophea Götz ihr Vaterhaus verließ , gewonnen . Früher als sonst wurde es an diesem Morgen in den untern Räumen des Hauses lebendig . Die Haushälterin , der vornehme Jean , die Köchin und die Kammerjungfer befanden sich in einer nicht gelinden Aufregung seit gestern abend und waren zu jedem andern Ding als zum Horchen an den Türen und zum Austausch ihrer Gefühle und Empfindungen unfähig . Es ist ein Trost für uns , daß wir uns mit den letztern nicht zu beschäftigen brauchen . Um sieben Uhr erwachte die Französin aus ihrem totenähnlichen Schlaf , und es dauerte eine lange Zeit , ehe sie vollständig begreifen konnte , wo sie sich befinde , wie sie in diesen Raum gekommen sei . Als ihr alles wieder klargeworden war , fing sie heftig an zu weinen und wollte vor dem Fränzchen niederknien , und Fränzchen war darüber sehr erschrocken und litt es nicht , aber es fürchtete sich nicht vor dieser Fremden und vor dem , was die Leute im Hause und die Leute vor dem Hause sagten und sagen würden . Liebevoll sprach Fränzchen mit der armen Henriette Trublet von Dingen , von denen sie meinte , daß das verlassene Mädchen nicht darüber weinen werde , von ihrer Jugend , von der schönen , großen , lebendigen Stadt Paris , von den springenden Wassern zu Saint-Cloud und den Elysäischen Feldern ; und als das französische Blut wieder etwas schneller und wärmer durch die Adern lief , sprach sie ernst und eindringlich von der Zukunft . Nun fing Henriette von neuem an , die Hände zu ringen , und schluchzte und sagte , daß sie heimgehen wolle in ihr Vaterland und gut sein und recht arbeiten und sich durch ihre Arbeit nähren nach Gottes Willen . Und Fränzchen Götz legte in ihre leeren Hände all ihre weltlichen Schätze , und dann - dann klopfte monsieur le curé an die Tür , und Fränzchen Götz erschrak wieder sehr und drückte der Französin mit flehentlicher Gebärde die Hand auf den Mund . Die Französin konnte jedoch nicht schweigen : in gebrochenem Deutsch bat sie den Kandidaten Unwirrsch , doch ebenfalls dem » Engel vom Himmel « zu sagen , daß sie - Henriette Trublet , die schlechte , böse , leichtsinnige Henriette - das Geld nicht nehmen könne und noch weniger das goldene Kettchen mit dem Kreuz , das Granatarmband und den silbernen