mußte er haben , es mochte kosten , was es wollte , und wenn Alles darüber zu Grunde ging . Waren Sie denn während dieser ganzen Zeit noch auf dem Schlosse ? Warum nennst Du mich Sie , Junker ? Du hast es ja sonst nie gethan - ja wohl war ich auf dem Schlosse . Mein Mann war ja gestorben und die Jungen und die Dirnen waren gestorben und ich war ja die einzige , die nach dem Tode der gnädigen Frau Mutter noch ein bischen auf Ordnung sah . Ich war nicht gern da , das weiß der Himmel , denn im Schlosse ging es zu wie zu Sodom und Gomorrha . Alle Tage die saubern Freunde , und oft noch ein halb Dutzend dazu und dann gespielt und gezecht bis an den hellen Morgen . Kamen denn nie Damen auf ' s Schloß ? Nein , selbst die frechsten und übermüthigsten fürchteten sich vor diesen wilden Männern . Und es waren die meisten von ihnen auch noch nicht verheirathet , wie Herr von Berkow ; oder ihre Frauen waren gestorben , wie dem Herrn von Barnewitz seine Frau ; so konnten sie denn ihr böses Leben ganz ungestört führen . Freilich , an Weibern fehlte es nie auf dem Schlosse , aber sie blieben niemals lange und es waren immer nur solche , an denen nichts zu verderben war , bis auf Eine , bis auf Eine - Und wer war diese Eine ? Die Letzte - ein schöner , unschuldiger Engel , der auch die Teufel hätte bekehren können , aber Harald und seine Gesellen waren schlimmer als die Teufel . Wie hieß sie ? woher kam sie ? Wir nannten sie nur Fräulein Marie ; woher sie kam , habe ich nie erfahren , und eben so wenig , wohin sie ging . So hat sie sich das Leben nicht genommen , wie die Leute sagen ? Nein , denn dazu war sie zu fromm und gut ; sie hätte ihr Kreuz bis Golgatha getragen . O , sie war so jung und schön und so sanft und so lieb , wie meine alten Augen nie , weder vorher noch nachher , etwas gesehen haben . Wenn ich gewußt hätte , daß sie gemeint war , als Baron Harald über dem Weine mit Herrn von Barnewitz um , ich weiß nicht , wie viel Tausend Thaler wettete : das Mädchen solle ihm freiwillig nach Grenwitz folgen und freiwillig auf dem Schlosse bleiben - ich hätte sie Alle , wie sie da saßen , mit Gift vergeben , wie schnöde Ratten . Und wie fing es der Baron Harald an , seine Wette zu gewinnen ? Es ist eine lange Geschichte , Junker , und ich will sie Dir erzählen . Ich sage Dir , wenn alle Tropfen , die draußen fallen , Thränen wären , und alle um das arme Kind geweint würden - ich würde sagen : es sind eben nur genug . Als Harald mit Herrn von Barnewitz die schlimme Wette machte , war er vorher zwei oder drei Wochen mit ihm zusammen verreist gewesen ; ich weiß nicht wohin ; ich glaube in eine große Stadt , weit von hier , und da hatten sie , denke ich , das arme Kind gesehen . Bald darauf reiste er wieder fort und diesmal blieb er zwei Monate aus . Endlich schrieb er , er komme zurück , aber nicht allein . Seine Tante Grenwitz komme mit ; ich solle die Zimmer der verstorbenen gnädigen Frau auslüften und die Möbel gut ausklopfen lassen und Alles zu ihrem Empfang herrichten . Nun wußte ich wohl , daß der Baron eine Großtante hatte , die Schwester seines Großvaters ; aber sie mußte nach meiner Rechnung achtzig Jahre und drüber sein ; sie war zu meinen Lebzeiten nie in Grenwitz gewesen , und hatte sich nie um Harald bekümmert , so wenig , wie er sich um sie . Deshalb war ich nicht wenig erstaunt über den sonderbaren Entschluß , noch in so hohen Jahren eine so weite Reise zu unternehmen , denn sie wohnte viele , viele Meilen von hier ; aber ich that , was mich der Baron geheißen hatte . Sie kamen auch an dem von ihm bestimmten Tage ; ich empfing sie und wunderte mich , wie rüstig die alte Dame noch war , trotzdem sie an einem Stock ging und silbergrane Haare und Augenbrauen hatte . Harald war voller Respect gegen sie ; er führte sie an seinem Arm durch alle Zimmer des Schlosses und zeigte ihr Alles ganz genau , besonders die Familienbilder im großen Saale , wo auch ihr eigenes hing , wie sie als achtzehnjähriges Mädchen gewesen war . Davor blieben sie stehen und wollten sich todtlachen , und die Alte kriegte den Husten und Harald klopfte sie derb auf den Rücken . Ich wußte nicht , weshalb sie so lachten - ich glaubte , weil aus dem schönen Mädchen ein so häßliches Weib geworden war , denn damals ahnte ich noch nichts von dem schöndlichen Spiel . Am Morgen de nächsten Tages ließ der Baron wieder anspannen und die Tante setzte sich zu ihm in den Wagen . Wir kommen heute Abend wieder , sagte er , wenn es auch spät werden sollte . Wir bringen noch eine junge Dame mit , die Gesellschafterin bei Tante Grenwitz ist . Sie muß das Zimmer nebenan haben , hörst Du , Alte ? Aber Herr , sagte ich , in der rothen Stube ist die Baronin gestorben und es liegt und steht noch Alles so darin , wie an ihrem Todestage . So laß Alles ausräumen , sagte er , hörst Du , Alles , und schaffe es in ein anderes Zimmer und setze dafür andere Möbel hinein . Die junge Dame muß in Tante Grenwitz ' s Nähe schlafen . Was sagst Du , lieber Harald ? fragte die Tante , die auf dem einen Ohre taub war ,