ihm eine früher nie gekannte kräftige Regsamkeit . Er gelobte mit Entzücken , sein Leben zwischen seiner Luise und der Erfüllung der Wünsche seines Bruders zu theilen ; er hörte mit nie ermüdender Aufmerksamkeit auf dessen belehrenden Rath , warf sich mit dem schönen Eifer unverdorbener Jugend in die ihm vorgezeichnete Bahn , und begann mit so viel Ernst , so vieler Anstrengung sie zu verfolgen , daß Bernhard die schönsten Hoffnungen einer ihn und Alle beglückenden Zukunft daraus schöpfen mußte . Auch das dankbare Gefühl , mit dem Luise in Bernhard den Gründer ihres ganzen Lebensglückes verehrte , läßt sich nicht in Worte fassen ; sie versprach gleichfalls seinen Rath in allem so zu folgen , als wäre es der Befehl eines zu ihrem Heile vom Himmel herabgestiegenen höheren Wesens . Bernhard war in ihren Augen ein Halbgott , zu dem sie nur mit staunender Bewunderung seiner Größe hinauf sah , Albert ein Sterblicher ; sie fühlte , daß sie sich jenem nur mit scheuer Ehrfurcht nahen dürfe , diesen liebte sie herzlich mit allen seinen Mängeln ; doch läßt sich nicht ableugnen , daß ihr letztere nie sichtbarer erschienen , als wenn er der hohen edlen Gestalt seines Bruder gegenüber stand . Die Vermählung des jungen Paares ward in Luisens väterlichem Hause sehr glänzend gefeiert , doch Bernhard mochte mit seinem zerrissenen Gemüth kein Zeuge davon seyn ; ohne förmlichen Abschied begab er sich einige Tage früher auf den Weg zu seiner Bestimmung , und Albert und Luise blieben ganz allein in ihrer weitläufigen alten Burg . Der in gebürgigen Gegenden gewöhnlich früher eintretende Herbst scheuchte bald darauf alle Gutsnachbare in die Stadt ; auch Baron Steinau mit den Seinen kehrte zum Schauplatz seiner gewohnten Winterfreuden zurück ; Albert aber hielt standhaft an das seinem Bruder geleistete Versprechen , Leuenstein nicht zu verlassen , und auch Luise , die im Rausche der ersten jungen Liebe den Winteraufenthalt auf dem Lande sehr romantisch fand , stimmte freudig ihm bei . Monate vergingen und Albert schwebte noch immer wonnetrunken in einem Meer von Seeligkeit , nur in der Liebe seiner Luise war er seines Daseyns sich bewußt , jede Stunde schien ihm wie aus seinem Leben gerissen , die er außer dem Bereich ihres seelenvollen Auges , ihres anmuthigen Lächelns zubringen mußte ; er sah , er dachte nichts als sie , und alles andere rings um ihn her war für ihn so gut als verloren . Bernhards Schreiben aus Maltha rüttelte ihn zuerst aus seinen süßen Träumen wieder auf ; ein leiser Ausdruck der Unzufriedenheit schien ihm über die edlen schönen Züge seines Wohlthäters zu schweben , als er den Ring mit dem Porträt des Bruders betrachtete , und das dunkle Erröthen eines nicht ganz freien Bewußtseyns glühte dabei auf Alberts Wangen . Gewaltsam nahm er sich jetzt zusammen , indem er nochmals sich gelobte , jedes Bedingniß der ihm gewordenen Seeligkeit zu erfüllen , um die Erwartungen des edlen Schöpfers seines Glückes in keiner Hinsicht zu täuschen ; leider aber fand er jetzt bei dem ersten Versuche , sich der Verbesserung seines jetzigen Eigenthums anzunehmen , Schwierigkeiten , die er , durch Bernhards Nähe gehoben , sich so groß nimmer gedacht hätte . Er verstand es zwar , die Bahnen der Kometen zu berechnen und die Lösung keiner noch so verwickelten Aufgabe der höhern Mathematik war ihm zu schwer , aber ihn schwindelte vor den bogenlangen , wahrscheinlich nicht ohne Absicht verworrenen Rechnungen und Tabellen , welche seine Beamten ihm vorlegten , und die Unmöglichkeit sich da hindurch zu finden , schlug seinen Muth fühlbar nieder . Mit der praktischen Oeconomie ging es ihm nicht besser ; er las mit unerhörtem Eifer alles , was über diesen Gegenstand geschrieben ward , der gerade in dieser Zeit anfing viele der ersten Köpfe , besonders in England zu beschäftigen ; doch alle zum Theil sehr kostspieligen Versuche , die er nach jenen Vorschriften anstellte , fielen unglücklich aus , theils weil sie am unrechten Platz angewendet wurden , theils weil man sie nicht mit der gebührenden Aufmerksamkeit auszuführen suchte . Seine große Unerfahrenheit , verbunden mit seinem Mangel an Menschenkenntniß , verleitete ihn auch zu unzähligen Mißgriffen anderer Art. Er wandte oft seine ganze Aufmerksamkeit Gegenständen zu , die an sich wenig bedeuteten und lies darüber das Wichtigere aus der Acht ; er entdeckte und bestrafte kleine Betrügereien und übersah die gröbsten Unterschleife , welche dicht unter seinen Augen vorgingen . Weder sein Mißgeschick , noch seine eigene Unfähigkeit , am allerwenigsten das aus beiden hervorgehende traurige Resultat , konnte ihm lange verborgen bleiben , und alles dieses vereint beugte ihn tief . Sein ihm angeborner , durch die klösterliche Erziehung noch mehr ausgebildeter Hang zur Schwermuth erwachte von neuem und er wurde mit jedem Tage trüber und mißmuthiger . Die arme Luise begann unter diesen Umständen gar bald sich heimlich nach dem fröhlichen Leben in dem heitern Hause ihrer Eltern zurück zu sehnen , denn der Abstand war gar zu groß . Sie seufzte oft recht schmerzlich aus tiefster Brust , wenn sie mit aller ihrer Liebenswürdigkeit dem armen Albert kein Lächeln mehr abzugewinnen vermochte , und ihr sonst immer klares Auge füllten Thränen , wenn er mit trübem Blick sie an seine gramerfüllte Brust drückte , statt , wie sonst , sich mit ihr des Lebens in der schönen , sonnenhellen Welt heiteren Sinnes zu freuen . Albert sah den Kummer der noch immer Heißgeliebten , und fühlte mit unnennbarem Weh , daß es nicht in seiner Macht stand , ihn völlig zu heben ; indessen wollte er es doch versuchen , ihn wenigstens einigermaßen zu zerstreuen . Er bemühte sich ihre kleinen Wünsche zu erforschen , um durch deren Erfüllung ihr Leben zu erheitern . Sie liebte die zierliche Eleganz der häuslichen Umgebungen , an die sie in ihrer Eltern Hause von Jugend auf gewöhnt worden war , und Albert überraschte sie freudig mit manchem Geschenk dieser Art. Doch jedes von diesen machte wieder andre Dinge nothwendig