, die süße Frühlingsluft kein drohend Wort vernehmen ! - Aber die Leidenschaften ziehen eine Eiswand um des Menschen Herz , die auch der Lenz nicht zu schmelzen vermag ; das rohe jüngere Geschlecht kümmert sich nicht um den Wonnemond , weil seine kräftige Begehrlichkeit nicht nach der Sonnenwende fragt , um Wonne zu genießen ; und nur des reifen Alters Vorzug ists , das Leben zu verstehen , ihm Sinn und Deutung zu geben , und zu wissen , daß unser irdisch Theil ein treues Conterfei des Wechsels in dem Weltall darstellt . Wenn er ' s auch nicht aussprach , so fühlte doch Herr Diether , der Altbürger , dasselbe , da er an einem wunderschönen Morgen in seinem Gärtlein lustwandelte , das vor der Stadt gelegen war , und trotz seinem einfachen Plankengehäge , und dem darin schlicht von Dielen auferbauten Lust- und Werkhäuslein höher von Diether geachtet wurde , als sein stolzes Haus zu Frankfurt selbst . Auf den Arm seiner Ehefrau gestützt , - denn noch war die Wunde , an der er darniedergelegen , nicht völlig vernarbt , schritt er sinnend , aber hellen Auges , auf und nieder , und erging sich in der würzigen Luft und dem warmen Himmelshauche . Frau Margarethe , ihrerseits in Gedanken versunken , aber dennoch ein Auge sorglich auf den presthaften Gatten geheftet , während das andre nach dem kleinen Hans hinüberschweifte , der mit Elsen in einem Winkel des Gartens spielte , schwieg gleich ihrem Herrn . Da begehrte der Letztere zu sitzen , und Margarethe führte ihn zu der Bank an der Thüre des Häuschens . Als sie nun beide darauf Platz genommen , fingen die Glocken der Stadt an ihr Geläute ertönen zu lassen . Diether schlug die Hände fromm zusammen , sah eine Weile still vor sich hin , und redete alsdann : Sie haben in der Stadt ein gottesfürchtig Werk vor . In diesem Augenblicke legt der hochwürdige Stiftsdechant , Herr Jakob Herdan , den Grundstein zu einem stattlichen Thurme , der am Damm aufgeführt werden soll . Ehrenwerth ist es , da ein Denkmal für den lieben Herrgott hinzusetzen , wo früher das Rathhaus stand , auf dem der Bürger Wohl besorgt wurde ; und ziemlich ist ' s zu gleicher Zeit , daß ich , den Gebreste verhinderte , von Amtswegen bei der heiligen Handlung zu seyn , den festlichen Augenblick begehe mit frommer That und Rede . Seht , meine werthe Hausfrau : ich habe es bis jetzt aufgespart , mit Euch etwas zu besprechen , das mir am Herzen nagte . Es kann Euch nicht entgangen seyn daß ich seit einiger Zeit wohl nicht derselbe gegen Euch war , der ich früherhin gewesen . Ich kann leider nicht läugnen , daß der Tag , an welchem Euer Bruder uns mit gewohnter Unverschämtheit heimsuchte , eine Quelle des Argwohns und traurigen Verdachts für mich geworden . Ich schäme mich schier , die Reden des wüsten Menschen zu wiederholen , die niemals einen Eindruck auf mich hätten machen sollen . Aber der Mensch ist ein schwaches Geschöpf . Von dem Kleinern zum Größern fortzuschreiten , - selbst den Funken zum Brande anzublasen ist ihm ein gering Geschäft . Der Böse verblendete mich ganz , da mich der Meuchelmörder überfallen und gezeichnet hatte . Ich beklage den Wahn , der mich gehässig gegen Euch anreizte , daß ich eure Hülfe von mir stieß , und mich wie ein Toller geberdete , bis ich ohnmächtig mich Eurer Fürsorge überlassen mußte . Da gingen mir endlich nach und nach die Augen auf . Euer still besonnenes Thun , gleich weit entfernt von dem Trugeifer einer Heuchlerin , wie von der schadenfrohen Sorglosigkeit eines Weibes , das sich Witwe zu werden sehnt , erweichte mein Gemüth , wie meine Wunde . Dennoch , argwöhnisch , wie ich war , las ich aufmerksam in eurem Blicke , und mir entging die ruhige Freude nicht , mit welcher Euch meine Genesung erfüllte . O , diese Überzeugung trug viel zu meiner Herstellung bei , und , als ein gerechter Mann , der sich nicht scheut , sein Unrecht einzugestehen , frage ich Euch heute , unterm Blau des Himmels , und in Gegenwart unsers Kindes , ob ihr den gräulichen Verdacht vergeben könnt . » Mein werther Eheherr .... « stammelte Margarethe überrascht und beschämt : » Wie könnt Ihr doch meinen , daß ein Groll gegen Euch .... « » Lieb Weib , « fiel Diether ein : » Ich liebe das Geradezu . « Scheltet mich aus , wie einen Heiden , daß ich zweifeln konnte an Eurer Ehre und euerm Christenthum , auf das Zeugniß eines Lügners hin , und auf die That eines meuchlerischen Buben . » Nein , « - fuhr er fort , Margarethens Wange und Hand streichelnd - » dies fromme Angesicht konnte mich nicht an einen Andern verrathen ; diese Hand , die mich so zart und sorgsam pflegte , hat nicht auf das Leben eines alten Mannes gezielt . « - » Jesus ! « seufzte Margarethe erschrocken : » Was kommt Euch zu Sinne , lieber Herr ? Die Heiligen mögen Euch verzeihen , wie ich es thue , ob solchem schnöden Verdacht . « » Wenn Ihr vergebt , die Beleidigte , so thun es die Heiligen nicht minder ; « antwortete Diether ; » und förder sollt Ihr nicht klagen können . Der Versucher soll nimmer an mich kommen . Mein Siechthum hat gar Vieles anders gemacht in meinem Innern . Eine recht süße Wehmuth , wie ich sie nie gefühlt , seit ich zum Erstenmal freite , hat mirs angethan , und den Wunsch in mir erregt , Alle , die mir nahe angehören , um mich her versammelt zu sehen : den Bruder , den Sohn , und .... ach ja ... und auch die Tochter , obgleich sie sich von uns geschieden hat mit Vorbedacht . Seht , Margarethe , auch