mit demselben Nachbar , welcher am Abend , wo die Spinnte erstochen ward , das Gemeindeholz gebracht hatte . Auch kehrte Ehrhold erst nach einigen Minuten wieder zurück . » Warst Du beim Nachbar , Vater ? « fragte Haideröschen schüchtern , denn ihr Herz sagte ihr , daß eine Zusammenberufung der Wenden eingeleitet werde . Ehrhold läugnete es nicht , ja er fügte sogar offenherzig hinzu : » Es handelt sich um den bösen Grafen und ob man verpflichtet sein soll , einem so offenkundig schlechten Menschen fernerhin noch zu gehorchen . - Uns geht das im Grunde freilich nichts mehr an , denn wir sind ihm nicht mehr erbunterthänig , aber der Sache selbst wegen dürfen wir uns nicht ausschließen . « » Sie wollen ihm doch nicht ans Leben ? « fragte Haideröschen besorgt . » Damit geschähe dem Schufte zu viel Ehre . Nein , blos das Vermögen soll ihm verschnitten werden , und dazu , scheint mir , haben Viele triftige Gründe , wenn alle rechtmäßige Erben von ihm , sowohl lebende wie solche , die noch auf den Eintritt ins Leben warten , zu gleichen Theilen befriedigt werden sollen . « Bei der letzten Bemerkung seufzte Haideröschen und Clemens ging , um seine kochende Unruhe möglichst zu verbergen , summend in der Wohnstube auf und ab . Es trat eine Pause ein , die Niemand von den Dreien zu unterbrechen wagte , bis Ehrholds Gattin aus der Kammer kam und mit Schüsseln und Tassen im Topfbret zu klappern begann . Dabei redete sie mit allen Dreien zu gleicher Zeit nach Art alter Leute , ohne von irgend Jemand eine directe Antwort zu erwarten . Zum zweiten Male klopfte es draußen , diesmal jedoch an einem der Fensterladen . » Gott sei uns gnädig ! « rief Haideröschen , ihr Rädchen anhaltend , an das sie sich wieder gesetzt hatte , und die Hände im Schooße faltend . » Das bedeutet sicher ein recht großes Unglück , denn grade so klopfte es am Abend der letzten Spinnte , seitdem das Elend unter uns anhob . « Clemens hatte inzwischen das Schiebfenster aufgestoßen und gefragt , was man begehre ? Eine Stimme , die er nicht kannte , verlangte die » Jungefrau « zu sprechen . Haideröschen hörte dies und stand neugierig auf . » Wer seid Ihr ? « fragte Clemens ziemlich barsch . » Ich darf ' s nicht sagen ; es ist mir verboten , « antwortete die Stimme . » Ich soll ' was abgeben an die Jungefrau . « » Von wem ? « fragte Clemens schon ungeduldiger . » Wenn mich die Jungefrau selbst anhören will , werd ' ich ' s ihr nicht verschweigen . « Clemens fühlte eine Hand auf seiner Schulter . Haideröschen stand neben ihm . » Laß mich mit dem Manne reden , guter Clemens , « sagte sie sanft und bittend . » Vielleicht kenne ich ihn und er hat mir etwas zu sagen , das uns zum Guten gereicht . Du kannst ja dableiben und mit anhören , was wir reden . « Ungern und mit verdrießlichem Gesicht trat Clemens vom Fenster zurück . Haideröschen erblickte einen Mann in bäurischer Alltagskleidung . » Was habt Ihr an mich zu bestellen ? « fragte sie freundlich . » Der Voigt vom Zeiselhofe schickt mich zu Euch , liebe Jungefrau , « erwiederte der draußen Stehende . » Ich bin der Großknecht vom Hofe und eigentlich nicht der beste Freund von unserm Voigt . Weil aber der Mann krank ist und mich schon seit ein paar Tagen anfleht , ich möchte ihm doch den Gefallen thun und zu Euch gehen , bin ich heut in der Dämmerung fortgelaufen . Er hat mir eine Rolle gegeben , vermuthlich mit Schriften oder Verschreibungen - von dem gnädigen Herrn , sagt er - « » Hört auf , ich will nichts mehr hören ! « rief Haideröschen . » Nicht eine Stecknadel rühre ich an , wenn ich weiß , daß der Graf sie zuvor in den Händen gehabt hat ! « » So ist ' s recht ! « sagte Clemens . » Immer packe den Rackern auf , daß sie erfahren , wie hoch man ihren Herrn in Ehren hält ! « » Aber liebe Jungefrau , so nehmt doch Vernunft an ! « fuhr der Großknecht fort . » Ich bin , weiß Gott , nicht für den gnädigen Herrn und wünschte lieber , der Teufel zerriß ihn heut als morgen und zerfetzte ihn dermaßen , daß nichts von ihm übrig bliebe , als eine Prise Schnupftabak für alle Herren , die just eben so denken wie er , aber den Auftrag des Voigtes muß ich vollziehen , sonst bringt er mich um . Werfts in ' s alte Gerülle das Ding , wenn Ihr ' s nicht ansehen wollt , nur nehmt ' s mir ab , daß ich als ehrlicher Kerl sagen kann : ich hab ' s richtig abgeliefert . « » Du nimmst nichts ! « befahl Clemens . » Hat der Herr Dir etwas zu übergeben , so kann er selber kommen . Dann will ich ihn schon empfangen . « » Es ist sehr wichtig , « sagte der Voigt . » Und wenn Tod und Leben daran hängt , Du nimmst es nicht ! « rief Clemens wie besessen . » Guter Freund , « fiel Ehrhold ein , » Ihr macht hier , wie Ihr seht , schlechte Geschäfte . Darum geht nur in Gottes Namen wieder auf den Zeiselhof , sagt dem Voigte einen guten Abend und für seine Geschenke im Namen des Herrn Grafen müsse die Jungefrau gar sehr danken . « » Nun so erbarme sich Gott meiner und des Voigtes ! « murmelte der Großknecht . » Seine Gnaden haben mit Galgen und Rad gedroht , wenn das Röllchen nicht vor Beerdigung des verstorbenen Herrn Grafen in der Jungefrau Hände gekommen sei ,