Jemand einläßt , auf alle Fälle vorher ein stärkeres Parfüm sich hätte aufgießen sollen . In einem der hinteren Zimmer sitzt die corpulente Hauswirthin in schwitzender Selbstwonne , zählt unruhig die Häupter ihrer Lieben und denkt mit Wallenstein : - - - - - - - - - - - - - - - So Vielen Gebietest du ! Sie folgen deinen Sternen Und setzen , wie auf eine große Nummer , Ihr Alles auf dein einzig Haupt , und sind In deines Glückes Schiff mit dir gestiegen . Doch kommen wird der Tag , wo diese Alle Das Schicksal wieder aus einander streut ; Nur Wen ' ge werden treu bei dir verharren . Den möcht ' ich wissen , der der Treuste mir Von Allen ist , die dieses Lager einschließt . Gib mir ein Zeichen , Schicksal ! Der soll ' s sein , Der an dem nächsten Morgen mir zuerst Entgegen kommt mit einem Liebeszeichen . Während dem steht der dürre Gemahl im altmodischen schwarzen Fräckchen an der äußern Zimmerthüre und freut sich , wie ein Kind auf die Weihnachtsbescheerung , über jeden Neuangekommenen . Rechts und links streckt er die Hände zum sanften Drucke aus , während er einem Dritten zuwinkt und zu einem Vierten sagt : » Ei , Sie kommen sehr spät , Herr Hofkapellmeister . « Letzterer ist aber offenbar der Klügste , denn zu einem solchen Thé dansant in einem stillen Bürgershause früh zu kommen und spät zu gehen , dazu gehört mehr Heldenmuth als mancher Mensch besitzt . Hat man erst einmal seine Pflicht gethan , der Frau vom Hause ein Compliment gemacht , hat sich darauf wieder wie ein Krebs zurückgezogen - eigentlich ein schlechter Vergleich , denn ein Krebs braucht nicht rückwärts zu schauen und läuft behaglich im kühlen Wasser , während an dir sehr unbehaglich das Wasser herunter läuft und du jeden Augenblick hinter dich sehen mußt , um nicht die Perle irgend einer Rangklasse umzurennen - so kann man sich ja das Uebrige am andern Morgen von einem Freunde , der bis zum Ende geduldet und gelitten , der Morgens früh um drei Uhr , an allen Gliedern wie gerädert , der Hausfrau zum Abschied die Hand geküßt und ihr versichert hat , daß er lange keinen so charmanten Abend verlebt , erzählen lassen , kann da behaglich den Bericht anhören , wie der Andere die Tanzmusik noch von ferne gehört , den Thee und manches Andere von Nahem gerochen , das Backwerk gesehen und das Souper geahnet habe . Aber auch die Gastgeberin fand nicht ihre Rechnung bei der Sache , keine Belohnung für die aufgewendeten großen Kosten : ihr Sohn , der angehende Referendär , hat umsonst der Tochter des Präsidenten den Hof gemacht ; ihre beiden Töchter waren vergeblich in der glänzendsten Toilette erschienen , in ganz neuen blauen und rosa Barègekleidern ; einige junge Leute , für welche man diese Fallen gestellt , waren nur tändelnd um dieselben herum geflogen , keiner hatte sich die Flügel am Strahlenlicht ihrer Augen verbrannt , - und Friederike war doch schon seit vier Jahren beinahe Zwanzig vorüber und ihre Schwester Louise ein paar Monate älter . Auch schien der Hausherr verdrießlich über die großen aufgewendeten Kosten und legte den Fascikel » Thé dansant vom vierten , « seufzend zu seinen Haushaltungsrechnungen . Sein Chef und Kanzleidirektor hatte ihm nicht die gehörige Aufmerksamkeit erwiesen , und die Frau des Ministers war nur einen Augenblick da gewesen , hatte sogar zwei und ein halbes Mal gegähnt und über ungeheure Fatigue geklagt , als sie sagte , sie müsse heute Abend noch in eine andere Soirée fahren , zur Baronin Schnabilinsky . - - Das hat man nun Alles hinter sich ; man will keinen Thé dansant mehr veranstalten , man will auch nicht zurückgreifen zu den langweiligen Theegesellschaften , und da taucht einem erfindungsreichen Kopfe die Idee auf , lebende Bilder zu stellen ; es ist das eine schöne Abwechslung und ein vielversprechendes Vergnügen . - Aber wie es dem armen Menschenkinde so oft geht : er sieht nur die Außenseite , ohne sich um die Schattenpartien zu bekümmern . Wir können ein Wort darüber mitsprechen , geneigter Leser , denn wir kennen das Kapitel lebender Bilder , wir haben dieses Vergnügen durchgekostet und genossen in allen seinen betrübenden Einzelheiten . Wir haben in lebenden Bildern mitgewirkt in der unschuldigsten und angenehmsten Art derselben , wo sie harmlos improvisirt waren , wo eine einfache Stubenthüre das Proscenium bildete , wo vorhandene Shawls , Tücher , Hüte , Hauben , Mäntel und Mantillen die ganze Garderobe ausmachten . Wir haben das ferner mitgemacht , wo in großen reichen Häusern appart eine Bühne aufgeschlagen wurde und Costüme eigens für diesen Abend gemacht waren , wo renommirte Künstler die Tableaux arrangirten und wo nichts gespart war an Dekorationen und Gewändern . Wir haben endlich mitgewirkt an der Aufführung lebender Bilder in großen öffentlichen Lokalen , wo keine Einladungen stattfanden , wo die Zuschauer sich Billete kauften und wo die Einnahme für einen guten Zweck bestimmt war ; wir haben dabei die traurigsten Erfahrungen gemacht , haben dabei gesehen , welch ' unendliche Schwächen das Menschengeschlecht hat , wie Wenige unter ihnen wirklich einer guten Sache zulieb , die man vorschiebt , etwas thun , wie das eigene Ich überall selbstsüchtig hervorbricht , wie ein armer Unternehmer von dergleichen Geschichten beständig am Rande des tiefen Abgrundes hintaumelt , in welchen er hinein stürzen und sich auf ' s Allerhöchste blamiren kann , weil Madame oder Fräulein A. am Tage vor der Aufführung absagen läßt , da ihr die Rollen nicht brillant genug sind , den andern Abend aber dafür in ihrer Loge sitzt und die schärfste Kritik übt ; weil ferner die Madame B. die Madame C. , D. und F. dir abwendig macht , da auch Mamsell Y. und Z. mitwirken sollen , die , Beide einer anderen Rangklasse angehörend , nicht würdig genug befunden worden sind , neben den