zusammenhängt ; - wie könnte der eine wahrhafte Liebe denken zu einem leblosen Ding ; denn so nennt der Philister die Pflanzen , die Bäume , die ganze Natur , - wie könnte der ahnen , daß ein höchst geistiger Umgang mit ihren schönen untadeligen Erzeugnissen stattfinden könne ? - Ein Wechseltausch von Empfindungen , der eine reine Leidenschaft zu ihr nährt und beglückt , - wie könnte dem je begreiflich werden , daß ein innerliches Dasein sich in sie überträgt , und daß , während die ganze Welt vergeblich unter Mitgeschöpfen herumschwärmt , von Liebe , von Freundschaft faselt , der beglückte Besitzer eines Baumes , der vor seiner Tür steht , in ihm den Freund gefunden hat . - Die alte hundertjährige Bas kam mir vor der Tür auch damit entgegen : » Ist ' s nicht barbarisch ? - Und daß die Großmama stillschweigt dazu , - wärst du nur hier gewesen , es wär nicht geschehen . « - Ich bin noch einmal in den Garten gegangen , wie es dunkel war ; denn am Tag hingehen schien mir beleidigend für die edlen Bäume ; - ich hab Abschied genommen vom Garten , ich mag nicht wieder hineingehen . - Ich hab auch den Gärtner besucht im Boskett , der sagte mir , es habe ihn sehr betrübt , daß diese Bäume abgehauen wären , er habe so manches sich immer gedacht dabei , jetzt könne er nichts mehr von ihnen sehen und hätt auch die Lust verloren , die Rosenhecke zu pflegen . - » Nun ! « - sagte ich , » aber in Gedanken können wir immer alles sehen , was wir lieb haben ? « - Das gab er zu . - » So gebt doch auch die Rosenhecke nicht auf , je höher sie wächst , je mehr könnt Ihr Euch dabei denken , daß im Gedächtnis alles Schöne fortblüht . « - Das bewilligte er mir , und er meinte , ich solle gewiß nicht klagen , daß er sie versäumt hätte , wenn ich wieder käm . - Im Gärtner liegt wahres Genie zu einem solchen Umgang mit seiner Umgebung in der Natur . - Noch kurz , eh ich mit Dir bekannt war , hab ich manchmal oben in dem Baumwipfel meine Stimmungen über die Naturerscheinungen aufgezeichnet ; so kindisch und unvermögend mich auszusprechen , ich hab sie in einer Mappe aufgehoben , da schreib ich Dir eines auf zur Gedächtnisfeier . Vor zwei Jahren geschrieben am Ostermontag O himmlisch Grün , das unter Eis und Schnee in brauner Hülle sich barg und jetzt dein glühend Haupt im Antlitz der Sonne krönt . Geliebter Baum ! Könnt ich umwandeln doch in dein sanft rauschend Laub jene flüsternde Sprossen , die mit glänzendem Finger die Muse bricht , himmlischer Glorie voll , die Stirn zu umflechten dem Liebling , der mit Helm und Speer oder bogengerüstet , wo viel goldne Pfeile dahinfliegen , oder Rosse jagend oder mit leichtem Fuß zwölfmal umrennend das Ziel oder aufleuchtend mit der Flamme des Lieds , um sie wirbt . O Baum , dich umdrängt heute der Bienen Schar , sie ziehen dem Duft nach der honigregnenden Blüte , sie sammeln ihren befruchtenden Staub und versummen die Tagesglut in deiner Krone kühlem Rauschen . Aber dann würd in deinem Schatten ruhn , der König ist am Mahle des Geists , und nähren würde deine Wurzel die Flut , die den eignen Gott im Busen ihm begeistert , zu alleroberndem Triumph . Begegne dir nichts , was dich beleidigt , o Baum ! Den keiner der Unsterblichen umwandelt . Ich zwar träume den Frühling in deinem Schatten , und mir deucht von Unnennbarem widerhallen zu hören rings die Wälder und die Hügel . An die Günderode Ich lese Deinen Brief und schäme mich vor Dir , wie Du so edel und einfach mein verwirrtes Denken zurechtrichtest , und ich kann nicht ans Antworten denken , weil ich so voll Unruh bin . Die Bäume kränken mich ; ich kann ' s nicht begreifen , wie die Großmama sich nicht besser gewehrt hat , das ist ihre zu tiefe Empfindlichkeit , unterdessen hat man ihren Lieblingen den Hals abgeschnitten , man muß sich wehren für die Seinigen und dem Schlechten in den Arm greifen , der es antastet . Alles Erhabne und Schöne ist Eigentum der Seele , die es erkennt , und durch die Erkenntnis ist sie schutzverpflichtet . Alles ist der Teufel , es sei denn reine freie Gewissenswahrheit , und ich weiß keine höhere Anweisung an den Geist als : frag dich selber ! Und wenn da einer nicht das Rechte findet , so ist er ein Esel , und alles , was sich Schreckendes dem inneren Willen entgegenwirft , das muß bekämpft und verachtet werden , er ist der Ritter , der das Wasser des Lebens zwischen feuerspeienden Drachen und eisernen Riesen schöpft , vor seiner Verachtung und seinem Mut werden sie ohnmächtig . In Feenmärchen ist die heiligste Politik und auch die mächtigste ; ich wollt der größte Staatsmann werden und die ganz Welt unter meinen Fuß bringen , bloß daß die blaue Bibliothek mein geheimer Kabinettsrat wär ; und die Leut würden sich erstaunen , was ich als für Weisheit besäß . - Der Großmama möcht ich ' s sagen , sie wird es ganz gut aufnehmen ; und ich brauch sie auch nicht zu schonen . - Was ist ? - Die Großmama hat eine tiefe Seele , - andre nennen ' s Empfindsamkeit , Tiefe ist allemal Gewalt , aber sie ist gebunden und die Gewalt weiß nicht , wie leicht sie die Fessel abwerfen kann , hab ich mir doch manchmal den Atem fast ausgeblasen , wenn wir morgens im Wald uns ein Feuerchen wollten machen zu unserm Pläsier , und es ist immer wieder ausgegangen , und ich hab ' s immer am kleinsten Köhlchen wieder angezünd ' t , ich will auch blasen in