meine Hand berühren ! ich habe ihn ja nie geliebt ! O , Oswald , hab ' Erbarmen mit mir ! laß mich nicht so schwer büßen für Etwas , das ich ja doch nur aus rasender Liebe zu Dir gethan habe . Armes , unglückliches Kind , murmelte Oswald , sie zärtlich an sich drückend , armes unglückliches Kind ; und unglücklich durch mich ! das ist das bitterste Leid ! Emilie , Holde , Süße , weine nicht so ! Dein Schluchzen zerreißt mein Herz ! Laß ab von dem Manne , der Dich schon so unglücklich gemacht hat , und nichts weiter kann , als Dich nur noch unglücklicher machen ! Vergiß , daß Du mich je gesehen hast ! Kehre zurück zu Deinem Gatten . Du wirst mit ihm nicht glücklich werden , aber wer ist denn glücklich auf dieser Welt ! Du wirst Dich an ihn gewöhnen , wie sich der Mensch zuletzt an Alles gewöhnt . Und so wird Dir der Strom des Lebens verfließen , im Anfang vielleicht noch unwillige Wellen schlagend , dann allmälig ruhiger und träger , bis er zuletzt in das todte Meer dumpfer Resignation gleichgiltig mündet . O , mein Gott , mein Gott ! - Komm , Emilie ! es hilft uns nichts , daß wir einander unser Leid klagen . Die Nacht ist kalt , Deine Haare , Deine Kleider sind naß von dem Nebelgeriesel , wie Deine Augen von Thränen . Du mußt nach Haus . Er schlang seinen Arm um ihren Leib und führte sie den Weg , den sie gekommen waren , zurück . Emilie ließ es geschehen . Ihr leises Schluchzen hörte allmälig auf ; sie schien die Hilflosigkeit ihrer Lage zu begreifen . Plötzlich aber , als sie auf der Brücke waren , die aus dem Park herausleitet , blieb sie stehen , faßte Oswalds beide Hände und sagte mit leiser , fester Stimme : Ich hab ' es mir überlegt , und anders ist es nicht . Ich will ohne Dich nicht mehr leben , seitdem ich weiß , wie köstlich das Leben mit Dir ist . Wenn Du mich nicht lieben kannst , so beschwöre ich Dich bei Allem , was Dir heilig ist , sage es mir . Ich will kein Wort erwidern , kein Wort . Ich will nicht weinen , nicht klagen . Du sollst von mir nicht belästigt werden . Was ich dann thue , daß weiß ich . Emilie - Nein , laß mich ausreden . Ich sage Dir , ich will nicht ohne Dich leben . Wenn Du mich nicht liebst , kann es Dir ja gleichgiltig sein , was aus mir wird . Wenn Du mich aber liebst , so wirst , so mußt Du fühlen , daß wir uns auch , so oder so angehören müssen . Wie das geschehen kann , - ich weiß es jetzt noch nicht ; aber ich werde darüber nachdenken , und Du wirst darüber nachdenken , und wir werden einen Ausweg finden . Jetzt , sage mir : liebst Du mich , oder nicht ? Ich liebe Dich ! sagte Oswald , und er glaubte in diesem Augenblick , was er sagte . Emilie warf sich in seine Arme : Und ich liebe Dich , Oswald , wie Dich nie ein Weib geliebt hat , wie Dich nie ein Weib auf Erden lieben wird . Und nun , fuhr sie in ruhigem Tone fort , während sie langsam weiter schritten , laß uns unsre Lage überdenken . Vorläufig , das sehe ich wohl , muß es so bleiben , wie es ist ; aber auch so muß ich Dich von Zeit zu Zeit sehen , wenn ich nicht wahnsinnig werden soll . Hier in der Stadt , wo tausend Augen uns bewachen , ist es schwer ; aber ich habe einen andern Plan . Drüben in Fährdorf wohnt meine alte Amme , die mir unbedingt ergeben ist . Sie ist Wittwe und hat einen einzigen Sohn in meinem Alter , der für mich durch Wasser und Feuer geht . Sie ist kränklich ; ich schicke ihr alle Tage etwas , habe sie auch schon besucht , und es wird nicht auffallen , wenn ich sie wieder besuche . Ihr Sohn ist Steuermann auf einem Fährboote , das ihr gehört , und er wird uns sicher und verstohlen hinüber und herüber bringen . Wenn in einigen Wochen , vielleicht schon Tagen , das Eis hält , ist die Sache noch viel einfacher , - - willst Du Oswald ? Der Plan ist gut , sagte Oswald , besonders deshalb , weil ich keinen besseren wüßte . Wann wollen wir ihn in Ausführung bringen ? Morgen , wenn Du willst . Wann ? Um fünf Uhr Nachmittags . Das heißt , wir dürfen nicht zusammen hingehen . Ich will schon früher fahren . Du kommst nach , wenn es dunkel ist . Die Rückfahrt findet sich . Die Wohnung der Wittwe Lemberg - vergiß den Namen nicht - ist das letzte Haus links am Strand . O , Oswald , Oswald , denke die Seligkeit mit Dir stundenlang ungestört beisammen zu sein ! Doch jetzt , mein Oswald , geh ! man darf Dich nicht sehen ; ich muß allein nach Hause gekommen sein . Leb ' wohl , - leb ' wohl - auf Wiedersehen . Die schlanke Gestalt Emiliens war heimlich durch das Dunkel bis an die Thür der Villa geschlüpft . Oswald hörte die Glocke ziehen . Die Thür wurde geöffnet und schloß sich wieder . Oswald war allein . Er war allein ; allein mit einem Herzen , in dem es finster war , wie die finstre Nacht , die wie ein schwarzes Leichentuch über der kalten , starren Erde lag . Kein Hoffnungsschimmer am Himmel und in seiner Seele ; dunkel , Alles dunkel vom Aufgang bis zum Niedergang . Er konnte es zu keinem bestimmten Gedanken bringen , nur zu dem einen