» Aber warum zögerst Du mit Deiner Wahl ? Die Kapelle könnte beinahe fertig sein , wenn Du gleich den ersten Plan ausgeführt hättest . « » Das doch wohl nicht ! « sagte Uriel etwas verlegen , und setzte nach einer Pause hinzu : » Ich werde den Plan ausführen , den Regina wählen wird . Sie müssen nun doch endlich wieder nach Windeck zurückkehren ; sie sind fast vier Monate abwesend ! - Regina hat einen so feinen Geschmack und sieht jetzt manche schöne Bauwerke , da kann sie mir einen guten Rat geben .... umsomehr , als ich ja doch nur für sie baue . « Hyazinth legte das Blatt sanft auf den Tisch , nahm zärtlich Uriels Hand und sagte : » Baue Schlösser , wenn Du willst , für Regina , aber die Stätte , wo der Altar stehen wird , auf dem das Lamm Gottes sich schlachten läßt , baue für Gott . « » Du hast recht ! « entgegnete Uriel und fuhr mit der Hand über die Stirne ; » aber mir scheint ja auch , daß ich alles für Gott tue , was ich für Regina tue : so verbunden mit Gott ist sie in meinem Herzen . « » Eigentlich steht es so mit Deinem Herzen : es vergißt Gott , es vergöttert Regina , und dann sucht es sich selbst zu täuschen , als ob diese Anbetung eines vergötterten Geschöpfes eins und dasselbe mit der Anbetung Gottes sei ; nicht wahr , so ist ' s ? « » O Hyazinth ! « rief Uriel , » dem Verstande nach wirst Du immer in diesen Sachen Recht haben . Aber ich muß mit dem heiligen Augustinus ausrufen : Gebt mir einen Liebenden und er wird mich verstehen ! « » Wie Du schlau bist ! « entgegnete Hyazinth mit sanftem Lächeln ; » jetzt berufst Du Dich sogar auf den großen heiligen Augustinus , der allerdings jenen Ausruf gemacht hat . Aber ebensowenig wie ein anderer bekannter Ausruf : Liebe ! und dann tue , was Du willst ! sich auf die Liebe zum Geschöpf bezieht , sondern auf die Liebe zu Gott - ebensowenig wird er mit Dir über die Anwendung einverstanden sein , die Du von seinen Worten machen willst . Nein , lieber Uriel , alle Heiligen kämpfen mit aller Kraft , welche sie aus der Gnade schöpften , gegen die parasytische Pflanze leidenschaftlicher Zuneigung , die allmählig das Herz dermaßen überwuchert , daß für die heilige Liebe kein Platz darin bleibt . « » Sobald ich meines Glückes sicher sein werde , « entgegnete Uriel , » sollst Du mit mir zufrieden sein , Hyazinth ! dann werde ich anfangen , Gott zu lieben ! Freude und Dankbarkeit werden das mit sich bringen . Aber jetzt , in dieser jahrelangen Spannung , Erwartung , Ungewißheit und Sehnsucht - jetzt bin ich wie ein Jäger auf dem Anstand , der für die ganze übrige Welt taub und blind ist . « Hyazinth legte mit einer tiefschmerzlichen Bewegung die Hände zusammen und rief : » O ewige Liebe , so wirst du behandelt von deinen Geschöpfen ! Wenn du ihren Willen tust , sind sie geneigt , dir zu danken ; bis du ihn erfüllt hast , denken sie nicht an dich , und wenn du ihn nicht erfüllst - - ja , was dann , Uriel ? « » Das weiß ich nicht , « erwiderte Uriel . » Zürne mir nicht , es ist nun einmal so ! Alle Hoffnungen meiner Zukunft sind mit Regina verwebt , und mir muß durch sie unsägliches Glück oder unsägliches Leid zuteil werden . Sie ist kein Wesen , das man lieben - und dann vergessen könnte ! Von Kindheit auf habe ich mich daran gewöhnt , unser Leben als ein gemeinsames - unsere Existenz als eine unauflöslich verbundene zu betrachten . Mit dieser stillen ungestörten Gewohnheit ist später die Liebe mir ins Herz gedrungen und ist umso heftiger geworden , als zugleich auch heftige Störungen eintraten . Kein Mensch auf Erden läßt sich gleichgültig sein teuerstes Kleinod entreißen . Je höher er dessen Wert schätzt , desto lebhafter wird er sich gegen den Verlust sträuben und sein Anrecht behaupten . « » Hier ist aber nicht die Rede von einem Schatz , den Räuber und Diebe zu stehlen trachten , « sagte Hyazinth , » sondern von einem willensfreien Wesen , das mit demselben Rechte wie Du Anspruch macht an Glück , - und zwar an ein solches , welches dem Deinen entgegen steht . Das weißt Du ! seit vollen vier Jahren siehst Du , daß Regina bei ihrem heiligen Entschlusse bleibt , und dennoch kannst Du es nicht über Dich gewinnen , zu dem Deinen zu kommen . Ist das nicht feig ? « » Ich bin nicht feig ! « rief Uriel aufgeregt ; » aber ich liebe sie und so lange es liebefähige Herzen auf Erden gibt , werden sie Dir sagen , daß es möglich sei , keine Furcht vor Not und Tod , vor Armut und Elend zu haben und zu gleicher Zeit den Verlust eines geliebten Herzens bitterer als alle Todesschmerzen zu fürchten . Einem solchen Todesschmerz aber - das begreifst Du doch ? - wirft man sich nicht freiwillig in die Arme . Man wartet , bis er kommt . « » Und läßt sich das Herz zerbröckeln , anstatt es mit kräftigem Schnitt von seinen Fesseln zu befreien und die Wunde zu heilen ! « sagte Hyazinth . » Willst Du denn wirklich noch sechs Jahre hier auf Stamberg einsam sitzen und warten , bis die zehn Jahre um sind und Regina ihre Freiheit errungen hat und in ' s Kloster geht ? Ach , Uriel , verschwende doch nicht Dein Leben , Deine Kräfte , Deine Gaben , Deine Jugend an einen Traum von Glück . Gib Deine Ansprüche an Regina auf ! ... umso leichter läßt der