Pferd an . Eine kurze Weile darauf brachte ihm ein Offizier aus dem Palaste drei Imperials . Das Gesicht des Kutschers , als er mit dem reichen Fahrgeld davongaloppirte , konnte nicht froher und glücklicher sein , als das des Offiziers , welcher ihm das Gold gebracht . Es war derselbe , welcher im Vorzimmer des Kaisers über dem Briefe eingeschlafen war . Als er erschrocken durch die zufallende Thür aufwachte , fand er unter demselben die Worte3 : » Vorzeiger hat zwei Monat Urlaub und aus der Kaiserlichen Chatoullen-Kasse 500 Silberrubel zu erheben . Nicolaus . « Als der Czar zurückkehrte , warf sich der junge Offizier ihm zu Füßen . Der hohe Herr aber sandte ihn mit jenem Geschenk zu dem Isworstschick . - Es war fünf Minuten vor 7 Uhr , als der Kaiser sein Kabinet wieder betrat und Helm und Mantel ablegte . Der Kammerdiener brachte ihm das bereit gehaltene Frühstück . Während er dasselbe genoß , schlug die Uhr Sieben und zugleich wurde der Reichskanzler gemeldet . Der Eintretende hat in der neuesten Zeitgeschichte eine so wichtige Rolle gespielt , daß wir seiner Persönlichkeit einige Zeilen widmen müssen . Es war ein Greis von 75 Jahren , denn der Graf ist 1780 - als Kosmopolit auf einem englischen Schiff aus der Rhede von Lissabon - geboren , während sein Vater , aus der rheinisch-bergischen Familie der Grafen von Nesselrode-Ehreshoven stammend , dort russischer Gesandter war . Bei dem wiener Congreß machte sich der Graf zuerst in der politischen Welt bemerklich und galt auch für einen der schönsten Männer jener zahlreichen und glänzenden Versammlung . Noch zeigen sich die Spuren der ehemaligen Schönheit in dem ruhigen feinen Gesicht mit der hohen Greisenstirn . Selbst die hohe Gestalt war nur wenig gebeugt . Der Kaiser bewies stets große Achtung und Rücksicht für den alten Staatsmann und legte sehr bedeutendes Gewicht auf seine Meinung . Er kam ihm auch diesmal beim Eintritt einige Schritte entgegen und lud ihn ein , sich an dem zweiten Tisch niederzulassen , aus dessen Platte der Minister das mitgebrachte , ziemlich umfangreiche Portefeuille öffnete . » Ich bitte , Graf , gieb mir zuerst die auswärtigen Tagesberichte ; welche Neuigkeiten ? ich bin seit einiger Zeit begieriger darauf , als es sonst der Fall war . « » Baron von Brunnow , Sire , hat auf meine Anweisung durch den Telegraphen am 15. Lord Clarendon officiell angefragt , welchen Weg die englische Regierung nun einschlagen werde , nachdem ihr bekannt geworden , daß Euer Majestät die Vorschläge der Pforte abgelehnt haben . Am 16. sind dem englischen und dem französischen Kabinet durch unsere Gesandten unsere beiden Depeschen vom 7. mitgetheilt worden . « » Und die Antwort ? « » Es liegt erst die des Herrn von Kisseleff vor , die gestern Abend eingetroffen . Der Gesandte hat von Brüssel aus in der geheimen Chiffre telegraphirt , also das Resultat nur im Geheimen erfahren . Hier ist die Depesche . « » Lesen Sie , Graf . « » Herr von Kisseleff meldet : Am 17. Depesche nach Wien , daß Frankreich nicht weiter zur Annahme der Note rathe , da unsere Kritik vom 7. anderen Sinn als die Westmächte unterlege . « » Ein leerer Vorwand , nach dem man gesucht hat . « » Der Gesandte meldet weiter : Vorschlag des Herrn Drouin nach London , wegen der Unruhen die Flotten nach Constantinopel zu berufen . « » Wieder ein willkommener Vorwand ! Und wie lauten die Nachrichten aus London ? « » Sire , es fehlen noch die Depeschen . « » Sie könnten längst hier sein , wenn man eine Antwort gegeben hätte . Lord Clarendon wird sich besinnen , auf die neuen Wühlereien des Herrn Drouin de L ' huys einzugehen . « Der greise Staatsmann zuckte leicht die Achseln . » Was denken Sie davon , Herr Graf ? « » Sire , Eurer Majestät Vorliebe für England behindert Ihren sonst so klaren politischen Blick . Wenn auch im Augenblick der Einfluß unseres Gegners Lord Palmerston beseitigt ist , bleibt England doch unverändert der geheime und bittere Gegner Rußlands und wird die Lockung nie vorbeigehen lassen , unsere Suprematie im Orient zu brechen . « Der Kaiser schritt einige Male ungeduldig im Zimmer auf und ab . » Dieses England ! dieses England ! - ich meinte es so aufrichtig mit ihm . Der Osten und das Meer gehörten uns Beiden ohne Eroberung , wenn es ehrlich gehandelt hätte . « » Sire , ich habe Ihnen immer gesagt , Rußlands natürlicher Verbündeter ist Amerika . Ein Reich , das noch eine Zukunft hat , muß sich nie mit einer Macht alliiren , die bereits auf dem Gipfel steht und nach den Gesetzen der Geschichte und der Natur nur die absteigende Linie vor sich hat . « » Das hieße aber , sich mit der Revolution , mit der Demokratie verbinden , die ich hasse und bekämpfe . « » Sire , der Constitutionalismus von England ist die permanente gefährliche Revolution , nicht Amerika , das nur damit kokettirt . Nach Euer Majestät Princip gäbe es dann kein loyaleres Bündniß als Frankreich . « Der Kaiser schwieg einige Augenblicke . » Was schreibt man aus Constantinopel ? « » Staatsrath Pisani berichtet über die revolutionaire Bewegung der Kriegspartei am 10.4 . Was er mittheilt , ist von Wichtigkeit und bestätigt meine Ansichten . « » Geben Sie mir einen Auszug ! « » Schon seit Beginn des Monats machten sich in Constantinopel die Bewegungen der Kriegspartei auffallend bemerkbar . Die zweimalige Verwerfung der Wiener Note in dem Divan vom 14. und 15. August war offenbar ihr Werk . Euer Majestät wissen , daß der Schwager des Sultans , Mehemed Ali , an der Spitze dieser Partei steht und unser gefährlichster Gegner ist . Mehemed Ruschdi Pascha5 , Mahmud Pascha6 und Hamik Pascha7 sind seine Anhänger . Wenn auch bei Mehemed nicht , der offenbar von ehrgeizigen Spekulationen