feinen geistreichen Lächeln und erwartete mit einer Art strengen Prüfung die Mittheilungen , zu denen sich der Fremde nun anschickte . Fünftes Capitel Der Dieb Wohlan ! sagte der Gefangene nachdenklich , stützte das Haupt auf und sah trübsinnig durch das enge Fenster in die schöne , sonnenhelle Gegend . Vernehmen Sie , Wildungen , ich bin hier geboren , bin hier erzogen . Da am Rande jener Berge hab ' ich kletternd die erste jugendliche Kraft erprobt . Viel ist schon hinweggezogen von neuen Erfahrungen und neuen Eindrücken über die erste Kinderzeit , aber noch taucht aus ihr in strahlendem Glanze auf .... da das Schloß mit seinem alten geschnörkelten Baustil ... der Hohenberg selbst , an den sich die ältesten Erinnerungen unserer Familie knüpfen . Wissen Sie , früher stand auf dem Hohenberg eine Burg , zu der dieser Thurm , der jetzt hier den letzten Sprossen dieses Hauses gefangen hält , als ein äußeres Bollwerk , eine Art Warte , gehörte . Ich habe in der Beschäftigung mit ernsten und nüchternen Lebensaufgaben doch längst abzustreifen gesucht das dämmernde , träumerische Gefühl der Wehmuth , das uns nur einlullt zum süßen Nichtsthun und zur Beschönigung unserer rathlosen Thatkraft ... Aber wie ich da wieder im Walde die alten Wipfel rauschen hörte , wie ich am Jägerhause stand , wo ich auf einer grünen Wiese von einem früheren Soldaten , Namens Marzahn , die Büchse spannen lernte und manchmal das an einen Eichbaum gesteckte bunte Ziel traf , wie ich wieder die Mühle rauschen hörte , die ein Ullaarm , aus dem Gebirge niederströmend , in Bewegung setzt und mich an die Regenbogen erinnerte , die die Sonne auf dem gespritzten Wasserstaube malt ... ein Anblick , der mich beim majestätischen Rheinfall in Schaffhausen ausrufen ließ : Rühmt mir nichts von Dem , was ich am Mühlbach auf dem Schlosse meiner Väter fast ebenso schön , fast schöner , kindlich glücklicher , schon gesehen habe ! ... wie ich so wieder gedachte des Heimwehs der Kindheit und der Sehnsucht nach einem Lande des Glücks , das - ach ! es ist nur zu wahr ! - niemals vor uns , immer nur hinter uns liegt ! ... da , Freund ... nein , nein , Sie zweifeln ja ! Sie verstehen ja meine Empfindungen noch nicht ! Bei diesem gemüthvollen Ausrufe mußten Dankmar ' s Bedenklichkeiten schwinden . Prinz , sagte er , tief erschüttert und innigst überzeugt , die Augenblicke sind gezählt ; sie sind kostbar , wenn man an die Erlösung von diesem jammervollen Zustande denkt ... Was beginnen wir zu Ihrer Befreiung ? Ich denke nun nicht mehr daran , sagte der Gefangene mit feiner Ironie , in die sich fast ein leiser , artiger Vorwurf mischte . Erst haben Sie Aufklärung begehrt , nun fühle ich nicht einmal so lebhaft mehr das Bedürfniß , frei zu sein . Jetzt will ich gefangen sein , um reden , mich aussprechen , mich erinnern zu können . Ja , ja ! So ist der Mensch ! Wenn er gesund blüht , ist er vor nichts so besorgt , wie vor einer Krankheit . Da erfaßt sie ihn denn und nun findet er bei allem Schmerz des äußern Menschen auch eine Freude für den innern . Man kehrt auf dem Krankenlager bei sich ein , wird reifer , geläuterter und steht geistig besser vom Lager auf , als man sich niederlegte . Schenken Sie mir jetzt nur ruhig Ihre Gegenwart , Wildungen , hören Sie mir nur still , mit Theilnahme zu und bereiten Sie sich darauf vor , daß ich Ihnen vielleicht ... Der bewegte Sprecher stockte . Dankmar schwieg , aber seine Blicke sprachen ihm jede Ermuthigung . Daß ich Ihnen vielleicht eine Bitte vortragen werde , deren Erfüllung Sie nur dann erfreuen kann , wenn Sie mein vergangenes Leben kennen . Dankmar äußerte schon jetzt für das Vertrauen des Gefangenen seinen Dank und bat ihn , sich offen mitzutheilen . Er würde sich ihm in Nichts entziehen . Der Erzähler fuhr nun fort : Ich lebte hier in Hohenberg mit jeweiliger Unterbrechung , wo wir unsere andern Güter und die Hauptstadt besuchten , fast bis in mein dreizehntes Jahr . Der Vater , kurz vor meiner Geburt in den Fürstenstand erhoben , hatte um dieselbe Zeit ein großes Vermögen durch einen unerwarteten Tod des Stammhalters der österreichischen Seitenlinie gewonnen und war von seinem plötzlichen Glücke so gehoben und getragen , daß er nur auf der hohen Flut des Lebens schwamm und sich wenig um seine Häuslichkeit kümmerte . Der Vater war Militair und hatte Lust , auch mich im zartesten Kindesalter schon für diesen Stand zu bestimmen und abzurichten . Die Mutter aber erkannte in dem Plan , mich in eine milltairische Erziehungsanstalt zu schicken , nur den Egoismus eines Weltmannes , der die Erziehung seines Sohnes sich so leicht als möglich machen wollte . Sie trat diesem Plane mit Entschiedenheit entgegen . Das leider sehr tief eingerissene Zerwürfniß der Ältern machte eine unter ihrer gemeinschaftlichen Aufsicht genossene Erziehung fast unmöglich . So beschlossen sie mich ganz hierher nach Hohenberg zu versetzen , soviel wie möglich hier zu leben und mich mit Lehrern , Hofmeistern und Aufpassern aller Art so zu umgeben , daß ihr Gewissen beruhigt sein durfte . Meine Mutter liebte damals noch die Welt . Sie war noch nicht in die Krisis getreten , die sie später zu einer sehr unfruchtbaren und meiner innersten Natur heterogenen Frömmigkeit geführt hat . Es lebte damals hier im Orte ein sehr braver Pfarrer , Namens Rudhard . Dieser strenge und doch keineswegs gemüthlose Mann erhielt über meinen ganzen Bildungsproceß die obere Aufsicht , und noch jetzt - er weilt fern an den Ufern des Schwarzen Meeres in Odessa - noch jetzt dank ' ich ihm für die spartanische Strenge , mit der ich in jenen Tagen erzogen worden bin . Zwar sträubte sich in mir etwas und wollte sich bäumen und das oft drückende Joch