, Lebrun sei Schuld , daß der König seine schönen mythologischen Bilder für das Hotel Lambert nicht erlaubt hat , im Louvre auszustellen ? « » Ach , Madame , « seufzte Lesüeur leise - » Euer Gnaden sind so gut , daß Sie von der Bosheit der Menschen keine Vorstellung haben - der Herzog von Rochefaucault war ja schon völlig von der Einwilligung des Königs überzeugt , als er plötzlich über die ganze Sache schwieg und endlich die Achseln zuckte . Was konnte das Anderes bedeuten , als daß Seiner Gnaden mir den Grund verschweigen wollten ? « » Wie das nun aus der Luft gegriffen ist und eigentlich Nichts beweist ! « fuhr die Marschallin fort . » Der Herr Herzog kann ja so viel verschiedene Gründe gehabt haben , zu schweigen , wie Seiner Majestät , es abzuschlagen ! « » Ja , « sprach Lesüeur heftig , » aber le Beaume , der Kammerdiener Seiner Majestät , sagte mir , Lebrun habe an dem Tage eine Audienz bei dem Könige gehabt . Da wird Seiner Majestät ihn über den Werth der Bilder befragt haben , und Lebrun wird sie der Ehre unwerth erklärt haben , im Louvre ausgestellt zu werden . « » Nun , weiß Gott , « rief die Marschallin lachend , » wenn solch ' ein eigensinniger Künstler Recht haben will , dann wird ihm die gesunde Vernunft selbst dienstbar , seine tollen Behauptungen zu unterstützen ! Klingt es nicht , als ob er Recht hätte ? Und doch ist es nicht wahr , das möchte ich beschwören - Und ich will es heraus bekommen , verlaßt Euch darauf ! Und ist es so , schaffe ich Euch Genugthuung - der Gram soll nicht auch noch an Eurem Herzen nagen ! « » Ach , « rief Lesüeur , » es hat mein Herz so tief getroffen , daß Hilfe zu spät kommt , fürchte ich . Ich bin öffentlich lächerlich damit gemacht , verachtet und dem Hofe bloß gestellt . Denn schon hatte sich das Gerücht dieser Ehre verbreitet , und ich hatte Glückwünsche darüber empfangen . Wollte Gott , ich wäre weit weg von Paris ! Die Steine auf der Straße sehen mich an , und ich zittere , irgend wem zu begegnen , der mich kennt ! « - » In Wahrheit , Lesüeur , « erwiederte die Marschallin , als der kranke Künstler ermattet sich in seinem Stuhle zurücklehnte , und große Schweißtropfen seine Stirn bedeckten - » es wäre besser , Ihr verließet auf einige Zeit Paris ; und statt zu arbeiten , genösset Ihr etwas die Landluft , die Euch , trotz der vorgerückten Jahreszeit , bei der Milde dieses Winters zusagen würde . - Geht auf meinen Plan ein , und ich gebe dem Intendanten Befehl , auf meinem Schlosse Moncay Alles zu Eurem Empfange bereit zu halten . Dort gehet und fahret spazieren und begleitet die Jäger zur Jagd ! Ihr seid in Wahrheit krank und habt eine Krankheit , die Paris , das Louvre und Lebrun heißt , und die Ihr nur los werdet , wenn Ihr ihr entlauft ! « Lesüeur war tief bewegt - zu sehr , um seiner Stimme vertrauen zu können . Er arbeitete deshalb still fort , und wenn er den engelschönen Ausdruck von Louisens theilnehmenden Augen zu kopiren vermocht hätte , mußte dies Bild allein ihn unsterblich machen . Leonin aber fühlte sich bezaubert von dem Talente des Künstlers , und je mehr er sich überzeugte , Louise selbst in all ihrer Schönheit und Jugend und dem rührenden Ausdruck ihrer Seele trete aus der Leinwand hervor , um , entfernt von dem Originale , Jedem zu sagen , welch ' ein reizendes Wesen sie sei - je glühender fühlte er das Verlangen , so Fennimors Bild zu besitzen ; und die Hoffnung , auf diese Weise seiner Mutter einen vortheilhaften Eindruck zu geben , unterstützte immer entscheidender sein eigenes Verlangen . Belebt von diesem Zwecke , suchte er ein Gespräch mit Lesüeur einzuleiten und sein Vertrauen zu gewinnen ; auch war dies nicht schwer . Krankhaft reizbar , war er eben so empfänglich für eine edle Behandlung , der seine eigene Richtung vollkommen entgegen kam . Er zeigte eine feine , künstlerische Bildung , ein vollkommenes Studium der klassischen Kunst , und obwol er Frankreich nie , Paris kaum verlassen hatte , kannte er doch aus Kupferwerken und Copien die italienischen Schulen , betete Raphael als seinen Schutzheiligen an und glaubte vorzüglich in diesen letzten mythologischen Bildern die Erfolge seiner Studien dargethan zu haben . Als die Sitzung aufgehoben war , begleitete ihn Leonin und beredete ihn , sein Zimmer zu betreten , unter dem Vorwande , seine Equipage zu bestellen , um den sichtlich erschöpften Künstler nach Hause bringen zu lassen . - Hier kam er auf den Plan der Marschallin zurück , daß Lesüeur aufs Land gehen solle - und schlug ihm endlich vor , Ste . Roche statt Moncay zu wählen , und abwechselnd dem Umherschwärmen im Freien und einer Arbeit zu leben , die er ihm dort aufzutragen dächte . Lesüeur war hingerissen von Leonins Betragen - voll Sehnsucht , Paris zu verlassen . Das Portrait der Mademoiselle Louise war fertig - vorläufig hielt ihn Nichts - und ehe sie sich trennten , hatte Leonin sein Wort . Die Abreise des Kammerdieners ward einen Tag aufgeschoben , damit er Lesüeur mit aller Sorgfalt , die seine Gesundheit erforderte , nach Ste . Roche begleiten könnte . » Was Sie dort für Arbeit finden , wird Ihnen ein Brief mittheilen , den Sie unterwegs lesen werden , « setzte Leonin lächelnd hinzu - » seien Sie sicher , der Gegenstand wird Sie begeistern ! « In diesem Briefe verläugnete er Fennimor als seine Gemahlin nicht ; doch mit dem ausdrücklichen Verlangen , hierüber noch das größte Geheimniß zu bewahren . Erst , als er Alles zu dieser Reise bei seinem gewandten Kammerdiener eingeleitet hatte ,